Sonderveröffentlichung

„Deutschland gleicht bei Aktien einer Diaspora“

Vermögensberatung Bauer: Wohlstand der Bundesbürger sinkt im internationalen Vergleich

Freitag, 15.11.2019, 07:32 Uhr

Die Anlage des Ersparten auf Tagesgeldkonten hat das Vermögen in den letzen Jahren geschmälert, weiß Stefan Bauer (kl. Bild).                             Foto: imagoimages
Münster. Deutschland werde bei vielen neuen Technologien (zum Beispiel Internet und Gentechnik) nach hinten durchgereicht, betont Stefan Bauer, Geschäftsführender Gesellschafter der Vermögensberatung Franz Heinrich Bauer. „Wir verlieren im globalen Wettbewerb immer mehr an Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit.“ Noch ernüchternder sehe es auf dem Feld der Wohlstandsentwicklung aus, so Bauer. Allerdings sind hier die Fakten bereits geschaffen und belegt; es würde Jahrzehnte dauern, um den Anschluss an die führenden Nationen herzustellen. Orientiere man sich an der Geldvermögensentwicklung der Bevölkerung, dann zeige sich, dass bei einer Medianbetrachtung Deutschland nicht mehr zu den 20 wohlhabendsten Ländern gehört, so der münsterische Vermögensberater. In unerreichbarer Ferne liege in dieser Hinsicht der Wohlstandsspitzenreiter und Nachbar, die Schweiz, deren Bevölkerung in der Breite ein beachtliches Vermögensniveau aufweise.

Laut Credit Suisse Global Wealth Report 2018 weist Deutschland für das Jahr 2017 einen Vermögensmedianwert von 35 169 US-Dollar pro Einwohner auf. Der Vergleichswert für die Schweiz liegt bei 183 339 Dollar und in Großbritannien beträgt er 97 169 Dollar. Interessant ist auch der Wert für die USA, der bei 61 667 US-Dollar und damit doppelt so hoch wie in Deutschland liegt. Deutschland reiht sich sogar hinter Italien beim Vermögen pro Kopf ein.
    
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Die Zahlen, die sich mit entsprechenden Studien der Deutschen Bundesbank und der Europäischen Zentralbank weitgehend decken, legen laut Bauer die Frage nahe, wie es dazu gekommen ist, dass die Bundesrepublik bei der Vermögensentwicklung ihrer Bevölkerung wie ein Absteiger aussieht. Als Antwort verweisen Experten neben der hohen Steuerbelastung und der Überregulierung auf die Sachwertfeindlichkeit der Deutschen. Dazu zähle die vergleichsweise geringe Eigenbesitzquote bei Immobilien und vor allem die viel zu niedrige Beteiligung am Produktivvermögen durch Aktien- bzw. Aktienfondsbesitz, betont Bauer. „Während aber Immobilienerwerb und -besitz teuer und komplex sind, wäre die Teilhabe am Produktivvermögen in Form eines Aktienfonds günstig und einfach“, so Bauer. Umso erstaunlicher sei es, dass Deutschland auf diesem Gebiet einer Diaspora gleiche, obwohl doch die Bevölkerung der These zustimme, dass unser Land eine starke Wirtschaft hat.

Seit fast zehn Jahren nun herrscht in der Zinswelt „Frost“, so Bauer – man könne daher inzwischen auch von „Permafrost“ sprechen. Eine Festgeldanlage habe somit in den vergangenen zehn Jahren circa zehn Prozent an Wert bzw. Kaufkraft vernichtet. Bei der Berechnung wurden von den kaum vorhandenen Zinsen die Steuern inklusive Solidaritätszuschlag und Kirchensteuern abgezogen. Zudem wurde die tatsächliche Inflation der vergangenen Jahre berücksichtigt.

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