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Sonderveröffentlichung

1. Münsterländischer Vermögenstag 2017

Kein Ende des Aufschwungs absehbar

Chefvolkswirt der National-Bank empfiehlt Anlegern, ihr Geld auch im Ausland zu investieren

Der boomende Welthandel ist auch an den großen Containermengen in den Häfen rund um den Globus abzulesen. Foto: dpa
Der boomende Welthandel ist auch an den großen Containermengen in den Häfen rund um den Globus abzulesen. Foto: dpa

MÜNSTER.
Die deutsche Konjunktur brummt seit Jahren. Davon profitieren auch die Börsenanleger. Zur aktuellen wirtschaftliche Lage und zur künftigen Wachstumsperspektive stellte unser Redaktionsmitglied Jürgen Stilling Fragen an den Chefvolkswirt der National-Bank, Dr. Jan Bottermann.

Herr Dr. Bottermann, die Wirtschaftslage ist in Deutschland seit Jahren stabil positiv. Wie lange geht das Ihrer Einschätzung nach so weiter?


Jan Bottermann: Wir gehen davon aus, dass der globale Aufschwung bis weit in die nächste Dekade tragen wird. Aufgrund des aufgestauten Nachholbedarfs in Europa werden auch die europäischen Partnerländer stärker wachsen als sonst üblich, und dies voraussichtlich über das Jahr 2020 hinaus. Wir befinden uns daher derzeit in einem optimalen Umfeld für die Exportnation Deutschland. Ein Ende des Aufschwungs in Deutschland ist damit derzeit quasi nicht absehbar.

Wo lauern Gefahren für die Konjunktur?

Bottermann: Die Gefahren für die Konjunktur liegen ganz klar außerhalb der ökonomischen Sphäre: Da die weltwirtschaftliche Konstellation so robust ist, sind es vor allem die geopolitischen Risiken – etwa mit Blick auf Nordkorea –, die das gute Bild belasten können.

Sehen Sie wachsende Inflationsgefahren?

Bottermann: Nein, zumindest bislang nicht. Die Weltwirtschaft operiert mit Blick auf die Inflation noch im Kontext der Lehman-Krise: Es wird noch dauern, bis die Kapazitätsauslastung weltweit so hoch ist, dass nachhaltige Inflationsimpulse aufkommen. Dabei wird die Inflation durch die starke Intensivierung der internationalen Arbeitsteilung immer stärker zu einem globalen Faktor, der auch jenseits nationaler Prozesse bestimmt wird.

Dr. Jan Bottermann
Dr. Jan Bottermann
Sollte die EZB ihre Geldpolitik schnell verändern, sprich die Zinsen erhöhen?

Bottermann: Das kommt naturgemäß auf die Perspektive bzw. die Interessenlage an: Für die nordeuropäischen Länder wären deutlich höhere Zinssätze angemessen, die strukturellen Probleme in Südeuropa können hingegen durch niedrige Zinsen entschärft werden. In Südeuropa wären die Staatsfinanzen einem entsprechenden Zinsanstieg auch gar nicht gewachsen. Die Währungsunion hat die normalerweise greifenden marktendogenen disziplinierenden Kräfte weitgehend ausgehebelt. Die ideale Lösung wäre, wenn die Länder die Stabilitätsvorgaben der Maastricht-Verträge von sich aus einhalten würden und die EZB dann frei von Rücksichtnahmen auf ordnungspolitische Sünden die Zinsen wie die Fed sukzessive nach oben schleusen könnte. Da dies aber Wunschdenken ist, muss die marktendogene Disziplin wieder stärker in den Vordergrund gerückt werden. Hierbei spielt ein angemessenes Zinsniveau sicherlich eine zentrale Rolle. Grundsätzlich ist die wirtschaftliche Heterogenität in der Eurozone immer noch viel zu groß, als dass es einen passenden Zins für alle Länder geben könnte. Die Gefahr ist daher, dass die Währungsunion die Länder eher spaltet als eint, da sie die Anpassungsfähigkeit vieler Länder überfordert. Diese wären auf Abwertungen angewiesen. Die Erfahrungen mit der Währungsunion mahnen daher, Integrationsschritte an die ökonomische Leistungsfähigkeit zu koppeln und nicht dem politischen Wunschdenken zu folgen. Dies muss uns unbedingt auch mit Blick auf die Vergemeinschaftung weiterer Politikfelder – etwa mit Blick auf die Solidität der Staatsfinanzen – eine Lehre sein.

Wie sollten sich die Sparer auf die aktuelle geldpolitische Lage einstellen?

Bottermann: Gerade in Europa dürften die Zinssätze noch lange sehr gering bleiben. Zudem drohen Kursverluste wenn die Zinsen dann wieder steigen. Mit Blick auf die guten Perspektiven in anderen Wirtschaftsräumen sollten sich die Anleger mit anderen Anlageformen – etwa dividendenstarken Aktien –, genauso aber auch mit anderen Anlageregionen vertraut machen.

Schlittern wir in Richtung einer neuen Weltwirtschaftskrise?

Bottermann: Natürlich wird es zukünftig auch wieder einmal eine globale Rezession geben. Derzeit ist aber genau das Gegenteil ist der Fall: Die Perspektiven bleiben vermutlich auf Jahre aufwärtsgerichtet!

Rechtzeitige Planung hilft vorzubeugen

Rudolf Claßen rät zum Abschluss wichtiger Versicherungen / „Gegen finanzielle Folgen von Schicksalsschlägen absichern"

Ihr Vermögen sollten die Menschen immer auch mithilfe von Versicherungen schützen. Foto: dpa
Ihr Vermögen sollten die Menschen immer auch mithilfe von Versicherungen schützen. Foto: dpa
MÜNSTER. Rudolf Claßen hat in seiner über dreißigjährigen Laufbahn in der Finanzbranche schon einiges erlebt. Vor allem Menschen, die in kleinen oder großen Schritten oft mühsam Vermögen aufgebaut haben, das dann ganz schnell weg war. Der Direktionsleiter des Finanzdienstleisters Global Finanz AG (www.global-finanz.de) in Münster denkt dabei nicht an Börsenabstürze. „Es sind häufig persönliche Lebenskrisen, die wie ein Blitz einschlagen und die jahrelangen Bemühungen im Vermögensaufbau zunichtemachen.“

So könne das Fehlen einer Pflegetagegeldversicherung bei Eintreten des Pflegefalls schnell das eigene Haus kosten. Denn das verwerte das Sozialamt als Erstes. Diese Gefahr könne, so der zertifizierte Finanzplaner, über eine Versicherung ausgeschaltet werden, die im Monat 60 bis 80 Euro koste. Wegfallendes Einkommen durch lang anhaltende Krankheit oder Berufsunfähigkeit (kurz: BU) träfe Menschen am härtesten. Dann brächen alle finanziellen Pläne – egal, ob die eigengenutzte Immobilie, die Existenzgründung oder der Vermögensaufbau fürs Alter über Fondssparpläne – schnell wie ein Kartenhaus zusammen.

Rudolf Claßen
Rudolf Claßen
Nur 28 Prozent aller Männer und sogar nur 17 Prozent aller Frauen in Deutschland besitzen heute eine sogenannte BU-Versicherung. Dabei können aktuell zwischen 29 Prozent und 43 Prozent ihren Beruf ganz beziehungsweise zeit- oder teilweise nicht mehr ausüben. Doch selbst wer eine Absicherung hat, erhält daraus oft zu wenig Geld. Die Durchschnitts-BU-Rente beträgt aktuell nur 771 Euro. Dabei sollte mit dieser rund 80 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens erreicht werden. Rudolf Claßen rät daher, bei der Berechnung unbedingt die Inflation zu berücksichtigen und immer eine dynamische Steigerung der Leistungen zu vereinbaren.

„Gegen Schicksalsschläge kann ich mich nicht absichern, gegen die finanziellen Folgen schon“, empfiehlt der ausgebildete Lehrer eine sorgfältige Finanzplanung, die mindestens alle fünf Jahre überprüft werden sollte. Ändern sich die Lebensumstände durch Heirat oder Berufswechsel grundlegend, entsprechend früher. Die Global Finanz setzt für ihre 145 000 Kunden das selbst entwickelte Programm CFG ein, mit dem sich ein detailliertes Gutachten erstellen lässt. Über 3000 dieser Finanzplanungen werden jedes Jahr neu erstellt. Neben den großen Themen wie Erhalt des Lebensstandards im Rentenalter, richtige Immobilienfinanzierung oder steuerliche Auswirkungen, werden alle Versicherungen erfasst und durchleuchtet. Finanzplanung schaffe auch mehr Sicherheit und spare Geld im Alltag, so Claßen.

Die meisten Versicherungen im Wohngebäudebereich zahlen zum Beispiel nicht bei grober Fahrlässigkeit oder bieten allenfalls einen geringen Ersatz bei Totalschaden an, berichtet der Münsteraner aus der Praxis. Andere Anbieter erstatten dagegen unter Verzicht auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit den gesamten Schaden selbst bei mehreren Hunderttausend Euro. Die Prämien unterscheiden sich kaum. Auf die Versicherungsbedingungen im Kleingedruckten kommt es an.

Auf dem 1. Münsterländischen Vermögenstag erklärt der Finanzplaner Rudolf Claßen in seinem Vortrag, wie man mit einer ganzheitlichen Finanzplanung sein Vermögen aufbaut und sichert.

www.global-finanz.de

Unabhängige Finanzexperten der Region im Kurzportrait

„Das eine Vorbild gibt es nicht“

Vermögensverwalter Peter Lackamp rät: Entwickeln Sie Ihre eigene Strategie und setzen Sie diese konsequent um

Kooperierende Vorbilder: Microsoft-Gründer Bill Gates (vorn) und Investmentprofi Warren Buffett (rechts). Foto: dpa
Kooperierende Vorbilder: Microsoft-Gründer Bill Gates (vorn) und Investmentprofi Warren Buffett (rechts). Foto: dpa
MÜNSTER. Börsianer auf der ganzen Welt beobachten jede Äußerung des sogenannten Orakels von Omaha, dem 87-jährigen Warren Buffett. Regierungen fürchten dagegen seinen Multimilliardärskollegen George Sorros, der als König der Spekulanten gilt und bereits das britische Pfund zum Wanken brachte. Eine ganze Generation von Anlegern in Deutschland hat schließlich noch die schnarrende Stimme des Investmentaltmeisters André Kostolany im Ohr. Jahre nach seinem Tod sind viele seiner Anlageweisheiten wie die vom Aktienkauf und den anschließenden Schlaftabletten unvergessen.

„Investmentlegenden machen zunächst sehr viel gründlichere Analysen, als das Privatanlegern überhaupt möglich ist“, weiß Peter Lackamp, Prokurist der in Münster beheimateten Kroos Vermögensverwaltung AG. So nutzen sie bei Unternehmen weit mehr Informationen als die öffentlich zugänglichen klassischen Bewertungszahlen wie Kurs-Buchwert- und Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Dividendenrendite.

Peter Lackamp
Peter Lackamp
Die Strategien der Profis unterscheiden sich dabei grundsätzlich. Während US-Investor Warren Buffett Unternehmen sammelt, die ihm preiswert erscheinen, sucht George Soros nach günstigen Gelegenheiten aus dem Zusammenspiel zwischen Markt und Politik. André Kostolany favorisierte dagegen Spekulation auf Grundlage der Massenpsychologie oder konsequentes Warten. Neben diesen drei bekannten Namen gibt es noch eine Reihe anderer Investoren, die mit unterschiedlichen Strategien erfolgreich sind. „Das eine Vorbild gibt es nicht“, stellt Vermögensverwalter Lackamp klar. Die Entwicklung der eigenen, dauerhaften Strategie und deren konsequente Umsetzung sei der Schlüssel zum Erfolg. Und dabei dürfe man sich gerne von Börsengurus inspirieren lassen. „Die eigenen Emotionen kontrollieren und sich nicht von den oft irrationalen Übertreibungen des Marktes anstecken lassen, sind ebenfalls entscheidende Punkte.“ Doch selbst wer das alles beherzigt, muss weiterdenken.

Von institutionellen Investoren wie Versicherungen oder Stiftungen können Privatanleger lernen, dass Vermögen über Generationen entsteht. Wer dieses langfristig aufbauen will, muss nicht nur selbst erfolgreich anlegen, sondern rechtzeitig dessen Übergabe an die Erben organisieren.

Warren Buffet hat bestimmt, nach seinem Tod sein Vermögen weitgehend der Stiftung seines Freundes und Microsoft-Gründers Bill Gates zu vermachen. Zur richtigen Planung braucht es das Zusammenspiel verschiedener Experten – vom Vermögensverwalter über den Steuerberater bis hin zu dem auf Erbrecht spezialisierten Rechtsanwalt.

Auf dem 1. Münsterländischen Vermögenstag stellen Vermögensverwalter Peter Lackamp und Rechtsanwältin Katharina Kroll Eckpunkte für weitsichtiges Anlegen, Schenken und (Ver-)Erben vor.