Sonderveröffentlichung

Auch in Muskeln und Faszien nach Auslösern suchen

Triggerpunkte oft Ursache für Rücken- und Beckenschmerzen

Anatomie und ausstrahlender Schmerz des Musculus iliopsoas. Grafik: © Dr. Hannes Müller-Ehrenberg  

9.03.2021

Triggerpunkte in Muskeln und Faszien sind für viele Menschen die Ursache von chronischen Schmerzen im Rücken aber auch in der Bauch- und Beckenregion. Oft werden Blockierungen, Lumboischialgien, Bandscheibenvorfälle aber auch Hüft-Arthrose oder Beckenbodenprobleme diagnostiziert. Der Verursacher dieser Beschwerden sollte, nach dem Ausschluss einer gravierenden Erkrankung, zum Beispiel einer Nervenläsion, nicht nur in den offensichtlichen lokalen Strukturen des Rückens und Beckens gesucht werden, sondern mittels gründlicher Untersuchung der Muskeln und Faszien auch in entfernteren Körperregionen. Myofasziale Triggerpunkte verursachen typischerweise Schmerzen und „nervenartige“ Beschwerden, die zum Beispiel in Bein und Becken ausstrahlen können.

Triggerpunkte können Nerven- und Gelenkschmerzen imitieren

In den meisten Fällen kann der erfahrene Untersucher durch die gezielte Stimulation der myofaszialen Triggerpunkte die Beschwerden des Patienten reproduzieren. Diese Triggerpunkte sind Verkürzungen und Verklebungen der Faszien und Muskeln, die eine unphysiologische Eigenaktivität und Beschwerden verursachen.

Daraus entwickeln sich Fehlfunktionen der Gelenke und der „Gegenspieler-Muskeln“ des Rückens, des vorderen Rumpfes und des Beckens. Das Verständnis dieser anatomischen und funktionellen Zusammenhänge ist für die medizinische Therapie sehr bedeutend.
     

Bei der Untersuchung der tiefen Gesäßmuskeln finden sich oft Triggerpunkte, die sich wie ein „Ischias-Schmerz“ im Bein ausbreiten können.

Eine herausragende Bedeutung hat der Iliopsoas-Muskel, da er nämlich an der Vorderseite der fünf Lendenwirbelkörper ansetzt und bei Verkürzung durch Triggerpunkte die Wirbelkörper in eine Fehlposition ziehen kann. Nach Meinung von Experten kommt dieses gerade bei andauernden Rücken- und Hüft- sowie Leistenschmerzen häufig vor.

Was man tun kann

Entgegen der Meinung, dass der Patient den Muskel „kräftigen“ sollte, ist die Auffassung der Experten, zunächst den erhöhten Muskeltonus über eine qualifizierte Triggerpunkt-Therapie zu senken. Der Patient kann dieses mit schmerzfreien Aktivitäten und Dehnübungen unterstützen. Diese Dehnungen (zum Beispiel „Anspannungs-Entspannungs-Dehnen“) sollten gezielt erlernt werden.

In der Regel werden die Triggerpunkte des gesamten Rumpfes, also vorder- und rückseitig, gemeinsam in einem koordinierten Therapieprogramm von qualifizierten Ärzten/innen und Physiotherapeuten/innen behandelt. Als elegantes Verfahren gilt die fokussierte Stoßwellen-Therapie (ESWT), da hierbei auch die tiefen myofaszialen Triggerpunkte (zum Beispiel im Musculus iliopsoas) exakt behandelt werden. Sehr hilfreich für die Diagnostik und die Therapie ist hierbei auch die Rückmeldung des Patienten, der durch die exakte Anwendung der ESWT seinen Schmerz wiedererkennt.

Der höchste Standard für die Triggerpunkt-Therapie ist von den deutschen und schweizerischen Fachgesellschaften MGMS (Medizinische Gesellschaft für Myofasziale Schmerzen) und IMTT (Interessengemeinschaft für Myofasziale Triggerpunkt Therapie) erarbeitet worden und seit vielen Jahrzehnten etabliert. Für die Stoßwellen-Anwendung ist die Ausbildung der ärztlichen Stoßwellenanwender mit der Fachkunde Stoßwellentherapie von der deutschsprachigen ESWT-Fachgesellschaft DIGEST international der anerkannteste Standard. Dr. Hannes Müller-Ehrenberg

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.digest-ev.de und unter www.mgms-ev.de.

Myofasziale Triggerpunkte

    
Der menschliche Körper besteht zu rund 40 Prozent aus Muskeln und Faszien. Dieses sogenannte myofasziale Gewebe, das Bewegung erst ermöglicht, ist mit Nerven sehr gut versorgt und kann somit auch Schmerzen verursachen. Eine Beteiligung dieser Strukturen ist bei den meisten Erkrankungen des Bewegungsapparates häufig. Mit dem Wort „Trigger“ bezeichnet man eigentlich einen Auslöser, im medizinischen Sinne einen Verursacher von Schmerzen – in diesem Fall – lokale Verhärtungen in Muskeln und Faszien. Diese myofaszialen Triggerpunkte führen nicht nur zu einer Mangelversorgung mit Blut und Nährstoffen, unter anderem durch „Mikrovernarbungen“, sondern auch zu einer gestörten Muskelfunktion. Typischerweise verursachen Triggerpunkte sowohl einen lokalen Schmerz, als auch Beschwerden, die ausstrahlen und oft als Gelenk- oder sogar Nervenschmerzen empfunden werden.