Sonderveröffentlichung

Bauen & Wohnen

Was Baukosten hochtreibt

Nicht immer sind Baumängel oder falsche Planung schuld

In einem besonders kalten Winter kann beispielsweise ein Estrich etwa nur mit Mehrkosten gegossen werden, da eine mobile Heizung nötig wird. Foto: dpa/Nestor Bachmann
In einem besonders kalten Winter kann beispielsweise ein Estrich etwa nur mit Mehrkosten gegossen werden, da eine mobile Heizung nötig wird. Foto: dpa/Nestor Bachmann
Bei jedem dritten Haus steigen im Laufe der Bauzeit die Kosten um bis zu zehn Prozent, bei jedem fünften Neubau sogar bis zu 20 Prozent. Das zeigt eine Befragung der Universität Erlangen-Nürnberg und der Bauherrenberatung Almondia. Verzögerungen beim Bau sorgen für weiter Kosten.

Nicht immer sind Baumängel oder falsche Planung schuld. „Die Baukosten sind in den letzten Jahren generell gestiegen“, sagt Andreas May vom Bauherren-Schutzbund. Das liegt auch an den gewachsenen Ansprüchen der Bauherren: Die Häuser sollen energetisch fit und technisch auf den neuesten Stand sein - das hat seinen Preis.

„Aber die Immobilien werden trotzdem zu relativ geringen Marktpreisen beworben und angeboten, die kaum wirtschaftlich zu halten sind“, ergänzt der Experte. Sein ernüchternder Rat: „Bauherren sollten davon ausgehen, dass der Preis, den sie im Vertrag unterschreiben, nicht der Endpreis ist. Da kommt immer noch etwas hinzu.“

Zusatzkosten entstehen oft durch unvollständige Baubeschreibungen. „Da werden einfach mal ganze Arbeitsgänge weggelassen“, weiß May aus seiner Beratererfahrung. Unerfahrenen Bauherren fällt zum Beispiel nicht auf, dass sich hinter der Formulierung „Baugrube ausheben » Kosten verstecken – nämlich für den Abtransport des Erdreichs. Steht davon aber nichts im Vertrag, lauern hier Zusatzkosten. Gern würden von Baufirmen auch Aufwendungen für die Beseitigung von Regenwasser oder für das Anlegen des Gartens verschwiegen.

Bauprojekte folgen häufig einem sehr engen Zeitplan. „Da die Arbeiten aufeinander aufbauen, können selbst kleine Verzögerungen zu einem Dominoeffekt führen“, sagt Prof. Evi Hartmann von der Universität Erlangen-Nürnberg. „In der Folge verschieben sich die Arbeiten immer weiter nach hinten.“ Wenn dann noch ein besonders kalter Winter dazukommt, könnten manche Arbeiten erst gar nicht ausgeführt werden.

Probleme im Bauablauf entstehen oft auch durch unkoordinierte Arbeit. „Ein Hausbau besteht aus vielen einzelnen Gewerken. Wenn diese nicht zentral von einem Generalunternehmer gesteuert werden, entstehen schnell Verzögerungen, Mehraufwände oder auch zusätzliche Anfahrten von Handwerken, die sich alle in zusätzlichen Kosten niederschlagen“, erläutert Hartmann. Vor allem an wichtigen Schnittstellen wie zwischen den Verputz- und Malerarbeiten oder zwischen dem Verlegen von Estrich und Bodenbelegen, klemmt es häufiger.

All das löst einen Dominoeffekt aus: Durch die längere Bauzeit kommt es zu Bereitstellungsgebühren und damit höheren Kreditkosten. Dazu kommen eventuell Mietkosten für die alte Wohnung, wenn der Umzug nicht rechtzeitig möglich ist. Eine Lösung kann sein, bei den Verhandlungen mit der Firma auf einen Bauzeitplan mit einem definierten Bauende zu bestehen – mit konkretem Fertigstellungsdatum und Vertragsstrafe bei Terminüberschreitung.

Nicht selten sind aber auch Bauherren selbst für eine Kostenüberschreitung verantwortlich. „Viele haben während einer meist schon fortgeschrittenen Bauphase noch Änderungswünsche“, sagt Prof. Hartmann. „Dann müssen Bauträger und Handwerker spontan reagieren und den Traum retten. Dies ist nicht immer kosten- oder verzögerungsfrei möglich.“ (dpa)