Sonderveröffentlichung

Den Nachtschreck muss man vom Albtraum abgrenzen

Das steckt hinter dem Nachtschreck

Das steckt hinter dem Nachtschreck

Beim Nachtschreck handelt es sich um eine Art Schlafstörung, von der vor allem Kinder betroffen sind, die in etwa zwischen drei und sieben Jahre alt sind. Foto: Dak/Wigger/dpa/gms

12.05.2020
Mehr Raum für Kinder

In der Silvesternacht 2018 gerät Familie Putzer in Panik. Kurz nach Mitternacht wird es laut im Zimmer ihrer Tochter. Die zweijährige Isabella schreit, als ginge es um ihr Leben. Mit weit aufgerissenen Augen schlägt sie um sich, brüllt „Mama weg“ und lässt sich nicht beruhigen.

„Sie war wie vom Teufel besessen“, erinnert sich Mutter Sonja Putzer. Doch nach ungefähr 15 Minuten ist alles vorbei. Isabella liegt wieder friedlich in ihrem Bett und schläft. Am nächsten Morgen ist sie fröhlich wie immer und kann sich an nichts erinnern.

Der Kinderarzt der Familie hat sofort eine Vermutung: Isabellas Verhalten deutet auf einen Nachtschreck hin. „Dabei handelt es sich um eine Art Schlafstörung, von der vor allem Kinder betroffen sind, die in etwa zwischen drei und sieben Jahre alt sind“, erklärt der Schlafmediziner Bernhard Hoch aus Bonstetten in Bayern.

Von einem Albtraum muss man den Nachtschreck deutlich abgrenzen. „Bei einem Nachtschreck geraten die Kinder aus der Tiefschlafphase heraus in einen ängstlichen Zustand, ohne wirklich aufzuwachen“, sagt Hoch. „Ihre Herzfrequenz ist erhöht und sie sind in der Regel trotz geöffneter Augen nicht ansprechbar. Am nächsten Tag können sie sich an nichts erinnern.“ Ganz anders ist das beim Albtraum, der Kinder in der Regel aufwachen lässt und von dem sie oft detailliert berichten können. Der Nachtschreck schlägt außerdem eher in der ersten Nachthälfte zu, Alpträume gegen Ende der Nacht. Bei Isabella kommt die Panik in der Nacht immer mal wieder. Anfangs fragten sich die Eltern, ob ihre Tochter etwas Traumatisches aufarbeiten muss.

Diese Frage beschäftigt viele Eltern von Nachtschreck-Kindern, weiß Anna Lena Tietze, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin aus Havixbeck (Nordrhein-Westfalen). „Ein Nachtschreck ist kein Zeichen für eine Traumatisierung des Kindes“, beruhigt sie. „Eltern müssen sich keine Vorwürfe machen, etwas im Umgang mit ihrem Kind falsch gemacht zu haben. Es wird vermutet, dass der Nachtschreck auch eine genetische Komponente hat.“

Dennoch können Eltern etwas tun: „Es ist sinnvoll, vor dem Schlafengehen eine ruhige Atmosphäre zu schaffen. Kinder brauchen Strukturen“, sagt Hoch. „Es hilft ihnen sehr, wenn sie in einem behüteten Elternhaus aufwachsen, das ihnen viel Sicherheit gibt.“

Auch Anna Lena Tietze rät: „Man sollte versuchen, Stress aus dem Leben der Kinder zu nehmen. Wenn sie anfällig für einen Nachtschreck sind, können übermäßig viele oder auch unvorhergesehene, aufregende Erlebnisse ihn auslösen.“

Die meisten Eltern möchten ihre betroffenen Kinder in der Situation am liebsten wecken und beruhigen. „Doch das ist nicht der richtige Weg“, sagt Tietze. Das könne das Kind eher verängstigen. Sinnvoller sei es, leise und beruhigend auf es einzureden, es in den Arm zu nehmen, wenn es das zulässt, und dafür zu sorgen, dass es sich nicht verletzen kann. Am folgenden Morgen solle man den Nachtschreck nicht thematisieren.


Höchstes Gut

Vorwort: Gesundheit geht uns alle an

Gerade in Zeiten wie diesen wird einem bewusst, worauf man guten Gewissens verzichten kann und von welchen Dingen und Gewohnheiten der Abschied plötzlich ganz leicht fällt. Auch Unverzichtbares lässt sich leichter erkennen. Eines der elementaren Dinge, die uns die Krise beigebracht hat, ist, dass Gesundheit über allem steht. Dass sich gesellschaftliche Verpflichtungen, wirtschaftliches Leben und sogar familiäre Beziehungen dem Schutz der Gesundheit des Einzelnen unterordnen müssen. Schön, in einer Zeit zu leben, in der alle aufeinander aufpassen, wenn es darauf ankommt. Aufpassen müssen wir außerdem und ganz besonders auf die Kleinsten – lesen Sie selbst und bleiben Sie gesund. Claudia Bakker


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