Sonderveröffentlichung

Wie man mit der Enttäuschung umgehen kann, dass Weihnachten in diesem Jahr nicht so wird wie gewünscht

Ein schönes schönes Fest – trotz allem

Das Positive sehen, das rät Professorin Dr. Carmen Binnewies von der Uni Münster. Foto: Colourbox.com

4.12.2020

In diesem Jahr ist alles anders. Die Adventszeit und Weihnachten machen dabei natürlich keine Ausnahme. Kein gemeinsames Glühweintrinken auf dem Weihnachtsmarkt, keine Feier mit Kollegen oder Freunden – und die Festtage selbst gestalten sich auch anders als in der Vergangenheit.

Wie kann mit der Enttäuschung, dass Weihnachten in diesem Jahr nicht so wie gewünscht stattfinden kann, umgegangen werden? „Es ist wichtig, sich selbst bewusst zu machen, dass Enttäuschung viel mit der eigenen Erwartungshaltung zu tun hat“, erklärt Professor Dr. Carmen Binnewies. „Man sollte sich rechtzeitig damit auseinandersetzten, dass die Feiertage in diesem Jahr anders aussehen werden“, ergänzt die Leiterin der Arbeitseinheit Arbeitspsychologie des Instituts für Psychologie der Westfälischen Wilhelms Universität Münster (WWU). Ihr Tipp: Sich rechtzeitig zu überlegen, wie die Advents- und Weihnachtszeit positiv gestaltet werden kann und sich nicht auf den Verlust zu konzentrieren, sondern auf mögliche Vorteile. Beispielsweise würden Fahrten in vollen Zügen, lange Anreisen zu Verwandten entfallen und dadurch mehr Ruhe und Entspannung während der Festtage bleiben. Anstelle dessen könne man auf neue Kommunikationsformen setzen. Vielleicht einmal ein ausgiebiges Telefonat oder ein Video-Anruf? Ein langer Spaziergang in kleiner Runde?

Dass wir die Traditionen der vergangenen Jahre vermissen, sei dabei verständlich. Schließlich sei es menschlich, die Vergangenheit im Rückblick im positiven Lichte zu sehen. Außerdem seien Traditionen ritualisierte Routine und geben dadurch Halt und Sicherheit. „Es ist in Ordnung, seinen Gefühlen Raum zu geben und traurig zu sein, wenn Weihnachten nicht wie gewünscht stattfindet. Aber man sollte nicht verharren, sondern den nächsten Schritt gehen“, rät Binnewies. Man könne zum Beispiel in diesem Jahr bewusst etwas Neues ausprobieren – und so gegebenenfalls eine neue Tradition ins Leben rufen. „Das ist oft besser, als das Alte und Bekannte anders zu gestalten“, so ihre Überzeugung.

Um Konflikte an Weihnachten zu vermeiden, sollten Wünsche und Ideen direkt angesprochen werden. „Man sollte rechtzeitig überlegen, wie viel Freiraum man braucht und wo es möglich ist, diesen zu bekommen“, so Carmen Binnewies.

Für die Adventszeit rät sie, sich eine Liste zu machen mit Sachen, die man auf jeden Fall erledigen wolle (und müsse) und diese dann nach und nach abzuarbeiten. So habe man immer wieder kleine Highlights, auf die man sich freue. Dazu könne etwa das Plätzchenbacken gehören oder einen weihnachtlichen Film anschauen, die Lichterkette aufhängen oder das Haus schmücken. Von Jenny Hagedorn