Sonderveröffentlichung

Berufsberatung in der Agentur für Arbeit in Rheine

Stärken finden – Chancen nutzen

Ulrike Chiei Gamacchio, Berufsberaterin Foto: BaA

29.01.2021

Zur aktuellen Situation auf dem Arbeitsmarkt im Hinblick auf Ausbildungsstellen und Corona befragten wir die zuständigen Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit in Rheine, Markus Ruten (Berufsberater) und Ulrike Chiei Gamacchio (Berufsberaterin):

Ganz konkret: Wie viele Ausbildungsstellen gibt es im Kreis Steinfurt überhaupt? Wie viele davon sind noch unbesetzt? In welchen Berufen sind noch die meisten Ausbildungsstellen frei?

Markus Ruten: Zum Ende des vergangenen Ausbildungsjahres, also zum 30. September, waren im Kreis Steinfurt noch 384 Ausbildungsplätze unbesetzt. Die meisten davon im Einzelhandel, als Berufskraftfahrer oder Elektroniker oder im Lager. Aktuell melden die Unternehmen ja schon die Stellen für den kommenden Sommer und da sind natürlich erstmal so ziemlich alle Berufe dabei.

Warum sind diese Berufe nicht so beliebt bei den Jugendlichen? Handwerk und Einzelhandel sind doch wirklich krisensicher und beide bieten gute Karrierechancen.

Ulrike Chiei: Die Gründe sind sehr vielschichtig. Die Interessen der Jugendlichen und die Anforderungen und angebotenen Stellen der Arbeitgeber passen halt nicht immer zusammen. Ein Beispiel ist hier der Einzelhandel. Viele Jugendliche suchen nicht im Lebensmitteleinzelhandel, sondern interessieren sich nur für den Verkauf von Textilien oder Schuhen. Diese Branche ist – wie man momentan sieht – leider nicht krisensicher. Im Gegensatz zum Lebensmittelhandel.

Markus Ruten: Dazu kommt, dass viele Jugendliche auf die bekanntesten Berufe setzten, oder sich auf sogenannte Modeberufe, zum Beispiel in der Medien- oder Veranstaltungsbranche konzentrieren. Häufig liegt der Fokus dann auf nur einem Beruf und Chancen in anderen vielversprechenden Berufsfeldern bleiben ungenutzt. Es macht also Sinn, sich neben seinem Traumberuf auch mit alternativen Berufsbildern zu befassen. Manchmal gibt es auch Vorurteile zu bestimmten Berufen. Da hat sich aber gerade im Handwerk in den letzten Jahren einiges zum Positiven entwickelt. Eine häufig geäußerte Befürchtung ist die fehlende Perspektive hinsichtlich der Aufstiegsmöglichkeiten nach einer Ausbildung. Das ist aber so nicht richtig, denn es gibt sogar sehr gute und vielfältige Möglichkeiten, wie zum Beispiel eine Fortbildung zum Meister, Techniker oder Handelsfachwirt. Auch ein Studium ist später häufig sogar ohne Abitur möglich.

Bischof + Klein SE & Co. KG

Was sind die Vorteile einer betrieblichen Ausbildung?

Ulrike Chiei: Die Nachwuchskraft ist bereits im Betrieb und kann bei positivem Ausbildungsverlauf im Anschluss viel leichter in ein Beschäftigungsverhältnis einmünden. Schließlich konnten sich Betrieb und Auszubildender seit Jahren gut kennenlernen. Eine betriebliche Ausbildung ist zudem sehr praxisorientiert, es werden viele praktischen Fertigkeiten erworben. Dies kommt auch dem Betrieb zugute, weil er seinen Arbeitnehmer passgenau qualifizieren kann. Eine Ausbildung ist somit eine hervorragende Grundlage für eine berufliche Karriere. Sie ist aber auch eine Erfahrung, die in einem möglicherweise anschließenden Studium hilfreich ist.

Wie sehen die Beratungsangebote für Jugendliche bei der Agentur für Arbeit aus, die sich nicht für eine bestimmte Richtung entscheiden können?

Markus Ruten: Ideen der Schülerinnen und Schüler werden im persönlichen Gespräch zusammen mit den Berufsberatern sortiert, analysiert und weiterentwickelt. Ziel ist es, Interessen, Stärken und Fähigkeiten der Jugendlichen gemeinsam herauszufinden und diese mit den Anforderungen der Ausbildungsberufe abzugleichen. Berufswahl wird als Prozess gesehen. Die Beratungsgespräche bauen aufeinander auf. In der aktuellen Situation finden sie überwiegend telefonisch statt. Für den Einstieg in die berufliche Orientierung ist das frei zugängliche Erkundungstool Check-U nutzbar. Im Rahmen der beruflichen Beratung werden individuell ergänzende Instrumente, wie zum Beispiel einen psychologischen Berufswahltest eingesetzt.

Ausbildungsmessen oder Job-Speed Datings sind im vergangenen Jahr coronabedingt ausgefallen. Wie und wo können sich Schüler momentan beruflich orientieren?

Ulrike Chiei: Ausbildungsmessen und Co sind wichtige Hilfen für Jugendliche, die zuletzt leider fehlten. Sie sind aus unserer Sicht auch nicht 1:1 digital zu ersetzen. Informationsportale wie berufe.net und berufe.tv – erreichbar über www.arbeitsagentur.de – sowie eine Vielzahl von Informationsschriften wie zum Beispiel das „Beruf aktuell“ als Taschenbuch – stellen wir gern zur Verfügung. Immer mehr positive Resonanz findet das Studio 1 der AA Rheine. Mit diesem virtuellen Veranstaltungsformat, welches bereits Ende März, aufgrund von Corona ausgefallener Informationsveranstaltungen und Beratungsangeboten, eingeführt wurde, bietet die AA Rheine wöchentlich online Informationsveranstaltungen zu unterschiedlichsten Themen an. Eine Übersicht zu den Veranstaltungen und eine Möglichkeit zur Anmeldung gibt es unter www.ba-trainingscenter.de

Wie sind die Chancen für Schulabgänger ohne Schulabschluss oder mit nicht so gutem Schulabschluss? Können Sie da gezielt unterstützen, um Ängste und Bedenken auf beiden Seiten – Bewerber und Unternehmer – abzubauen?  

Markus Ruten, BerufsberaterFoto: BaA
Markus Ruten, Berufsberater
Foto: BaA

Markus Ruten: Ausgangspunkt für diese Schülerinnen und Schüler ist zunächst das Beratungsgespräch. Die erste Kontaktaufnahme erfolgt in der Regel in der Schule. Eine Kontaktaufnahme mit der Berufsberatung ist aber natürlich auch außerhalb des Rahmens der Schule möglich und ist nicht nur Schülerinnen und Schülern vorbehalten. Im Gespräch können Perspektiven aufgezeigt werden, die das angestrebte Ziel, und dies sollte jeder Schüler haben, möglich machen. Im Gespräch wird gemeinsam überlegt, ob der Besuch einer weiterführenden Schule oder aber eine praxisorientierte Berufsvorbereitung der sinnvollere Weg ist. Über beide Möglichkeiten ist es möglich, einen Schulabschluss zu erreichen. Der Wille und die Motivation ist das, was zählt.

Ulrike Chiei: Dieser Wille in Kombination mit dem Unterstützungsangebot der Berufsberatung eröffnet durchaus die Möglichkeit eine Ausbildung zu beginnen. Natürlich haben Arbeitgeber ein Idealbild eines Auszubildenden vor Augen. Aber gute Noten sind nicht immer das Nonplusultra für den Einstieg ins Berufsleben, oftmals haben Jugendliche dafür andere Stärken, die im Beratungsgespräch herausgefunden werden können und die man dann nutzen sollte. Falls es während einer Ausbildung dann doch Probleme gibt, haben wir viele Möglichkeiten, zu unterstützen um den Ausbildungsabschluss doch noch zu erreichen.
     

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0 59 71/93 08 00

www.arbeitsagentur.de/vor-ort/rheine
Steinfurt.Berufsberatung@arbeitsagentur.de
Greven.Berufsberatung@arbeitsagentur.de

Berufsfelder erkunden

Die Erfahrung macht’s! Deshalb sollen Schüler der 8. Klasse wieder die Möglichkeit bekommen, an Berufsfelderkundungstagen in Berufe zu schnuppern. Unternehmen bietet sich dabei die Chance, bei Schülerinnen und Schülern Interesse für die Arbeitsbereiche Ihres Betriebes zu wecken und sich so vielfältige Personalressourcen für die Zukunft zu erschließen.

Nach den Herausforderungen in diesem Jahr, möchte die Kommunale Koordinierungsstelle des Kreises Steinfurt Betriebe, Unternehmen und Einrichtungen dazu aufrufen, trotz coronabedingter Umstände mitzumachen. Achtklässlerinnen und – klässler im Kreis Steinfurt können das Portal www.kreis-steinfurt. bfe-nrw.de nutzen, um einen Berufsfelderkundungstag zu buchen.

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Für weitere Informationen steht die Kommunale Koordinierungsstelle des Kreises Steinfurt zur Verfügung:
025 51/69 15 81
kaoa@kreis-steinfurt.de