Startseite > Sonderthemen > Reiten als Medizin
Sonderveröffentlichung

Tierisch gut! Magazin für Tierliebhaber

Reiten als Medizin

Gesundheitssport mit dem Pferd

Der ganze Körper ist gefordert: Der Gleichgewichtssinn wird ebenso beansprucht wie sämtliche Muskeln. Die erfahrenen Pferde lassen sich nicht aus der Ruhe bringen und machen alles mit. Fotos: Mersmann
Der ganze Körper ist gefordert: Der Gleichgewichtssinn wird ebenso beansprucht wie sämtliche Muskeln. Die erfahrenen Pferde lassen sich nicht aus der Ruhe bringen und machen alles mit. Fotos: Mersmann
Zunächst vorweg: Um Gesundheitssport mit dem Pferd zu betreiben, sind keinerlei Vorkenntnisse im Reiten oder Erfahrungen im Umgang mit dem Pferd nötig.

Neugier und Offenheit dem Pferd und einer neuen Form von Bewegung gegenüber sind dagegen sehr wichtig. Denn um Bewegung, Haltung und Stressabbau geht es beim Gesundheitssport mit dem Pferd.

Kombiniert werden verschiedene koordinative und gymnastische Übungen mit Ausdauertraining, Entspannungseinheiten und Wissensvermittlung zu gesundheitsorientiertem Verhalten im Alltag. Das ganze findet ohne Pferd am Boden ebenso statt wie auf dem Pferderücken.

Reiten ist eine ganzheitliche und komplexe Sportart mit natürlichen Bewegungen. Sich sicher auf dem Pferderücken zu bewegen, stellt hohe Anforderungen an die körperliche Bewegungsbildung. Speziell beim Gesundheitssport mit dem Pferd werden durch die dreidimensionale Schwingung des Pferderückens wichtige Muskelgruppen gestärkt, so beispielsweise der komplette Stütz- und Bewegungsapparat mit Rücken- und Bauchmuskulatur.

Langsam und gemütlich: Beim Gesundheitssport mit dem Pferd geht es nicht über Stock und Stein.
Langsam und gemütlich: Beim Gesundheitssport mit dem Pferd geht es nicht über Stock und Stein.
Zudem verbessern sich Koordination, Balance und Beweglichkeit. Der Umgang mit dem Pferd motiviert dazu, sportlich aktiv zu sein und so die körperliche Funktions- und Leistungsfähigkeit zu erhalten, zu optimieren oder wiederherzustellen.

Zudem hilft er beim Stressabbau. Die bedingungslose Zugewandtheit des Pferdes dem Menschen gegenüber wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden aus und fördert die Fähigkeit, sich selbst intensiv zu erleben und wahrzunehmen.

Das Bild von einem Pferd, das im schnellen Galopp ein Hindernis überwindet, ist im Gesundheitssport nicht zu finden. Da geht alles sehr gemächlich und entspannt zu. Das Angebot wird ausschließlich auf erfahrenen, zuverlässigen Pferden und im Schritt durchgeführt. Die Pferde werden zudem von Helfern geführt, sodass man sich voll und ganz auf die Bewegung einlassen, diese spüren und mitschwingen kann.

Zielgruppen

► Alle Altersgruppen mit schwacher Muskulatur des Stütz- und Bewegungsapparates (insbesondere Rücken- und Bauchmuskulatur) sowie mit Bewegungseinschränkungen
► Menschen mit altersentsprechenden Beschwerden und/oder Fehlbelastungen des Bewegungsapparates
► Menschen mit erhöhter Stressanfälligkeit
► Menschen mit einem inaktiven Lebensstil
► Kinder ab sechs Jahren

Drei Fragen an: Marie-Theres Steinmeier-Beese

Warum sollte ich Reiten als Gesundheitssport betreiben?

Steinmeier-Beese: Der Umgang mit Pferden und der moderate Reitsport entschleunigen. „Ausbilder im Gesundheitssport mit Pferden und Übungsleiter Prävention Reiten“ sind speziell ausgebildet, neben der Vermittlung der Sportart mindestens die gesundheitserhaltenden Aspekte zu berücksichtigen und individuell den Menschen da abzuholen, wo er grade in seiner Leistungsfähigkeit steht. Und das Pferd – der beste Ausbilder kann es nicht ersetzen – erreicht unsere tiefsten Gefühle.

Für wen eignet sich Reiten als Gesundheitssport?

Steinmeier-Beese: Gesundheitssport mit Pferden – und da ist das Reiten nicht zwingend erforderlich, aber in seiner Wirkung höchst wünschenswert – eignet sich für Jung und Alt. Für „Büroarbeiter“ wirkt das Reiten zur Mobilisierung gerade des unteren beanspruchten Rückens schon nach 20 Minuten Schritt reiten. Mit dafür geeigneten Pferden sollten sich auch Männer und Frauen im fortgeschrittenen Alter oder auch mit körperlichen Einschränkungen den lang gehegten Traum vom Pferdesport verwirklichen. Für das Auf- und Absitzen gibt es elegante Hilfestellungen.

Sind reiterliche Fähigkeiten erforderlich?

Steinmeier-Beese: Man muss nicht schon reiten können und kann sogar völlig unerfahren im Umgang mit Pferden sein. Die „Bodenarbeit“ beinhaltet das Erlernen des sicheren Umganges mit dem Pferd (oder des Ponys bei Kindern). Die Muskeln des Halte- und Stützapparates wieder zu beleben und zu erfahren, wo die Adduktoren sind, macht die neue Lebensfreude aus, ob mit vier, zehn oder mit mehr als vierzig oder sechzig Jahren. Die Haltung verbessert sich und vermehrte Lebensfreude stellt sich ein.