Sonderveröffentlichung

Abends stolz auf das Geschaffte

Schwindelfrei: Sam Spillman wird Dachdecker / Handwerkskammer half bei Lehrstellensuche

Montag, 30.09.2019, 15:52 Uhr

Der 16-jährige Samuel Spillmann aus Münster hat vor kurzem seine Ausbildung zum Dachdecker begonnen. Foto: HWK
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Mit geübtem Griff stellt Sam Spillman die Leiter ans Firmengebäude und steigt mit sicherem Tritt hinauf zum Dach. „Höhenangst habe ich zum Glück nicht“, lacht der 16-Jährige, der seit Anfang August eine Ausbildung zum Dachdecker bei dem Betrieb Held Dach und Wand Technik in Münster macht. Seine Lehrstelle fand er über die Ausbildungsvermittlung der Handwerkskammer (HWK) Münster.

Vor dem Ende seiner Realschulzeit war sich der Münsteraner unschlüssig, welcher Beruf zu ihm passt. Aus seiner Abschlussklasse entschieden sich nur drei Schüler direkt für eine Lehre nach der Zehnten. Sam war einer von ihnen und konnte sich eine Ausbildung als Dachdecker, Tischler oder Kfz-Mechatroniker vorstellen. „Ich wollte schon immer handwerklich arbeiten und nicht im Büro sitzen“, sagt er.

Zusammen mit seiner Mutter vereinbarte er einen Beratungstermin bei der Handwerkskammer Münster und erhielt über Ausbildungsvermittlerin Julia Börmann Vorschläge für Ausbildungsbetriebe. „Wir versuchen über das direkte Gespräch herauszufinden, wo die Motivation und die Stärken des Interessenten liegen. Dann können wir den Betrieben ein authentisches Bewerberprofil vorstellen“, erklärt Börmann. So passe nicht jeder von seiner Persönlichkeit in ein großes Handwerksunternehmen und umgekehrt sei mancher nicht für einen kleinen Betrieb geeignet. Wenn sie einen Bewerber kennengelernt hat, fragt sie Unternehmen an und schickt dem Bewerber die Kontaktdaten per E-Mail. „Als Ausbildungsvermittler nehmen wir dem Schüler die Aufgabe ab, selbst das Telefonbuch aufzuschlagen und nach Betrieben zu suchen. Wir treffen eine Vorauswahl. Beim Betrieb anrufen muss der Schüler dann schon selbst“, unterstreicht sie.

Bei Sam ging es nach dem Beratungsgespräch ganz schnell. Die Ausbildungsvermittlerin nahm Kontakt zu der Dachdeckerei auf und empfahl den Schüler weiter. Der vereinbarte telefonisch einen Termin und wurde direkt eingeladen. „Beim viertägigen Probearbeiten wurde darauf geachtet, wie ich mich im Team verhalte und welche Aufgaben ich eigenständig übernehmen kann. Gleichzeitig hatte ich die Möglichkeit, den Betrieb kennenzulernen“, erklärt der 16-Jährige. Als ihm anschließend ein Ausbildungsvertrag angeboten wurde, nahm er gleich an.

Abends stolz auf das Geschaffte Image 1
"Wir nehmen dem Schüler die Aufgabe ab, selbst das Telefonbuch aufzuschlagen und nach Betrieben zu suchen."

Julia Börmann, Ausbildungsvermittlerin der Handwerkskammer Münster

Am Dachdeckerberuf gefällt dem Junghandwerker besonders die Arbeit draußen und dass jeder Arbeitsort anders ist. Er merkte schnell, dass der Beruf nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch Kreativität und Kopfarbeit erfordert.

Seit dem ersten Arbeitstag trägt der Lehrling, wie seine Kollegen, die traditionelle, schwarze Zunftbekleidung des Dachdeckerhandwerks. Die acht Knöpfe auf seiner Weste stehen für acht Stunden Arbeit am Tag. Im Vergleich zur Schule musste er sich erst an das frühe Aufstehen und den langen Arbeitstag gewöhnen: „Die Arbeit im Handwerk ist anstrengend, aber macht Spaß. Abends bin ich stolz, wenn ich sehe, was ich tagsüber geschafft habe. Ich lerne Dächer zu decken, und das kann nicht jeder.“

Nach der Ausbildung stehen Sam verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten offen. Die Meisterschule und dann eine Aufstiegsfortbildung zum geprüften Betriebswirt HwO können eine langfristige Perspektive sein. Vorher hat der junge Dachdecker noch ein anderes Ziel: Mit einem Teil seines Ausbildungsgehaltes spart er auf ein eigenes Auto zum 18. Geburtstag.

Handwerkskammer informiert

Informationen über die rund 130 Ausbildungsberufe des Handwerks gibt es unter www.handwerk.de. Wer Fragen hat, Berufe oder Betriebe im Praktikum testen will oder eine Lehrstelle sucht, kann sich an die nächste Kreishandwerkerschaft und unter Tel. 0251/7 05 40 04 oder per E-Mail ausbildungsvermittlung@hwk-muenster.de an die Ausbildungsvermittler der HWK wenden.

Vereinfachter Weg zum Abi

Azubis im Handwerk
Mit dem sogenannten Berufsabitur soll Auszubildenden im Handwerk der Weg zur Allgemeinen Hochschulreife vereinfacht werden. Jugendliche, die eine duale Ausbildung im Handwerk beginnen, können dabei von Anfang an auch auf das Abitur hinarbeiten, wie das Schulministerium jüngst mitteilte. Damit gebe es die Perspektive, innerhalb von vier Jahren erst einen Gesellenbrief zu erwerben und dann das Abi zu schaffen. Dieser Bildungspfad werde in Nordrhein-Westfalen seit diesem Schuljahr erprobt. Bei „der Stärkung der beruflichen Bildung in Nordrhein-Westfalen“ sollten auch neue Wege gegangen werden, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) laut Mitteilung. Das Berufsabitur sei ein „vielversprechendes Modell“, der Doppelabschluss ermögliche die beiden Karrierewege „Beruf und Studium“. Jugendliche können derzeit schon während der Ausbildung durch zusätzliche Unterrichtsleistungen und eine Abschlussprüfung nach drei Jahren die Fachhochschulreife erhalten. Darauf aufbauend können sie dann in einem weiteren Jahr auch noch die Allgemeine Hochschulreife erwerben. Wie viele Azubis sich im aktuellen Schuljahr zu diesem Weg entschlossen haben, steht nach Angaben des Ministeriums noch nicht fest. (dpa)
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