Sonderveröffentlichung

Ein feiner Unterschied

Qual der Wahl: Soll ich an die Uni oder die Fachhochschule gehen?

Montag, 30.09.2019, 16:55 Uhr

FH oder Uni? Ein wesentlicher Unterschied liegt im Gegenüber von Theorie und Praxis. Unis werden außerdem durchschnittlich von 30 000 Studierenden besucht – FHs von nur etwa 3000 bis 10 000 Studierenden. Foto: dpa
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Hannover oder Eichstätt, Potsdam oder Mannheim? Den Bachelor in Betriebswirtschaftslehre bieten sowohl zahlreiche Fachhochschulen als auch Universitäten an. Welche Kriterien helfen, wenn sich Studierende entscheiden müssen?

„Bevor man sich überlegt, welcher Hochschultyp am besten zu einem passt, sollte man sich ganz klar werden, welches Fach man studieren will“, erklärt Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk. Denn für manche Fächer kommt ohnehin nur ein Hochschultyp infrage. Medizin, Jura, Psychologie und die klassischen Geisteswissenschaften wie zum Beispiel Theologie und Geschichte und auch die meisten ins Lehramt führenden Studienangebote werden zum Beispiel nur an Universitäten angeboten.

Die Fachhochschulen hingegen haben ihr Angebot in den vergangenen Jahren stetig ausgebaut. „Die FHs haben verstärkt fachlich sehr spezialisiert ausgerichtete Studienrichtungen in ihr Angebot aufgenommen“, sagt Studienberater Wolfgang Loggen. Die Wahl für einen nischigen Studiengang kann somit automatisch den Weg an eine Fachhochschule vorzeichnen.

Wer sich aber für ein Angebot entscheidet, das sowohl an Fachhochschulen als auch an Universitäten verfügbar ist, sollte sich zunächst fragen, welcher Lern- und Wissenstyp er ist. „Will man die Grundlagen eines komplexen Wissensgebiets verstehen, will ich mir selber theoretische Fragen stellen darüber, was ich lerne, oder möchte ich mir eher Wissen und Fertigkeiten aneignen, die für den Arbeitsmarkt und ein klar umrissenes Berufsbild wichtig sind?“, erläutert Grob.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen den beiden Hochschularten liegt damit im Gegenüber von Theorie und Praxis. Studiengänge an der Uni sind in der Regel stärker auf die Vermittlung der Grundlagen ausgerichtet, bei der wissenschaftlichen Arbeit stehen vorwiegend abstrakte Themen im Fokus. Fachhochschulen dagegen haben noch immer eine stärker praxisorientierte Herangehensweise.

Der Vorteil eines Studiums an der FH: Viele dieser Hochschulen arbeiten mit Unternehmen zusammen. Studierende können dort Praktika absolvieren, nach dem Abschluss bieten sich nicht selten Perspektiven für den Berufseinstieg. Die Entscheidung für die Universität würden aber viele angehende Studierende treffen, weil sie sich sehr stark für die Theorie hinter der Technik interessieren, so Loggen.

Ein weiterer wesentlicher Unterschied liegt in den Studierendenzahlen. Universitäten werden durchschnittlich von 30 000 Studierenden besucht – dem gegenüber stehen Fachhochschulen mit etwa 3000 bis 10 000 Studierenden. Das bekommen sie mitunter bei der Betreuung zu spüren. „An Unis übernehmen meist die wissenschaftlichen Mitarbeiter die direkte Betreuung der Studierenden“, erklärt Möller. An FHs dagegen fällt das oftmals in den Aufgabenbereich der Professorinnen und Professoren selbst.

Auch die Zugangsvoraussetzungen für ein Studium an Uni oder FH unterscheiden sich. Während an der Uni in der Regel das Abitur erforderlich ist, benötigen angehende Studierende an einer Fachhochschule mindestens die Fachhochschulreife. Allerdings gibt es Möglichkeiten, wie etwa den Realschulabschluss mit einer Ausbildung oder ähnlichen praktischen Erfahrungen zu kombinieren und damit die Hochschulzugangsberechtigung zu erhalten.

Und wie sieht es mit dem Abschluss aus? Haben FH- und Uni-Absolventen ähnliche Chancen auf dem Arbeitsmarkt? Beide Hochschultypen haben ein einheitliches Kreditpunktesystem: das so genannte ECTS (European Credit Transfer System). Somit sind die Abschlüsse faktisch als gleichwertig anzusehen.

Am Ende kommt es jedoch meist auf die genaue Ausschreibung der Arbeitsstelle an, ob eher ein FH- oder ein Uni-Absolvent gesucht ist. Für eine Position, in der eine größere, praktische Vorerfahrung nötig ist, hätten Fachhochschulabsolventen vermutlich einen Vorteil. Bei einer Stelle, in der komplexe, theoretische Aufgaben bewältigt werden sollen, könnte ein Universitätsabsolvent dem Unternehmen unter Umständen besser geeignet erscheinen. (dpa)

Eltern unterstützen Studienwahl

Fast jeder achte angehende Student hat sich mit seinen Eltern beraten. Foto: lightpoet/ Fotolia
Fast jeder achte angehende Student hat sich mit seinen Eltern beraten. Foto: lightpoet/ Fotolia
Ein Großteil der angehenden Studierenden in Deutschland tauscht sich bei der Wahl eines Studiums mit den Eltern aus. Das hat das Marktforschungsinstitut Respondi in einer repräsentativen Umfrage herausgefunden. Fast acht von zehn Jugendlichen (78 Prozent) gaben darin an, dass ihre Eltern sie zum Studienwunsch beraten haben.

Dabei sind Eltern und Nachwuchs oft auf einer Linie: 85 Prozent der Jugendlichen fühlen sich von den Eltern bei ihrer Wahl unterstützt. Nahezu ebenso viele (84 Prozent) erhielten von ihren Eltern den Rat, etwas zu studieren, das den eigenen Interessen entspricht. Dagegen sagte nur jeder Zehnte (10 Prozent), dass die Eltern es vorziehen würden, wenn der Nachwuchs eine Ausbildung macht.

Für die Umfrage im Auftrag der privaten Hochschule University of Applied Sciences Europe wurden im April 2019 jeweils mehr als 1000 Eltern und Abiturienten beziehungsweise Studienanfänger befragt. (dpa)

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