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Sonderveröffentlichung

Diagnose Schmerz

Ziel: Die Selbstständigkeit

Die Behandlung chronischer Schmerzen bei Senioren

Dr. Dietrich Brückner
Dr. Dietrich Brückner
Chronische Schmerzen sind ein ernst zu nehmendes Gesundheitsproblem vieler älterer Menschen und können bedeutsame Beeinträchtigungen des körperlichen und seelischen Wohlbefindens zur Folge haben. Mehr 90 Prozent der Über-75-Jährigen leiden Studien zufolge unter Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule und der Gelenke. Dabei kann die Ursache neben körperlichen Alterungsprozessen ein vorbestehendes chronisches Geschehen sein, welches im Alter eine bedeutsame Verstärkung erfährt.

Die Folge ist ein übermäßiges Schonverhalten aus Angst vor Schmerzverstärkung durch Bewegung. Mangelnde körperliche Aktivität bedeutet aber gerade im Alter einen bedeutenden Verlust von Leistungsfähigkeit und einhergehender Selbstständigkeit im täglichen Leben. Es entsteht eine Verkettung von Faktoren, die sich gegenseitig verstärken, den Schmerz unterhalten und Stimmungsveränderungen sowie soziale Isolation in Folge hervorrufen. So empfehlen die Fachgesellschaften, ganzheitliche multimodale Therapieprogramme zur Behandlung chronischer Schmerzen auf die Bedürfnisse älterer Patienten anzupassen.

„Hierzu ist die Erweiterung der bestehenden Teams aus Physio-, Ergo- und Musiktherapeuten, Pflegekräften, Psychologen und Schmerztherapeuten um ärztliche Spezialisten für Altersmedizin (Geriater) sinnvoll“, erklärt Dr. Dietrich Brückner (Foto) aus der Abteilung für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie des Evangelischen Krankenhauses Münster. So können durch die Optimierung der Therapie altersbedingter Erkrankungen die körperliche Leistungsfähigkeit verbessert und die Teilnahme an übenden und aktivierenden Therapien unterstützt werden. Die Verordnung von Schmerzmedikamenten erfolgt unter Berücksichtigung der häufig umfangreichen Vormedikationen und vermeidet so Nebenwirkungen und Überdosierungen. Die individuelle Ausgangssituation jedes Patienten wird berücksichtigt, um in ausreichendem Maße individuelle Therapieeinheiten durchzuführen.

Begleitende Gruppengespräche und -therapien fördern neben gemeinsamen Mahlzeiten den Kontakt und Austausch mit anderen Patienten und somit die Motivation zu Veränderungen im eigenen Verhalten, beschreibt Brückner. Hierzu zähle insbesondere die Unterstützung bei der Wiederaufnahme sozialer Aktivitäten im häuslichen Umfeld. Ziel der Behandlung ist eine ausreichende Schmerzlinderung und Aktivierung mit Wiedererlangung der Selbstständigkeit im täglichen Leben. Für Patienten mit ausgeprägten Störungen der Orientierungs- und Merkfähigkeit oder stark eingeschränkter körperlicher Leistungsfähigkeit sind die Therapien speziell anzupassen.

Dass die multimodale Schmerztherapie bei Senioren ebenso erfolgreich sein kann wie bei jüngeren Patienten, wenn man die individuellen Ausgangsvoraussetzungen ausreichend berücksichtigt, zeigen aktuelle Untersuchungen der Universität Erlangen, in denen im Rahmen von Nachuntersuchungen die Nachhaltigkeit der Therapien durchleuchtet wurde.

Etwa jede zehnte Frau betroffen

Hinter starken Regelschmerzen kann Endometriose stecken

Wer Regelschmerzen hat, kann die Beschwerden vielleicht schon mit einer Wärmflasche lindern. Die optimale Temperatur einer Wärmeanwendung liegt bei 40 Grad. Foto: dpa/Monique Wüstenhagen
Wer Regelschmerzen hat, kann die Beschwerden vielleicht schon mit einer Wärmflasche lindern. Die optimale Temperatur einer Wärmeanwendung liegt bei 40 Grad. Foto: dpa/Monique Wüstenhagen
Wer erstmals starke Regelschmerzen hat oder diese sich in Intensität und Dauer verändert haben, sollte zum Arzt gehen. Gleiches gilt, wenn man Schmerzen auch außerhalb der Periode hat. Und „wenn die Lebensqualität beeinträchtigt ist, man nur im Bett liegen kann oder so eingeschränkt ist, dass man nicht jeden Monat damit leben kann“, sagt Gynäkologe Professor Stefan Renner, Präsident der Europäischen Endometriose Liga. Denn hinter derartigen Symptomen kann sich auch die Erkrankung Endometriose verbergen.

Dabei siedelt sich meist gutartiges Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnlich ist, außerhalb der Gebärmutter an und blutet im Zyklusverlauf ab. Es breitet sich mit der Zeit weiter aus und kann zu Zysten, Verwachsungen und Unfruchtbarkeit führen, wie Renner erläutert. Zunächst treten die Schmerzen nur während der Periode auf, mit der Zeit bleiben sie aber bestehen. Obwohl nach Schätzungen der Europäischen Endometriose Liga gut jede zehnte Frau in Deutschland betroffen ist, tun viele Frauenärzte die Symptome für die Erkrankung ab, sagt Renner.

Unter www.endometrioseliga.eu können Frauen einen ersten Selbsttest machen. „So ist man auch nicht überrascht von den Fragen, wenn man mit seinem Verdacht zum Arzt geht“, sagt Renner. Denn die können recht intim sein, da die Erkrankung auch mit Schmerzen beim Sex oder beim Stuhlgang einhergehen kann.

Die Diagnose wird in der Regel per Bauchspiegelung gestellt. Dabei können dann direkt die Endometrioseherde entfernt werden. Bei milden Beschwerden, bei einem Rückfall oder zur Vorbeugung nach einer Operation kommt eine Hormontherapie in Betracht. (dpa)

www.endometriose-liga.eu

Auf dem Igelball rollen

Wer Schmerzen an der Fußsohle verspürt, sollte nicht lange damit herumlaufen, sondern den Fuß gleich einem Hausarzt oder Orthopäden zeigen. Dahinter könnte eine Entzündung der Fußsehnenplatte stecken – eine Plantarfasziitis. Lässt man sie nicht behandeln, nimmt man unter den Schmerzen vielleicht eine Schonhaltung ein. „Das wiederum kann sich ungünstig etwa auf die Wirbelsäule und den Halteapparat insgesamt auswirken“, erklärt Annett Biedermann, Präsidentin des Deutschen Verbands für Podologie.

Um eine Plantarfasziitis zu therapieren, gibt es verschiedene Möglichkeiten. „In erster Linie kommen konservative Therapien wie Dehnen der Plantarfaszie und der Fußmuskulatur in Betracht“, erklärt Biedermann.

Ramin Nazemi, Facharzt für Orthopädie, Chirotherapie und Sportmedizin aus Essen, rät, die Fußsohle auf einen Igelball zu stellen und den Ball mit der Fußsohle unter Druck in der Längsrichtung auf und ab zu rollen. (dpa)

Ab zum Arzt: Der Nachwuchs kann Schmerzen oft nicht zuordnen

Foto: dpa/Bodo Marks
Foto: dpa/Bodo Marks
Kleinkindern fällt es häufig schwer, Schmerzen richtig zuzuordnen. Deswegen kann es durchaus sein, dass der Nachwuchs über Bauchschmerzen klagt, auch wenn ihm eigentlich die Ohren wehtun. Eltern sollten das wissen. Ein klareres Zeichen für Ohrenschmerzen ist es, wenn sich das Kind die Ohren reibt oder den Kopf schüttelt. Viele Kinder erkranken im Laufe der ersten drei Jahre an einer Mittelohrentzündung. In der Regel heilt sie in zwei bis drei Tagen von alleine ab, berichtet das Institut für Wirtschaftlichkeit und Qualität im Gesundheitswesen auf seinem Patienteninformationsportal. Dennoch sollte das Kind zum Arzt.

Antibiotika und viel trinken

Das hilft bei einer Blasenentzündung

Wer sich eine Blasenentzündung zugezogen hat, muss viel trinken. Darauf weist das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen auf seinem Patienteninformationsportal hin. Eine Wärmflasche kann die Schmerzen lindern. Da die Entzündung meist durch Bakterien verursacht wird, sind Antibiotika häufig das Mittel der Wahl.

Allgemeingültige Mittel oder Methoden zur Vorbeugung gibt es laut dem Portal nicht. Viele Betroffene kennen demnach aber mit der Zeit die Faktoren, die eine Blasenentzündung bei ihnen begünstigen und können diese dann meiden.

Eine Blasenentzündung macht sich durch häufigen und plötzlichen Harndrang bemerkbar, auf der Toilette kommen dann aber häufig nur ein paar Tröpfchen. Die Schmerzen können in den Unterleib und in den Rücken ausstrahlen. In komplizierten Fällen kann die Entzündung auf die Nieren übertreten. Das Risiko dafür ist bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder vorgeschädigten Nieren besonders hoch. Als Anzeichen dafür, dass auch die Nieren betroffen sind, gelten etwa Schmerzen in der Nierengegend, Fieber sowie Übelkeit und Erbrechen. Die sogenannte Nierenbeckenentzündung sollte schnell behandelt werden. (dpa)