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Tierisch gut! Magazin für Tierliebhaber

Träume werden wahr

Es gibt viel zu berücksichtigen – doch der Einstieg in den Reitsport ist leicht

Fotos: pi
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Mehr als 100000 Pferde machen das Münsterland zu einer der pferdereichsten Regionen Deutschlands. Auf vielen Höfen sind die Tiere heute zu sehen, ausgeschilderte Reitwege bieten interessante Möglichkeiten, die Region in reizvoller Umgebung auf eine ganz andere Art und Weise und aus einer ganz anderen Perspektive zu erkunden.

Doch der Weg dahin ist lang. Auch wenn es locker und leicht wirkt, wie das Mädchen-Quartett auf seinen Trainingsrunden durch die Reithalle fliegt. Die jungen Damen sind jeweils schon seit rund zehn Jahren dabei, haben bereits reichlich Erfahrung im Sattel gesammelt.

Selbst beim Zuschauen kribbelt es schon ein wenig. Was muss ich tun, wenn ich mit dem Reiten beginnen möchte?

Die Möglichkeiten sind vielfältig. Da gibt es Institutionen, wie etwa die Westfälische Reit- und Fahrschule in Münster-Handorf ebenso wie die rund 1800 Reiterhöfe in der Region. Viele von ihnen bieten Unterricht an und unterstützen Interessierte auf dem Weg in den Sattel. Und so lohnt es sich beim Spaziergang durch die Nachbarschaft einfach bei einem Hof nachzufragen, auf dessen Koppel Pferde weiden, rät Pferdewirtin Steffi Lange (rundes Bild). Sie ist bereits seit vielen Jahren auf einem solchen Hof in Westbevern tätig.

Zumeist sind es Kinder, die in jungen Jahren mit dem Reiten beginnen. Doch auch viele Erwachsene nehmen heute Unterricht, „erfüllen sich einen Wunsch“, sagt Steffi Lange. Oft sind es Mütter, die ihre Kinder zu den Übungsstunden begleiten. „Darf ich auch mal in den Sattel?“, lautet die erste Frage der Erwachsenen. Und nicht selten „wird daraus dann ein eigenes Pferd“, schildert Steffi Lange ihre Erfahrungen.

Etwas anders war das bei Hubert Althoff, der auf dem Reitplatz seine Runden dreht. Er verschlang als Kind die Romane von Karl May und träumte davon, einst wie Winnetou und Old Shatterhand zu reiten. Den Wunsch erfüllte er sich dann erst während seiner Ausbildung beim Bundesgrenzschutz per Zufall. Da nämlich verschwand jeden Abend ein Kollege – zum Reiten. Althoff schloss sich begeistert an und ist jetzt seit 42 Jahren fest im Sattel.

Karl Mays Geschichten weckten in Hubert Althoff den Wunsch zu Reiten. Mit 20 verwirklichte er den erstmals, heute sitzt er seit 42 Jahren fest im Sattel. Foto: pi
Karl Mays Geschichten weckten in Hubert Althoff den Wunsch zu Reiten. Mit 20 verwirklichte er den erstmals, heute sitzt er seit 42 Jahren fest im Sattel. Foto: pi
Der Nachwuchs heute lässt sich meist durch die Geschichten von „Bibi und Tina“ inspirieren, die mit ihren Pferden Amadeus und Sabrina zahlreiche Hörspielabenteuer erleben. Zu jung, so Steffi Lange, sollten die Pferdefreunde aber nicht sein. Fünf Jahre, so die erfahrene Pferdewirtin, wäre ein gutes Alter, um mit dem regelmäßigen Reiten zu beginnen. Denn zuvor fehlt den Kindern oftmals die notwendige Ausdauer, um konzentriert beim Training dabei zu sein.

Zu alt kann man für den Start in den Reitsport indes nicht sein. „Es dauert dann nur etwas länger“, weiß Steffi Lange. Denn großer Respekt vor dem Pferd und die ungewohnte körperliche Belastung würden bei zunehmendem Alter schwerer ins Gewicht fallen.

Ganz gleich, ob man in jungen Jahren oder in reifem Alter erstmals eine Reitstunde besucht: Der Weg zum Ausritt in freier Natur ist weit.

So starten Kinder zumeist mit Voltigierunterricht, um ein Gefühl im Umgang mit dem Pferd zu entwickeln. Dabei gehört die Pflege des Pferdes mit Striegeln, Putzen und Hufe auskratzen stets dazu. Im Gruppenunterricht macht das zudem viel Spaß. Im Sattel werden dann zunächst Erfahrungen an der Longe gesammelt, ehe erste Versuche im freien Reiten anstehen.

Ältere Reit-Novizen beginnen zumeist mit Einzelunterricht. Entsprechend intensiver fallen die Reitstunden aus. Und so reicht zunächst bereits eine halbe Stunde auf dem Pferd, um „Muskeln kennen zu lernen, von denen man zuvor gar nichts wusste“, weiß Pferdewirtin Steffi Lange. Insbesondere die Innenseite der Oberschenkel, die Waden und auch der Rücken machen sich da zunächst unangenehm mit „Muskelkater“ bemerkbar: „Das sollte man nicht unterschätzen“.

Von daher sollte eine gute Grundfitness bei Reitinteressenten vorhanden sein. Zudem ist es wichtig, dass Reitschüler die Tiere mögen und ohne Angst in den Sattel gehen. Denn das überträgt sich schnell auf die einfühlsamen Pferde und kann später zu unangenehmen Überraschungen führen.

Etwas Geduld ist beim Start in die Reit-Karriere zwar gefragt. Doch: „In den ersten drei Stunden merkt man schon, ob es passen kann, ob es etwas für mich ist“, sagt Steffi Lange. Denn mit Spaß sollte man auf jeden Fall dabei sein. Schließlich müssen Interessierte im Reitsport einen langen Weg beschreiten, ehe es mit Spaß ins Gelände geht.

Doch auch dann sollte weiterhin regelmäßig guter Rat eingeholt werden. „Man lernt nie aus“, so Lange. Deshalb sollte man auch mit reichlich Erfahrung stets wieder Unterrichtsstunden nehmen, um etwa am Sitz oder der Handhaltung zu arbeiten und so bis ins hohe Alter das Vergnügen am sportlichen Hobby zu bewahren.

Auch, wenn es viel zu berücksichtigen gilt: Der Einstig ins Reiten ist gerade im Münsterland einfach. Beim Besuch auf dem Reiterhof kribbelte es schon – jetzt fehlt nur noch die Praxis. Peter Imkamp

Die passende Ausrüstung zum Start

Helm, Reitstiefel, Schutzweste – die Ausstattung, mit der Reiter ihrem Sport nachgehen, ist umfangreich. Wer jedoch zunächst einmal ausprobieren möchte, ob das Glück der Erde wirklich auf dem Rücken eines Pferdes zu finden ist, der hat für den Anfang im heimischen Kleider- und Schuhschrank sicherlich das Passende. Wichtig sind vor allen Dingen festes Schuhwerk, das im Idealfall hoch und geschlossen zumindest den Knöchel schützt. Und natürlich eine Hose, in der man auch auf das Pferd kommt – also nicht hauteng und möglichst ohne störende Nähte auf der Innenseite der Oberschenkel. Wichtigstes Utensil ist natürlich ein passender Helm. Doch den können Reit-Novizen in der Regel im jeweiligen Reitstall ausleihen.

Hat man das Reiten für sich entdeckt, ist der Kopfschutz natürlich das Ausrüstungsteil, das als erstes erworben werden sollte. Eine einfache Reithose sowie Gummistiefel oder Reitstiefeletten runden die Anfängerausrüstung ab, die sich bei wachsender Begeisterung um Schutzweste und hochwertigere Bekleidung erweitert lässt.

Nichts überstürzen

So findet man das passende Pferd

Es gibt viele Fragen, die sich ein potenzieller Pferdebesitzer vorab stellen sollte. Zum einen: Was will ich überhaupt? Ein Pferd zum gemütlichen Spazierenreiten? Oder habe ich sportlichen Ehrgeiz und will auf Turnieren starten? Wer ruhig ins Gelände reiten will, ist mit einem ausgeglichenen, erwachsenen Pferd gut beraten.

Auch muss geklärt werden, welche Pferderassen zum eigenen Reitstil passen. Wichtig ist außerdem die Frage der Unterbringung. Soll das Tier auf einer Weide leben, in einer Box oder in einem Offenstall? Hier empfiehlt es sich, mehrere Ställe in der Umgebung zu besuchen. Die Kosten für die Unterbringung sind sehr unterschiedlich.

Ohnehin sind die Kosten ein wichtiger Punkt. Pferde kosten in der Regel mindestens einen vierstelligen Betrag, nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Und etwa alle acht Wochen muss ein Pferd zum Schmied, auch Besuche des Tierarztes sind teuer. (dpa)