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Sonderveröffentlichung

Weiter mit Bildung

Generation Ü50 holt auf

Etwa jeder Zweite macht Weiterbildung

Besonders weiterbildungsaktiv sind die Altersgruppen bis 50 Jahren. Zunehmend sind aber auch ältere Arbeitnehmer bei Qualifizierungsangeboten dabei. Foto: Agentur für Arbeit
Besonders weiterbildungsaktiv sind die Altersgruppen bis 50 Jahren. Zunehmend sind aber auch ältere Arbeitnehmer bei Qualifizierungsangeboten dabei. Foto: Agentur für Arbeit
Im vergangenen Jahr haben 50 Prozent aller Deutschen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren an mindestens einer Weiterbildungsmaßnahme teilgenommen. Die Beteiligung bleibe damit auf hohem Niveau, nachdem sie zwischen 2010 und 2012 deutlich angestiegen sei, teilte das Bundesbildungsministerium mit, das die Studie in Auftrag gegebenen hatte.

Besonders weiterbildungsaktiv sind demnach die jüngeren Altersgruppen bis zum Alter von 50 Jahren, aber auch die Generation 50plus hat in den vergangenen zehn Jahren ihre Beteiligung kontinuierlich gesteigert. Auch bei den über 65-Jährigen nimmt immerhin noch jeder Fünfte an Weiterbildungsmaßnahmen teil.

Eine wesentliche Veränderung der Lebens- und Arbeitswelten stellt die Digitalisierung dar. Sie hält natürlich auch in der Weiterbildung Einzug. Die Anforderungen der Digitalisierung sind nicht nur Gegenstand vieler Weiterbildungen, laut Studie finden auch mehr als 40 Prozent aller Weiterbildungsmaßnahmen in digital gestützter Form statt. Weiteres Ergebnis der Untersuchung: Deutsche ohne Migrationshintergrund nehmen häufiger an Weiterbildungen teil als Deutsche mit Migrationshintergrund und Ausländer. Allerdings holten diese beiden Gruppen in den vergangenen Jahren auf.


„Digitalisierung ist eine Chance“

Interview mit HWK-Geschäftsführer

Thomas Banasiewicz, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Foto: Peter Lessmann
Thomas Banasiewicz, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. 
Foto: Peter Lessmann
Die Handwerksbetriebe in der Region sind maßgeblich an der wirtschaftlichen Stärke des Münsterlandes beteiligt. Trotzdem steht das Handwerk vor verschiedenen Herausforderungen. Wie die Betriebe auf die Digitalisierung der Wirtschaftskreisläufe reagieren, erklärt Thomas Banasiewicz, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Münster im Gespräch.

Die Digitalisierung erfasst heute nahezu alle Bereiche des Lebens – nur im Handwerk scheint sie manchmal eine untergeordnete Rolle zu spielen. Haben viele Betriebe Nachholbedarf?

Thomas Banasiewicz: Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Natürlich haben Unternehmen, die Prozesse digitalisieren können, eine wesentlich bessere Wettbewerbsposition. Denn die Digitalisierung bietet Chancen im Bereich der Effizienz, wenn es darum geht, zeitsparend und kostengünstig zu produzieren. Außerdem hat sie eine große Bedeutung in der Kommunikation mit Kunden und anderen Betrieben. Im Handwerk gibt es aber auch Aufgaben, die nicht digitalisiert werden können. Klassisches Beispiel ist die Wand, die nicht am Computer gestrichen werden kann.

Welche Branchen sind für die Digitalisierung prädestiniert?

Banasiewicz: Es gibt viele Bereiche, in denen technische Innovationen zum Einsatz kommen können. Zum Beispiel können Dachdecker heute mit Multikoptern Dächer ganz leicht begutachten, wo früher erst ein Gerüst aufgebaut werden musste. Wenn Kunden online Termine beim Friseur ausmachen können, ist das auch eine Form der Digitalisierung. Insgesamt hat der Baubereich eine sehr starke Entwicklung durchgemacht. Natürlich auch die Elektrotechnik. Dagegen spielt die Digitalisierung etwa für Fleischer eine deutlich geringere Rolle.

Sehen Sie denn insgesamt Nachholbedarf?

Banasiewicz: Der Begriff Digitalisierung hat so viele Facetten. Da gibt es vor allem Aufklärungsbedarf. Wir versuchen den Betrieben deutlich zu machen, dass das Thema von der Produktion bis zum Vertrieb sehr viele Chancen bietet. In der Handwerkskammer gibt es dafür eine eigene Digitalisierungsberatung.

Was beinhaltet diese Beratung?


Banasiewicz: In einem Gespräch wird ausgelotet, welche Möglichkeiten sich für den einzelnen bieten und was sinnvoll ist. Auch ein Website-Check gehört dazu. Um mit Kunden in Kontakt zu treten, bietet sich das Internet natürlich an. Es kommt aber darauf an, welche Zielgruppe der Handwerker erreichen und was er über seine Plattform anbieten will.

Manche Handwerksbetriebe findet man heute nur in den Gelben Seiten, aber nicht im Netz. Wie wichtig ist ein eigener Internet-Auftritt?

Banasiewicz: Eine Website ist so etwas wie eine digitale Visitenkarte. Wir sind mittlerweile eine Google-Gesellschaft. Deshalb ist es enorm wichtig, auf den Suchmaschinen präsent zu sein und von Kunden gesehen zu werden. Wenn man eine eigene Internet-Seite hat, bedeutet das aber auch, dass man sich Gedanken über die Gestaltung machen muss.

Warum machen sich das noch nicht alle zunutze?

Banasiewicz: Die Handwerksbetriebe gehen ganz unterschiedlich mit Digitalisierung um. In unserem Kammerbezirk sind 28 000 Betriebe organisiert – im Schnitt mit sieben Mitarbeitern. Viele Handwerker müssen schon jetzt so etwas wie eine eierlegende Wollmilchsau sein: Sie müssen nicht nur ihr Handwerk beherrschen, sondern zum Beispiel auch den kaufmännischen Bereich. In einem großen Unternehmen ist es dann natürlich leichter, auch digitale Strategien umzusetzen als in einem Kleinstbetrieb.

Wie hat die Digitalisierung Ihr Weiterbildungsangebot verändert?

Banasiewicz: In diesem Bereich ergeben sich für uns viele Ansatzpunkte – zum Beispiel in den Bereichen Kundenkontakt und IT-Sicherheit. Letzteres gewinnt immer mehr an Bedeutung. Wenn Daten digitalisiert werden, bieten sie Angriffsflächen für Hacker. In unserer Management-Werkstatt gibt es dazu kostenfreie Veranstaltungen, die für dieses wichtige Thema sensibilisieren sollen.

Verschärft die Digitalisierung den Fachkräftemangel?


Banasiewicz: Der Fachkräftemangel ist grundsätzlich für uns ein großes Problem. Aber auch da ist die Digitalisierung eine Chance. Wir stellen nämlich fest, dass ein Beruf für junge Menschen umso attraktiver wird, je mehr digitale Technologien eine Rolle spielen. (abi)


Handwerkskammer Bildungszentrum Münster