Sonderveröffentlichung

Aufbruch statt Abbruch

Initiative vermittelt 500. Studienaussteiger in Ausbildung

Donnerstag, 06.02.2020, 15:50 Uhr

Carsten Taudt (v.l., Leiter der Geschäftsbereichs Bildung und Fachkräftesicherung der IHK Nord Westfalen), Joachim Fahneman (Leiter der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster), Pedro dos Santos (Auszubildender bei L + K), Annette Passlick-Wabner (Personalchefin bei L + K) und Knut Heine (stellvertretender Hauptgeschäftsführer der HWK Münster). Foto: HWK/Ralf Emmerich
In Betrieben sind sie begehrte Kandidaten: Junge Menschen, die ihr Studium abbrechen, um eine Ausbildung zu absolvieren. Auch Annette Passlick-Wabner, Personalchefin bei der L + K Luft-Klima-Anlagenbau GmbH & Co.KG in Münster freut sich über ihren neuen Auszubildenden. Pedro dos Santos hat zu Beginn des Jahres sein Studium der Energie- und Gebäudetechnik gegen eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei L + K getauscht. Er ist der 500. Studienaussteiger, den die Handwerkskammer Münster, die Agentur für Arbeit Ahlen-Münster und die Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen mit ihrer gemeinsamen Initiative „Und Morgen Meister“ in eine Ausbildung vermittelt haben.

Bei L + K hat man gute Erfahrungen damit gemacht, junge Menschen auszubilden, die ihr Hochschulstudium an den Nagel gehängt haben. „Einer unserer Ausbildungsabsolventen war sogar Jahrgangsbester“, berichtet Annette Paßlick-Wabner. Eine hohe Motivation, eine gewisse Lebenserfahrung und die gute schulische Vorbildung seien Pluspunkte, die Studienaussteiger mitbringen, die sich neu orientiert und für eine Ausbildung entschieden haben, so die Personalleiterin. Während viele Ausbildungsbetriebe bereits offensiv um Studienabbrecher werben, fällt Studierenden, die in ihrer Hochschulausbildung in eine Krise geraten, die berufliche Neuorientierung häufig schwer.

Zweirad Hanselle GmbH

So ging es auch Pedro dos Santos. Der Gedanke, bereits wertvolle Zeit in das Studium investiert zu haben und nun neu anfangen zu müssen, habe ihn sehr beschäftigt, erzählt er rückblickend. Hinzu kamen viele Fragen. „Ich wusste zum Beispiel nicht, dass man auch nach dem ersten August in eine Ausbildung einsteigen kann“, erzählt er. „Hier setzt das Programm ‚Und Morgen Meister‘ an“, unterstreicht Joachim Fahnemann, Leiter der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster. „Es geht darum, Studierende in einer solchen Situation nicht allein zu lassen, sie zu informieren, neue Wege aufzuzeigen und bei der konkreten Umsetzung zu unterstützen. Dazu arbeiten wir eng mit der Handwerkskammer und der Industrie- und Handelskammer zusammen. So können wir schnell Betriebskontakte vermitteln und jungen Menschen einen beruflichen Neustart ermöglichen“, so Fahnemann.

Bereits rund 900 Studierende sind seit dem Start des Programms „Und Morgen Meister“ vor sieben Jahren beraten worden. Diejenigen, die den Weg in eine Ausbildung einschlagen, seien durchaus keine schwachen Kandidaten, betont Knut Heine, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Münster: „Das Gegenteil ist der Fall. Es handelt sich um starke Persönlichkeiten, die eine Entwicklung durchlaufen, eine realistische Einschätzung ihrer Situation geleistet und daraufhin neu orientiert haben“. Das unterstreicht auch Carsten Taudt, Leiter der Geschäftsbereichs Bildung und Fachkräftesicherung der Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen. „Viele Studienaussteiger gehören als Ausbildungsabsolventen zu den Prüfungsbesten“. Für die Unternehmen in der Region seien sie wertvolle Nachwuchskräfte, so Taudt: „Sie bleiben ihrem Ausbildungsbetrieb häufig lange treu“. Joachim Fahnemann, Knut Heine und Carsten Taudt betonen, dass das Programm „Und Morgen Meister“ eine Perspektive für alle Studierenden bietet, die nach einer Alternative zur Hochschulausbildung suchen: „Wir haben ein vielfältiges Angebot an Ausbildungsberufen in der Region“. Ihr Tipp an Betroffene lautet, in einer Krise möglichst frühzeitig das Gespräch mit den Experten von „Und Morgen Meister“ zu suchen, schreibt die Handwerkskammer Münster. (HWK)

Abiturienten kommen schnell nach oben

Ausbildung im Handwerk
Wer Abitur hat und eine Ausbildung beginnt, kann oftmals gleich im zweiten Lehrjahr einsteigen – und kommt so schnell zu einem Abschluss. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/dpa-mag
Wer Abitur hat und eine Ausbildung beginnt, kann oftmals gleich im zweiten Lehrjahr einsteigen – und kommt so schnell zu einem Abschluss. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/dpa-mag
Es muss nicht zwingend ein Studium sein: Auch eine Ausbildung im Handwerk kann für Abiturienten interessant sein. Sie verdienen von Anfang an Geld, haben gute Übernahmechancen – und können oft Zeit sparen. Mit Abitur könne man häufig direkt in das zweite Lehrjahr einsteigen, erklärt Katja König von der Handwerkskammer für Ostthüringen in der Zeitschrift „abi.de“.

Zudem bietet eine Ausbildung vielfältige Aufstiegsmöglichkeiten. So ist es Azubis an manchen Orten möglich, schon während ihrer Ausbildung kaufmännische Zusatzqualifikationen zu erwerben. Alternativ können sie parallel zur Lehre studieren oder den Meistertitel erlangen.

Ein Meistertitel oder Techniker-Abschluss ist auf demselben Niveau eingestuft wie ein Bachelorabschluss, erläutert die Ausbildungsexpertin. Qualifizierte Handwerker hätten daher gute Chancen, eine verantwortungsvolle Position in einem Unternehmen zu bekommen. (dpa)
 
Datenschutz