Sonderveröffentlichung

Neueröffnung Burg Vischering

Lüdinghausener Burg Vischering dient seit 1972 als Museum des Kreis Coesfeld

Die bewegte Historie von Vischering begann um 1271 / Museum seit 1972

Auch die Nachbildung einer spätmittelalterlichen Ritterrüstung gehört zu den Exponaten.
Auch die Nachbildung einer spätmittelalterlichen Ritterrüstung gehört zu den Exponaten.
tl-  Kreis Coesfeld/Lüdinghausen. Die Burg Vischering hat ihren Ursprung in einer machtpolitischen Auseinandersetzung zwischen Landesherrn und Landadel: Der Bischof von Münster, Gerhard von der Mark ließ die Burg als Landesherr kurz vor 1271 auf einer Insel in den Steverauen erbauen, um die landesherrlichen Rechte des Bistums gegenüber den aufrührerischen Brüdern Ritter Hermann I. und Ritter Bernhard von Lüdinghausen zu sichern.

Spätestens ab 1455 nannte sich die durch Lehensverleihung auf der Burg ansässige Familie Droste zu Vischering. Im Jahr 1521 wurde die Kernburg durch ein verheerendes Feuer weitgehend zerstört.

Für den Wiederaufbau verantwortlich zeigte sich Heidenreich Droste zu Vischering, der nicht nur ein prachtvolles Himmelbett hinterlassen hat, sondern auch mit einem Porträt in der Dauerausstellung präsent ist. Bis 1570 baute er den Südflügel aus und sorgte für eine bauliche Vereinheitlichung der Burg. Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde die Burg vermutlich 1633 durch hessische Soldaten besetzt, noch mindestens bis Oktober 1634 war die Anlage in hessischer Hand. 1680 verlegte die Familie zu Vischering ihren Wohnsitz auf das Schloss Darfeld. Die Burg blieb Verwaltungssitz und wurde von einem Rentmeister verwaltet.

1720 ließ Christoph Heidenreich zu Vischering den Vorburgbereich neu gestalten. Im Zuge der Bauarbeiten wurde dem dort seit dem 16. Jahrhundert bestehenden Bauhaus ein zweiflügeliges Wirtschaftsgebäude angefügt. Ein exponiertes Mitglied der Familie war Clemens August Freiherr zu Droste Vischering (1773 bis 1845), der von 1835 bis 1845 als Clemens August II. Erzbischof von Köln war. 1893 wurde die Burg zwischenzeitlich wieder Stammsitz des Erbdrosten, da ein Feuer Schloss Darfeld stark beschädigt hatte. Als das Vorwerk um 1850 abgerissen und durch ein Pförtnerhaus (heutiger Museumsshop) ersetzt wurde, musste die Burg Vischering schon lange keiner kriegerischen Auseinandersetzung standhalten.

Während des 2. Weltkrieges wurde 1944 auch die Burg Vischering beschädigt: Die Mühle wurde durch einen Direkttreffer fast vollständig zerstört, die Hauptburg durch Druckwellen eines nahen Einschlags teilweise stark beschädigt.

Nach dem Krieg finden Vertriebene aus Ostpreußen und anderen Gebieten auf dem gesamten Gelände der Burg Wohnunterkünfte. Nachdem der Kreis Lüdinghausen hier bereits seit den 60er Jahren regelmäßige Kunstausstellungen veranstaltet hat, geht die Burg Vischering nach der Gebietsreform in die Hände des Kreises Coesfeld über.

Dieser lässt die Burg Anfang der 1970er Jahre grundlegend sanieren und richtet 1972 ein Museum ein.

Es wird nicht nur der Rittersaal in seiner heutigen Form wiederhergestellt, auch der Kamin Heidenreichs wird freigelegt und man entdeckt die berühmten und höchst seltenen Wandmalereien in Secco-Technik in den Fensterlaibungen.