Sonderveröffentlichung

Kraftfahrzeuggewerbe-Innung
„Abi+Auto“ einmalig in NRW

Innovative Ausbildungsform im Kfz-Handwerk startet am 1. August

Sonntag, 31.03.2019, 04:47 Uhr

Freie Fahrt für „Abi+Auto“ heißt es bei (v.l.) Ausbildungsvermittler Mustafa Schat vom Handwerksbildungszentrum Münster, Thomas Bäumer (Obermeister der Kfz-Innung Steinfurt), Mechatroniker-Azubi Alexander Fuhrmann, Rainer Ahlers (Innungsobermeister des Kraftfahrzeuggewerbes Münster) und Günter Schrade (Geschäftsführer Bildung Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf). Foto: Peter Sauer
Anzeige
Autohaus Wiesmann GmbH
Beresa
Autohaus Ahlers
Ausber Telgte - Münster
lveco West Nutzfahrzeuge GmbH
Bleker Gruppe
Audi Zentrum Münster, Senger AZ Münster GmbH
Autohaus Horst Greiwing KG
Innung des Kraftfahrzeuggewerbes Münster
Von Peter Sauer

MÜNSTER. Immer mehr Jugendliche machen Abitur. Immer mehr Fachkräfte fehlen im Handwerk. Diese beiden Entwicklungen brachten die Innung des Kraftfahrzeuggewerbes Münster, die Handwerkskammer, die Kreishandwerkerschaften Münster und Steinfurt-Warendorf und die Vestische Innung des Kfz-Gewerbes Recklinghausen und Gelsenkirchen auf eine Idee. Sie adaptierten das bislang nur in Bayern praktizierte Projekt „Abi+Auto“ für den Kammerbezirk. 

Innung, Kreishandwerkerschaft, Berufsschulen und überbetriebliche Ausbilder arbeiten Hand in Hand. „Das ist eine Riesenchance für die Betriebe. Sie bilden so potenzielle Führungskräfte aus“, prognostiziert Rainer Ahlers, Obermeister der Innung des Kraftfahrzeuggewerbes Münster. „Abiturienten sind für uns im Handwerk auch deshalb sehr wichtig, weil unsere frühere Zielgruppe, die Realschüler, mittlerweile zu 95 Prozent in die Berufskollegs gehen“, sagt Ausbildungsvermittler Mustafa Schat vom Handwerksbildungszentrum der Handwerkskammer. Das Projekt „Abi+Auto“ folge auch den Interessen der Teilnehmer: „Schließlich wollen nicht alle Abiturienten studieren. Viele wünschen sich eine praxisnahe Ausbildung, in der sie Geld verdienen, eigenverantwortlich arbeiten und gute Aufstiegschancen haben. All das bieten wir.“

„Abi+Auto“ geht von Null auf 100: „Junge Menschen mit Abitur können in einem Rekordtempo vier Abschlüsse erreichen“, betont Günter Schrade von der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf. „Und sie können gutes Geld verdienen – direkt vom ersten Monat an.“ Für den teilnehmenden Betrieb entstehen die normalen Ausbildungskosten. Danach regelt der Betrieb die weitere Beschäftigung in einem Arbeitsvertrag mit den üblichen Lohnkosten. Außerdem entstehen Fortbildungs- und Prüfungsgebühren sowie Reisekosten. Deren Finanzierung verhandelt der Betrieb mit dem Mitarbeiter. Alles wird in einem Weiterbildungsvertrag festgehalten.

Die Basis wird gelegt mit einer auf zweieinhalb Jahre verkürzten Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. Schon nach zwei Jahren beginnen zusätzliche Qualifizierungen. Im letzten Jahr werden die Teilnehmer ausgebildet zum Kfz-Mechatroniker (Geselle), Kfz-Servicetechniker, Fachmann für kaufmännische Betriebsführung und sie erwerben bereits den Ausbilder-Eignungsschein. Für Ambitionierte besteht darüber hinaus die Möglichkeit, in weiteren zwölf Monaten den Meisterbrief als Kfz-Techniker abzuschließen und den Titel „Geprüfter Betriebswirt“ zu erlangen. Der Meisterbrief ist gleichwertig mit dem Bachelor-Abschluss und der Geprüfte Betriebswirt mit dem Master-Abschluss.

„Die großen Betriebe in der Innung warten nur darauf, dass es losgeht“, sagt Ahlers. Nachwuchs wird dringend benötigt. Kleineren Betrieben und jungen Menschen, die ihre Ausbildung dort starten wollen, bietet er Unterstützung der Innung an.

„Arbeiten im Kfz-Handwerk ist längst viel mehr als nur Räder abschrauben oder Bremsklötze wechseln“, sagt Ahlers. „Die Autos besitzen immer mehr Elektronik. So muss man mittlerweile wissen, was etwa Transistor und Kondensator machen. Ein Auto ist heute ein rollender Computer“. Günter Schrade ergänzt: „Die Mittelkonsole vieler Autos ist eine Art iPad – da steuere ich praktisch alles mit.“ Kfz-Mechatroniker sind IT-Spezialisten mit Werkzeugkasten. Moderne PCs und elektronische Prüfsysteme sind neben den (De-)Montagewerkzeugen tägliche Begleiter.

Ein gutes Verständnis für Elektronik und Elektrik, Mechanik und Datenverarbeitung sind wichtige Voraussetzungen. Geplant sind auch Gespräche mit den Eltern, da diese die Bildungswege ihrer Kinder maßgeblich mitbeeinflussen.

„Der Mix aus verkürzter Ausbildung und gezielter Weiterbildung bereitet systematisch auf eine Führungsposition oder die erfolgreiche Selbstständigkeit vor“, sagt Rainer Ahlers.

Der Berufsschulunterricht der „Abi&Auto“-Teilnehmer findet in einer eigenen Ausbildungsklasse zentral im Wilhelm-Emmanuel-von-Ketteler-Berufskolleg in Münster statt, die überbetrieblichen Einheiten im HBZ in Münster. „Abi+Auto“ startet zum 1. August 2019. Anmelden kann man sich ab sofort.

Ansprechpartner

Wer bei „Abi+Auto“ einsteigen will, kann sich wenden an: Carsten Haack, Tel. 0251/705 1754 (Handwerkskammer Münster), Dirk Albers, Tel. 0251/520 08 27 (Innung des Kraftfahrzeuggewerbes Münster), Günter Schrade, Tel. 0 59 71/ 40 03 30 00 (Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf). www.kfz-innung-muenster.de.
Datenschutz