Sonderveröffentlichung

Sprechstunde - Brustkrebs

Personalisierte Früherkennung

Untersuchungen an das individuelle Brustkrebsrisiko anpassen

Auf der Bildschirmdarstellung einer Magnetresonanz-(MR)-Mammografie ist ein winziger Tumor in der Brust einer Patientin zu sehen. Foto: dpa
Auf der Bildschirmdarstellung einer Magnetresonanz-(MR)-Mammografie ist ein winziger Tumor in der Brust einer Patientin zu sehen. Foto: dpa
Angesichts des Brustkrebsmonats Oktober weisen Fachleute darauf hin, dass sie davon ausgehen, dass von 1000 Frauen, die zehn Jahre lang regelmäßig zur Mammografie gehen, etwa eine oder zwei vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt werden, weil ihr Tumor in einem noch heilbaren Stadium entdeckt worden ist. Diesem potenziellen Nutzen stellen die Kritiker der Mammografie mögliche Nachteile gegenüber: Die Strahlenbelastung, die unnötige Beunruhigung bei falsch positivem Befund und Überdiagnosen, das heißt die Entdeckung langsam wachsender Tumoren, die zu Lebzeiten keine Probleme bereitet hätten.

„Verbessern ließe sich die Situation durch eine personalisierte Früherkennung, die an das individuelle Brustkrebsrisiko angepasst ist“, sagt Rudolf Kaaks vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und erklärt: „Auf der einen Seite steht der Nutzen der Mammografie, nämlich eine gesenkte Brustkrebssterblichkeit. Dem gegenüber stehen die Risiken wie Überdiagnose, falsch positive Befunde und letztendlich auch die Kosten. Unser Ziel ist, diese Balance in Richtung Nutzen zu verschieben.“

Frauen mit hohem Brustkrebsrisiko haben natürlich den größten Nutzen von der Untersuchung. „Diesen Frauen könnten engmaschige Mammografien angeboten werden, möglicherweise sollten sie mit dem Screening auch schon im Alter von 45 Jahren beginnen. Bei Frauen mit niedrigerem Risiko dagegen würden längere Intervalle zwischen den Mammografien ausreichen.“

Doch wie lässt sich das individuelle Brustkrebsrisiko einer Frau bestimmen? Für diese Vorhersage haben Wissenschaftler mathematische Modelle entwickelt. Sie basieren in erster Linie auf Daten aus der Reproduktionsgeschichte: In welchem Alter fand die erste Regelblutung statt? Wann wurde das erste Kind geboren, wie viele Kinder waren es insgesamt? Wann sind die Wechseljahre eingetreten? Wurde hormonell verhütet oder eine Hormonersatztherapie eingenommen?

Annika Hüsing aus der Abteilung von Kaaks konnte kürzlich zeigen, dass die Modelle noch genauer werden, wenn der Hormonspiegel einberechnet wird. Dies gilt zumindest für Frauen nach den Wechseljahren. Für diese Arbeit nutzte die Wissenschaftlerin Blutproben von Teilnehmerinnen der EPIC-Studie – der großen europäischen Untersuchung zu Ernährung, Lebensstil und Krebs. Die so ermittelten Konzentrationen der Geschlechtshormone Östradiol und Testosteron flossen in das Modell mit ein und verbesserten die Vorhersagekraft erheblich.

Die Vorhersage-Modelle sind nicht konzipiert für Frauen, bei denen eine Mutation der „Brustkrebsgene“ BRCA1 und BRCA2 bekannt ist und die dadurch ein außerordentlich hohes Risiko haben, an Brustkrebs zu erkranken. Neben den BRCA-Mutationen gibt es aber im Erbgut jedes Menschen eine Vielzahl kleinster Genvarianten, die jede für sich nur einen minimalen Einfluss hat. Zusammengenommen können sie das Brustkrebsrisiko jedoch spürbar steigern. Wie groß dieser Einfluss ist, ermitteln Wissenschaftler derzeit in großen internationalen Forschungskonsortien, an denen auch die DKFZ-Epidemiologen um Kaaks beteiligt sind.

www.krebsinformationsdienst.de

Seit 1985 ein fester Termin

Aufklärung und Vorsorge

Seit 1985 steht der Monat Oktober für die Aufklärung und Vorsorge rund um das Thema Brustkrebs.

Ursprünglich ausgerufen von der American Cancer Society, beteiligen sich heute verschiedenste Vereine, Gesellschaften, Mode- und Kosmetikhersteller sowie Prominente auf der ganzen Welt mit diversen Aktionen, um auf die Krankheit aufmerksam zu machen. Obwohl die auch als Mammakarzinom bekannte Krebsart mit rund 70000 Neuerkrankungen pro Jahr den häufigsten bösartigen Tumor bei Frauen darstellt, sind immer noch viele Mythen über Diagnose und Behandlung im Umlauf.

Sportlich vorbeugen

Foto: dpa
Foto: dpa
Bewegung kann helfen, Brustkrebs vorzubeugen. Wer regelmäßig körperlich aktiv ist, senkt sein Erkrankungsrisiko. Darauf weist die Kooperationsgemeinschaft Mammografie in Berlin hin. Es muss nicht immer Ausdauersport sein, auch Hausarbeit oder Radfahren zählen dazu. Vor allem ältere Frauen scheinen dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg zufolge von regelmäßigem Sport zu profitieren. Neben ausreichender Bewegung sollten Frauen auch darauf achten, nur wenig Alkohol zu trinken und kein Übergewicht zu bekommen, um ihr Brustkrebsrisiko zu mindern.

Ganzheitliche Betreuung für Krebspatientinnen

Das Brustzentrum NordWest in Gronau

Breast-Care Nurse Walburga Klümpers (l.), Chefarzt Dr. med. Dipl.-Psych. Wilhelm Steinmann und Psychoonkologin Heike Wojewski. Foto: Brustzentrum NordWest
Breast-Care Nurse Walburga Klümpers (l.), Chefarzt Dr. med. Dipl.-Psych. Wilhelm Steinmann und Psychoonkologin Heike Wojewski. Foto: Brustzentrum NordWest
Das Brustzentrum NordWest in Gronau hat sich als breit aufgestelltes Kompetenzzentrum in der Region fest etabliert. Neben der medizinischen Qualität – unter Zuhilfenahme modernster Medizintechnik – legt Chefarzt Dr. med. Dipl.-Psych. Wilhelm Steinmann größten Wert auf intensive Beratung, umfassende Betreuung und besondere Pflege der Patientinnen. Nähe und Persönlichkeit spielen dabei eine entscheidende Rolle. Die überschaubare Größe des Brustzentrums NordWest ist eine ideale Basis zur Umsetzung dieses Konzeptes. Kurze Wege, schnellere Besprechungsintervalle und partnerschaftliche, interdisziplinäre Zusammenarbeit tragen dabei zu einer geringeren Belastung der Patientinnen und ihrer Angehörigen bei.

Von der Überzeugung geleitet, den Brustkrebs ganzheitlich zu betrachten und effektiv bekämpfen zu können, hat das Brustzentrum NordWest innovative Konzepte entwickelt und ein interdisziplinäres Expertenteam gebildet. Dieses betrachtet die Erkrankung aus verschiedenen Perspektiven und fokussiert sich individuell auf die jeweilige Situation und den konkreten Bedarf jeder einzelnen Patientin.

Zentrale Bedeutung haben die Brust-Sprechstunden, die einmal wöchentlich – in der Regel vom Chefarzt persönlich – nach vorheriger Terminvereinbarung stattfinden. Eine speziell ausgebildete Brustkrankenschwester, die sogenannte Breast-Care Nurse ist bereits während der Brustsprechstunde anwesend und begleitet den Therapieverlauf von Anfang an. Eine Psychoonkologin und eine Heilpraktikerin ergänzen das Expertenteam. Drei Oberärzte und mehrere Assistenzärzte gehören dem Gronauer Expertenteam an. Im Rahmen eines wöchentlich stattfindenden Experten-Gespräches wird der jeweilige Befund detailliert analysiert und ein daraus resultierendes Therapiekonzept erarbeitet. Dieses wird mit dem einweisenden Arzt abgestimmt und mit der Patientin detailliert besprochen.

Eine Tumorerkrankung hat immer weitreichenden Einfluss auf das Leben der Betroffenen. Neben der physischen Erkrankung befinden sich die Menschen in einem seelischen Ausnahmezustand zwischen Hoffnung und Angst bis hin zu Resignation. Kommt unter Umständen eine bereits vorhandene seelische Störung oder eine andere Problemlage – etwa die Angst um die Versorgung der Familie – hinzu, kann das entscheidende negative Auswirkungen auf den Heilungsprozess haben. Umso wichtiger ist es, den betroffenen Frauen, aber auch den Angehörigen, sehr frühzeitig kompetente und umfassende Hilfen und Unterstützung anzubieten.

Chefarzt Dr. Steinmann, der seit 1. Januar 2014 die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie das Brustzentrum leitet, ist sicher: „Das Zusammenspiel aus medizinischer Kompetenz und Erfahrung mit fundierter psychologischer wie therapeutischer Betreuung bringt enorme Vorteile für die Betroffenen und alle beteiligten Personen. Wir arbeiten zum Wohle unserer Patientinnen intensiv an einer ganzheitlichen und möglichst schonenden Behandlung mit langfristiger Wirkung. Dabei ist die interne Abstimmung ebenso wichtig wie der offene Dialog mit den Betroffenen. In der Medizin insgesamt und vor allem hier am St. Antonius-Hospital hat es in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte und Entwicklungen gegeben. Umso wichtiger ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen medizinischer Versorgung und psychologischer Begleitung.“

Maria-Josef-Hospital Greven