Sonderveröffentlichung

Viele Jugendliche können sich vorstellen, in der Pflege zu arbeiten

Auch mit dualem Studium möglich

Regional gibt es noch duale Studiengänge, um in der Pflege zu arbeiten. Durch das Pflegeberufegesetz laufen diese Modelle aus. Foto: dpa

14.09.2020

Rund jeder fünfte Jugendliche kann sich vorstellen, später einmal in der Pflege oder in der Kinderbetreuung zu arbeiten. Das zeigte 2020 eine Umfrage unter mehr als 1000 14- bis 20-Jährigen im Auftrag des Familienministeriums. Weniger begeistert guckten die Befragten auf die Arbeits- und Bezahlbedingungen. Aber welche Wege führen in die Pflege? Und auf welche Einsatzmöglichkeiten bereiten sie vor?
   

Pflegehilfskraft: Der kürzeste Weg in einen Pflegeberuf ist die Ausbildung zur Pflegehilfskraft. Diese dauert je nach Bundesland ein bis zwei Jahre. Zugangsvoraussetzung ist in der Regel ein Hauptschulabschluss. „Als Pflegehilfskraft arbeitet man direkt mit dem Menschen zusammen“, erklärt Alexander Daniel, Pflegepädagoge und Mitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Pflegebildung im Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK). „Man unterstützt die Pflegefachkräfte bei Aufgaben wie dem Anreichen von Nahrung, der Positionierung oder der Körperpflege von Pflegebedürftigen.“
    

DZ Hyp

Pflegefachmann-/frau: Die Ausbildung zum Pflegefachmann oder zur Pflegefachfrau ist seit Anfang 2020 durch das Pflegeberufegesetz neu aufgestellt worden. Vor der Neuregelung mussten sich angehende Pflegekräfte zwischen unterschiedlichen Ausbildungen etwa in der Kinder- oder Altenpflege entscheiden. „Nun lernt man während der Ausbildung alle Bereiche kennen“, sagt Hans Peter Engelhard, vom Beratungsteam Pflegeausbildung des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA). Mit dieser generalistischen Ausbildung können Absolventen später in sämtlichen Bereichen der Pflege arbeiten. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Voraussetzung ist die mittlere Reife oder die Ausbildung zur Pflegehilfskraft. Azubis bekommen während ihrer Lehrzeit vom Ausbildungsbetrieb eine Vergütung. Neu ist zudem, dass auch an privaten Berufsfachschulen kein Schulgeld mehr gezahlt werden muss.

Studium: Auch mit einem Studium können Interessierte in den Pflegeberuf einsteigen. Voraussetzung ist in der Regel eine Hochschulzugangsberechtigung. Mancherorts lässt sich aber auch eine abgeschlossene Ausbildung zur Pflegefachkraft anrechnen. „Der große Unterschied zwischen Studium und Ausbildung ist, dass der Theorieteil im Studium tiefer geht und anspruchsvoller ist“, erklärt Engelhard. So würden angehende Pflegefachkräfte lernen, Studien auszuwerten und die aktuellen Erkenntnisse aus der Forschung in die Praxis zu übertragen, um die Patientenversorgung zu verbessern.

Kombi-Modelle und duales Studium: Wer in der Pflegepraxis arbeiten möchte, sollte aber nicht nur auf ein Studium setzen. „Die meisten Betriebe sehen es lieber, wenn jemand neben dem Studium auch eine Ausbildung zur Pflegefachkraft gemacht hat“, sagt Arndt Blessing, Schulleiter des Bildungszentrums für Gesundheit Darmstadt. Wer Studium und Ausbildung kombinieren will, hat aktuell noch die Möglichkeit, sich Leistungen anrechnen zu lassen und dadurch die Gesamtdauer von sechs Jahren zu verkürzen. Alternativ gibt es regional duale Studiengänge. Durch das Pflegeberufegesetz laufen diese Modelle aus. Neu ist ein mit dem Pflegeberufegesetz eingeführtes Studienmodell, das praktische Ausbildung und akademische Qualifizierung kombiniert. Mit einer Prüfung erhält man am Ende dieses mindestens dreijährigen Studiums den Bachelor und den Abschluss als Pflegefachmann oder -fachfrau. „Diesem Studiengang gehört die Zukunft“, so Engelhard. (dpa)


Ausbildung an Hochschule verlagert

Jährlich 300 Hebammen-Studienplätze in NRW geplant

Für die Hebammenausbildung sollen künftig 300 Studienplätze jährlich an Hochschulen in Nordrhein-Westfalen eingerichtet werden. Die Ausbildungskapazitäten würden nach und nach von Hebammenschulen an Hochschulen verlagert.

Die Hochschulauswahl erfolge zum Herbst. Der Start des dualen Studiums sei überwiegend zum Wintersemester 2021/2022 vorgesehen. „Damit streben wir einen reibungslosen Übergang von der bisherigen klassischen Hebammenausbildung in die zukünftig vollakademisierte Ausbildung an“, erklärte Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen.

Der NRW-Landesverband der Hebammen hatte vor einem halben Jahr den Aufbau von Studienmöglichkeiten für angehende Hebammen im bevölkerungsreichsten Bundesland als viel zu schleppend kritisiert. Er sprach von einem Versorgungsengpass in der Geburtshilfe. Im Herbst 2019 war eine Reform der Ausbildung bundesweit beschlossen worden.

Zum Jahresanfang gab es in Nordrhein-Westfalen nur noch an der Hochschule für Gesundheit in Bochum die Möglichkeit, einen berufsqualifizierenden Bachelor in Hebammenkunde zu erwerben. Nach Ministeriumsangaben im Februar haben die Hochschulen in Aachen, Krefeld, Bonn, Köln und Bielefeld darüber hinaus Interesse bekundet. In Düsseldorf stehe ein Studiengang in den Startlöchern, hieß es damals.

Die Grünen kritisierten den jüngsten Beschluss. Bachelorstudiengänge allein reichten nicht aus, um dem Hebammenmangel entgegenzuwirken. Sachverständige hätten bereits im Vorfeld deutlich gefordert, „dass es Masterstudiengänge und Promotionsmöglichkeiten in NRW braucht, um ausreichend Lehrende für die Hebammenkunde zu erhalten.“ (dpa)


Bei dualen Studiengängen auf „Mogelpackungen“ achten

Prüfen, ob es sich um ein gutes Angebot handelt

Wer sich für ein duales Studienangebot interessiert, sollte genau hinsehen: Dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) zufolge gibt es Studiengänge, die zwar als „dual“ deklariert werden, aber im Kern gar keine sind. Die Verzahnung zwischen hochschulischer und betrieblicher Bildung sei dann längst nicht so eng, wie sie sein sollte, heißt es von Seiten des CHE.

Deshalb gilt: Bereits vor der Bewerbung sollten Interessierte erfragen, ob die Ausbildungs- oder Praxiszeit im Unternehmen tatsächlich mit Credit Points im ECTS-System als Studienleistung angerechnet wird. Wie viele Leistungspunkte in der Hochschule und im Betrieb erworben werden, sollte auch im jeweiligen Modulhandbuch stehen.

Auch die Studiendauer können Interessierte heranziehen, wenn sie prüfen wollen, ob sie ein gutes Angebot vor Augen haben. Ein dualer Bachelor mit einer Regelstudienzeit von mehr als sechs Semestern etwa sei erst einmal positiv zu bewerten. Es ist davon auszugehen, dass dann mehr Zeit für das Studium und die Praxisphasen vorgesehen sind. Das kommt dual Studierenden entgegen. Schließlich bedeutet ein duales Studium immer eine Doppelbelastung.

Grundsätzlich sollten Bewerber bei der Entscheidung für ein Angebot darauf achten, dass es klare Vereinbarungen zwischen der beteiligten Hochschule und dem beteiligten Unternehmen gibt.

So ist idealerweise von Beginn an festgelegt, wie viel Zeit für die Berufsausbildung im Betrieb und das Studium an der Hochschule zur Verfügung steht. Sowohl im Betrieb als auch an der Hochschule sollte es feste Ansprechpartner für die Studierenden geben.

Weitere Tipps zum dualen Studium hat das CHE in einer Übersicht im Internet zusammengefasst: www.che.de/duales-studium-kompakt/