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Sonderveröffentlichung

Freiwillige Feuerwehr Telgte

Das „Mädchen für alles“

Dieter Leuer kümmert sich hauptamtlich um die Geräte der Freiwilligen Feuerwehr

Das Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF), vor dem Dieter Leuer hier steht, ist ein Universalfahrzeug, „eine Eierlegendewollmilchsau“, wie der Feuerwehrgerätewart schmunzelnd anmerkt. Fotos: Biniossek
Das Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF), vor dem Dieter Leuer hier steht, ist ein Universalfahrzeug, „eine Eierlegendewollmilchsau“, wie der Feuerwehrgerätewart schmunzelnd anmerkt. Fotos: Biniossek
Klar, die Freiwillige Feuerwehr Telgte besteht aus Ehrenamtlichen. Doch ganz kommt die Wehr nicht ohne Profis aus. Einer davon ist Dieter Leuer, der seine Dienstzeit im neuen Feuerwehrgerätehaus an der Alverskirchener Straße als Feuerwehrgerätewart verbringt. Seit 2008 kümmert sich der 36-jährige Everswinkeler um das Material der Feuerwehr und sorgt so dafür, dass dieses sich in erstklassigem Zustand für die Einsätze befindet. Keine einfache Aufgabe, wie der gelernte Landmaschinenmechaniker auf WN-Nachfrage erklärt.

Ein Feuerwehrwagen hat weit mehr Inventar als nur Wasser, Schlauch und Pumpe an Board, das auch gewartet werden will. Foto: Große Hüttmann
Ein Feuerwehrwagen hat weit mehr Inventar als nur Wasser, Schlauch und Pumpe an Board, das auch gewartet werden will. Foto: Große Hüttmann
Es ist ein ganz normaler Mittwochmorgen, als der Besucher am Tor der Feuerwehr klingelt. Kurze Zeit später meldet sich Dieter Leuer per Gegensprechanlage, doch es dauert seine Zeit, bis der 36-Jährige die Tür öffnet. Es ist schon ein langes Stück Weg, den Leuer vom „Weißbereich“ entlang der vielen Einsatzfahrzeuge bis zur Tür des Gerätehauses zurücklegen muss. Dann geht es mit dem Gast zurück zum HFL 20. „Das ist unsere Eierlegendewollmilchsau“, schmunzelt der Fachmann. Das Hilfeleistungslöschfahrzeug, so der korrekte Name, ist das erste Fahrzeug, das bei einem Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr ausrückt, „weil es praktisch alles an Bord hat, was bei einem Ersteinsatz benötigt wird“, berichtet Leuer.

»Ein kompletter Fahrzeugcheck dauert dann schon einmal zwei Wochen.«

Dieter Leuer, Feuerwehrgerätewart
Ein Mal im Jahr nimmt sich der Gerätewart jedes Fahrzeug bis auf die letzte Schraube vor. „Dieser umfangreiche Fahrzeugcheck dauert dann schon einmal zwei Wochen“, so der Fachmann.

Zu den Arbeiten des hauptamtlichen Feuerwehrmanns Dieter Leuer gehört die Überprüfung der Atemschutzgeräte.
Zu den Arbeiten des hauptamtlichen Feuerwehrmanns Dieter Leuer gehört die Überprüfung der Atemschutzgeräte.

Das ist allerdings nur ein kleiner Bereich seiner Tätigkeit, schließlich müssen die Fahrzeuge nach jedem Einsatz überprüft und die Verbrauchsgüter komplettiert werden. „Das machen die Kameraden im Regelfall nach dem Einrücken selbst“, berichtet Leuer. Doch benutzte Dinge wie beispielsweise Atemschutzgeräte „werden durch mich gereinigt und auf Dichtigkeit geprüft. Schließlich kann bei einem Einsatz davon das Leben der Kameraden abhängen“. Ein eigener Raum im „Weißbereich“ steht dem Gerätewart Leuer für diese Tätigkeit zur Verfügung. Zudem bearbeitet er Mängel, die die Blaumänner an ihn übermittelt haben.

„Mein Job ist es, die Fahrzeuge zu überprüfen und in Schuss zu halten“, erklärt Leuer. Das betrifft zum einen die technischen Gerätschaften, zum anderen die Fahrzeuge selbst. Egal, ob Kontrolle der reifen, der Beleuchtung, der zahlreichen Geräte, die die Kameraden mit an Bord haben. Und natürlich auch, dass Ersatzgeräte in genügender Anzahl vorhanden sind.

Rechte und Pflichten von Feuerwehr und Stadtverwaltung

Städte haben die gesetzliche Pflicht, eine den örtlichen Verhältnissen entsprechende, leistungsfähige Feuerwehr zu unterhalten eine den örtlichen Verhältnissen angemessene Löschwasserversorgung sicherzustellen. Außerdem Maßnahmen zur Verhütung von Bränden zu treffen, etwa durch regelmäßige Brandschauen sowie die Stellung von Brandsicherheitswachen.

Die Feuerwehr wiederum hat die Aufgabe, Schadenfeuer zu bekämpfen, Hilfe bei Unglücksfällen und öffentlichen Notständen zu leisten. Die öffentliche Feuerwehr wird von der Stadt Telgte als Freiwillige Feuerwehr unterhalten. Sie ist eine gemeindliche Einrichtung. Die Stadt Telgte muss im Rahmen ihres pflichtgemäßen Ermessens über eine entsprechende Stärke und Gliederung der Feuerwehr sowie über eine notwendige Sachausstattung entscheiden. Auch die Grundausbildung ist Pflicht der Gemeinde. Die Freiwillige Feuerwehr wird durch den Wehrführer geleitet. Er und sein Stellvertreter sind Ehrenbeamten der Stadt. Sie werden nach Anhörung der Freiwilligen Feuerwehr auf Vorschlag des Kreisbrandmeisters vom Rat der Stadt Telgte auf Dauer von sechs Jahren gewählt. Ihr Dienstvorgesetzter ist der Bürgermeister. Die ehrenamtlichen Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr werden durch den Leiter der Wehr aufgenommen, befördert und entlassen. Der Wehrführer ist Dienstvorgesetzter der ehrenamtlichen Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr. Er bestellt auch die Funktionsträger wie Zug- und Gruppenführer. Organisatorisch ist die Feuerwehr als gemeindliche Einrichtung dem Ordnungsamt der Stadtverwaltung zugeordnet. Der Kreis Warendorf als Aufsichtsbehörde ist berechtigt, jederzeit den Leistungsstand der Freiwilligen Feuerwehr Telgte zu überprüfen. Er kann Weisungen erteilen, die gesetzmäßige Erfüllung der Stadt Telgte obliegenden Aufgaben zu sichern. Zur Unterstützung des Landrates bei der Aufsicht über die Freiwilligen Feuerwehren ist ein Kreisbrandmeister bestellt. Dieser kann die Leitung der gemeindeeigenen Freiwilligen Feuerwehren im Einsatz übernehmen.

Immer im Einsatz wenn‘s brennt

Die Freiwillige Feuerwehr Telgte ist seit 1885 im Notfall vor Ort

Immer im Einsatz: Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Telgte sorgen ehrenamtlich für die Sicherheit der Bürger. Neben der Bekämpfung von Feuer leisten die Kameraden unter anderem Hilfe bei Verkehrsunfällen und in Notfällen. Fotos: Große-Hüttmann/Bickert
Immer im Einsatz: Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Telgte sorgen ehrenamtlich für die Sicherheit der Bürger. Neben der Bekämpfung von Feuer leisten die Kameraden unter anderem Hilfe bei Verkehrsunfällen und in Notfällen. Fotos: Große-Hüttmann/Bickert

Die Freiwillige Feuerwehr in Telgte hat eine mehr als 130- jährige Tradition. Sie wurde am 31. Mai 1885 gegründet. Mitbegründer und erster Wehrführer war Carl Evens. Heute stehen Stadtbrandmeister Alfons Huesmann und sein Stellvertreter Nico Sand insgesamt 117 Aktiven in Telgte und Westbevern vor. Zusammen mit weiteren Mitgliedern der Wehrführung koordinieren sie sämtliche Aktivitäten und Hilfeleistungen. Ein besonderer Augenmerk wird seit vielen Jahren auf die Aus- und Weiterbildung der Feuerwehrleute gelegt. Regelmäßig finden Schulungen am Standort statt, zudem besteht die Möglichkeit, Lehrgänge und Schulungen beispielsweise beim Institut der Feuerwehr zu besuchen.

Ein wichtiger Bestandteil des Konzeptes der Feuerwehr ist eine enge Zusammenarbeit mit den Wehren in der Nachbarschaft. Ein Beispiel dafür sind die beiden Groß-Tanklöschfahrzeuge, die in den vergangenen Jahren im sogenannten TEO-Verbund der Kommunen Telgte, Everswinkel und Ostbevern beschafft wurden. Zudem arbeiten die Wehren nicht nur bei Einsätzen an den jeweiligen Grenzen der Kommunen eng zusammen, sondern veranstalten auch regelmäßige Übungen und Fortbildungen zusammen. Außerdem rücken Mitglieder von Nachbarwehren, die beispielsweise in Telgte arbeiten, bei Einsätzen regelmäßig mit aus.

Noch ein wenig Geschichte: Die Löschgruppe Raestrup entstand am 20. September 1908, erst fünf Jahre später wurde die Löschgruppe Westbevern am 1. April 1913 gegründet. 1925 bildete sich zudem eine Löschgruppe Westbevern-Vadrup, die seit Jahrzehnten in den Löschzug Westbevern integriert ist. Am 1. März 1972 wurde die Jugendfeuerwehr Telgte ins Leben gerufen, um den Nachwuchs frühzeitig für die Arbeit eines Feuerwehrmannes oder einer Feuerwehrfrau zu begeistern. Gemeinsame Übungsabende, bei denen die Mitglieder der Jugendfeuerwehr das „ABC“ der Wehr erlernen, gehören ebenso zum Programm wie Unternehmungen, die den Spaß und den Zusammenhalt untereinander sicherstellen sollen. Derzeit sind Pierre Dorneau und Verena Baune für den Nachwuchs der Wehr zuständig.

Der Löschzug Telgte hat als Hauptstandort das neue Gerätehaus an der Alverskirchener Straße und zählt aktuell 69 Mitglieder. Zusätzlich gibt es derzeit noch den Standort Nord an der Ritterstraße im ehemaligen Feuerwehrhaus. Ein Einsatzfahrzeug ist zudem seit Jahren bei der Firma Winkhaus stationiert. Das Unternehmen beschäftigt zehn Mitarbeiter , die auch in der Wehr aktiv sind. An der Alverskirchener Straße befindet sich in direkter Nachbarschaft zur Wehr die Rettungswache des Kreises Warendorf - eine wichtige Zusammenarbeit.

Der Löschzug Westbevern der Freiwilligen Feuerwehr Telgte ist an der Grevener Straße in Westbevern untergebracht. Er zählt aktuell 40 Mitglieder. Die Löschgruppe Raestrup hat ihr Gerätehaus direkt an der B 64 auf dem Gelände der Familie Büscher. Acht Aktive sind dort in den Listen der Feuerwehr verzeichnet.