Sonderveröffentlichung

Berufswahl 2018
Dreckige Finger gehören dazu

Zwei Azubis erzählen von ihrem Traumberuf

Montag, 17.09.2018, 12:35 Uhr

In Teilzeit geht auch: Kerstin Müller mit Tochter Christina und den (Groß-) Eltern Silvia und Peter W. Müller. Fotos: Handwerkskammer
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Ihre Karrieren könnten unterschiedlicher nicht sein. Doch die Junghandwerker aus dem Münsterland haben eins gemeinsam: Kerstin Müller (31) und Sebastian Kemner (22) haben ihre berufliche Erfüllung im Handwerk gefunden, mal direkt, mal über Umwege.

Kerstin Müller ist Auszubildende zur Kfz-Mechatronikerin und Mutter einer Tochter. Sie erzählt: „Bereits als Jugendliche habe ich mit meinem Vater an Autos geschraubt und mich im Schülerpraktikum für diesen Beruf begeistert. Trotzdem ging ich nach der Mittestufe auf ein Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung.

Erst nach der Geburt meines Kindes und der Elternzeit habe ich meinen Traumberuf weiterverfolgt.“ Sie begann eine Lehre in einem Autohaus – wie üblich in Vollzeit. „Aber es war schwierig, Beruf und Familie zu vereinbaren. Ich musste immer einen Spagat zwischen Ausbildung und Kind machen“, erzählt die junge Mutter.
Sebastian Kemner hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Der Mountainbike-Fahrer macht eine Ausbildung zum Zweiradmechatroniker.
Sebastian Kemner hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Der Mountainbike-Fahrer macht eine Ausbildung zum Zweiradmechatroniker.
Dann bekam sie die Möglichkeit, die Ausbildung in Teilzeit fortzusetzen. „Seitdem kann ich die Lehre entspannter angehen und mich in der Werkstatt besser konzentrieren – und ich habe mehr Zeit für meine Tochter.“

Und was schätzt sie besonders an ihrem Beruf: „Ich kann unmittelbar sehen, was ich mit meinen Händen mache. Dreckige Finger sind für mich dabei überhaupt kein Problem.“

Fahrräder reparieren, bauen oder herstellen und Kunden beraten – so sieht der berufliche Alltag von Sebastian Kemner aus. Der 22-Jährige ist angehender Zweiradmechatroniker, Schwerpunkt Fahrradtechnik. „Nach meinem Schulabschluss wollte ich auf jeden Fall etwas Praktisches machen. Der weitere Schulbesuch wäre nichts für mich gewesen. Ich habe mich deshalb auf das Handwerk konzentriert und gleich mehrere Berufe ausprobiert“, erzählt Sebastian. In der Fahrradtechnik arbeitet er nun in dem Bereich, „den ich schon als Schüler zum Hobby hatte“. Als Mountainbike-Fahrer hat er schon vor der Ausbildung zusammen mit Freunden viel an Fahrrädern geschraubt. „Ich habe damals vieles von dem gelernt, was ich heute täglich gebrauchen kann.“

In Informationen über die Ausbildungsberufe im Handwerk stehen auf der Webseite www.handwerk.de. Bei Fragen stehen auch die Ausbildungsvermittler der Handwerkskammer Münster unter ' 02 51/7 05 17 71 zur Verfügung. Die Handwerkskammer bietet eine Online-Lehrstellenbörse mit vielen freien Praktikums- und Ausbildungsplätzen in der Region an: www.lehrstellenboerse-handwerk.de

Kraftfahrzeugmechatroniker

Kraftfahrzeugmechatroniker/innen mit dem Schwerpunkt Personenkraftwagentechnik warten Fahrzeuge, die zur Beförderung von maximal neun Personen bestimmt sind. Sie prüfen die fahrzeugtechnischen Systeme, führen Reparaturen aus und rüsten die Fahrzeuge mit Zusatzeinrichtungen, Sonderausstattungen und Zubehörteilen aus. Die Ausbildung dauert 3,5 Jahre.

Kraftfahrzeugmechatroniker/innen mit dem Schwerpunkt Personenkraftwagentechnik werden in Reparaturwerkstätten und bei Herstellern von Kraftwagen beschäftigt.

Keine halbe Sache

Teilzeitberufsausbildung
Sie sind meist um die 25 Jahre jung, gut organisiert und noch besser motiviert: Frauen, die wegen einer Mutterschaft eine Ausbildung abgebrochen oder erst gar nicht begonnen haben.

Jetzt wäre es Zeit, Versäumtes nachzuholen, um auf eigenen Beinen stehen zu können. Nur: Mit kleinen Kindern ist eine Vollzeit-Berufsausbildung meist nicht machbar. Für dieses Problem gibt es eine Lösung – eine Ausbildung in Teilzeit. Diese Möglichkeit ist jedoch noch nicht überall bekannt.

„Teilzeitausbildung ist aber keine halbe Sache“, erklärt Gabriele Lange, Beauftragte für Chancengleichheit der Agentur für Arbeit Rheine. In der Regel seien die Auszubildenden nicht die Hälfte, sondern etwa zwei Drittel der Arbeitszeit im Betrieb. Die Berufsschule werde immer in Vollzeit absolviert.

Nicht alle Betriebe kennen dieses Modell. Die Agentur für Arbeit und die Jobcenter stehen den jungen Frauen hilfreich zur Seite und unterstützen sie, einen Ausbildungsbetrieb zu finden, der ihnen diesen wichtigen Schritt in ein selbstständiges Leben ermöglicht.

„Eine Ausbildung in Teilzeit erfordert eine Portion Kompromissbereitschaft – sowohl von den Azubis als auch von den Betrieben“, erklärt Gabriele Lange. „Wichtig ist, miteinander über Erwartungen und Bedürfnisse zu sprechen, gerade was Arbeitszeiten angeht, denn da müssen Kinderbetreuung und Ausbildung koordiniert werden.“ Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass die jungen Frauen sehr schnell in ihre Ausbildung finden und ihr Potenzial entfalten – ein lohnender Schritt also, sowohl für die betroffenen Frauen als auch für Unternehmen, die junge Nachwuchskräfte brauchen.

Informationen erhalten interessierte Frauen bei der Agentur für Arbeit oder unter www.arbeitsagentur.de.

Zweiradmechatroniker

Zweiradmechatroniker/innen der Fachrichtung Fahrradtechnik warten und reparieren Fahrräder, bauen sie um oder stellen sie her. Außerdem beraten sie Kunden und verkaufen Fahrräder und Zubehör. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre. Zweiradmechatroniker/innen werden in Betrieben, die Fahrräder herstellen oder reparieren, im Einzelhandel mit Fahrrädern und Zubehör und im Fahrradverleih beschäftigt.

Mehr Abschlüsse in der Regelstudienzeit

Studenten schaffen ihr Studium immer öfter in der Regelstudienzeit. Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) erklärt, dass besonders an Universitäten die Anzahl der Abschlüsse in angemessenem Zeitraum, also Regelstudienzeit plus maximal zwei Semestern, deutlich gestiegen ist. Hierfür wurden Daten aus dem Erhebungszeitraum 2003 bis 2005 denen von 2015 bis 2017 gegenübergestellt.

Am deutlichsten sind Erfolge in den Fächern Mathematik und Erziehungswissenschaft sowie Bau- und Umweltingenieurwesen zu sehen. (dpa)

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