Sonderveröffentlichung

Unfall - was nun?

Für den Zweifelsfall

Ein Versicherungsgutachter schätzt Schäden ein

Versicherungsgutachter müssen sich häufig mit fatalen Unfällen beschäftigen. Ein Beispiel: Das Auto schießt rückwärts aus der Parklücke, erfasst eine Passantin, die dann mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus kommt – die Freiberuflerin kann bis aufs Weitere nicht arbeiten. Sie fordert Schmerzensgeld und Schadensersatz von der Versicherung des Fahrers. Wie viel sie bekommt, das entscheiden weder sie noch der Versicherer – sondern ein Gutachter.

Die werden meist dann beauftragt, wenn es um viel Geld geht – wie etwa bei Fragen zur Berufsunfähigkeit oder wenn ansonsten keine Einigung in Sicht ist. „Konkret prüfen Versicherungsgutachter die Ansprüche und Anspruchshöhe und letztlich auch die Entschädigungsleistung der Versicherungsgesellschaft“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten.

Meist halten sich Versicherer an das, was die Gutachter ihnen empfehlen. Allerdings entspricht dies nicht immer den Erwartungen des Versicherten. Dennoch haben auch Verbraucher die Möglichkeit, ein Gegengutachten in Auftrag zu geben: etwa wenn er für den Schaden am Hausdach 35 000 Euro will, die Versicherung aber nur 27 000 Euro zahlen möchte. „Die Kosten hierfür muss der Versicherte allerdings selbst tragen“, mahnt Weidenbach.

Wer sich eignet, hängt von dessen Erfahrung und Ausbildung ab. „Geht es etwa um Streitigkeiten bezüglich handwerklicher Tätigkeiten, kann auch ein Handwerksmeister als Sachverständiger herangezogen werden“, sagt Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale NRW.

Ein Indiz für die fachliche Qualifikation sei die Bezeichnung „öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger“, erklärt Silke Auras-Konetzny von der Handelskammer Hamburg. Er muss also seine Aufgaben weisungsfrei ausüben – und darf sich nicht beeinflussen lassen.  (dpa)

Radler ohne Licht haften

Radler ohne Licht bringen nicht nur andere und sich selbst in Gefahr. Sie müssen unter Umständen nach einem Unfall mithaften, auch wenn sie auf der Vorfahrtsstraße radeln. Das zeigt ein Urteil des Oberlandesgerichts Hamburg (Az.: 14 U 208/16). Ein Radler wollte bei Dunkelheit in eine Vorfahrtsstraße einbiegen. Dabei erschrak er durch einen anderen Radfahrer, der ohne Beleuchtung auftauchte. Der Einbiegende fiel und forderte ein Schmerzensgeld.

Wer in einen Fließverkehr einfährt, so das Gericht, muss das zwar mit erhöhter Sorgfalt machen. Aber es spielt hier auch eine Rolle, dass der andere Radler ohne Licht fuhr und bei normaler Straßenbeleuchtung schlecht erkennbar gewesen sei. Daher trifft den Radler ohne Licht eine Mitschuld von 30 Prozent.  (dpa)