Sonderveröffentlichung

Neue Josefkirche verbindet spirituellen Raum und Gemeindezentrum

Architektur für eine Zeitenwende

Die Fenster (kl. Bild oben l.) und die Rosette (kl. Bild unten l.) stammen aus der alten Josefkirche und schaffen so eine Verbindung zwischen Alt und Neu.

10.10.2020

Toll“. Für Manfred Frericks vom Büro f4 architekten in Münster war dieses Projekt etwas ganz Besonderes. „Den Raum der Kirche mit den liturgischen Elementen zu gestalten – das hat tierisch Spaß gemacht.“  

Eine Kirche für eine katholische Gemeinde zu bauen, das kommt in einem Architektenleben selten vor. 2012 hat Bischof Dr. Felix Genn in Friesland „St. Marien“ eingeweiht, eine Kirche am Meer nach Plänen der Kölner Architekten Königs. An diesem Wochenende kommt der Bischof nach Greven, um die neue Josefkirche einzuweihen, die gleich in mehrfacher Hinsicht einen Neuanfang signalisiert.

Die neue Kirche tritt an die Stelle der alten St. Josefkirche, die aus den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts stammt. Damals gab es – auch durch das starke Wachstum der bundesdeutschen Bevölkerung infolge millionenfachen Zustroms von Heimatvertriebenen und Ost-Flüchtlingen – eine bauliche Expansion im Raum der Kirche. Es entstanden, oft mit materieller und praktischer Hilfe der Gemeindemitglieder, große neue Kirchen. In Greven neben der Josef- auch die Marienkirche.

60 Jahre danach sieht die Situation anders aus. Die Gottesdienstbesuche gehen zurück, die großen Räume sind nur an hohen Festtagen gut gefüllt. In St. Josef machten alleine die hohen Energiekosten den Gemeindeverantwortlichen Kopfzerbrechen.

Der Innenraum der neuen Kirche. Fotos: Jan-Philipp Jenke
Der Innenraum der neuen Kirche. Fotos: Jan-Philipp Jenke

Während viele dieser 50er-Jahre-Kirchen heute geschlossen oder umgewidmet wurden, gelang es, für den Josef-Standort ein innovatives Konzept zu entwickeln, das eine moderne, variable Kirche mit einem angeschlossenen Gemeindezentrum verbindet. Dass damit eine Zeitenwende eingeläutet werden soll, macht das Motto des Eröffnungswochenendes deutlich: Josef 2.0.

Nicht verschweigen sollte man, dass unter traditionell gesinnten Gemeindemitgliedern die Kritik an Abriss und Neubau am St. Josef-Standort über Jahre nicht abriss. Einerseits war es die Befürchtung, im neuen Gewand nur ein „Kirchlein“ oder eine „Friedhofskapelle“ zu bekommen. Andererseits wurde das Kostenargument ins Feld geführt. In Zeiten der Krise stehe es der Kirche nicht gut zu Gesicht, Millionen für ein neues Gotteshaus auszugeben.

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Für Pfarrer Klaus Lunemann zählen allerdings andere Argumente. Einerseits habe die Gemeinde hier die seltene Gelegenheit gehabt, etwas ganz Neues anzufangen. Andererseits stehe die Funktion und Architektur der neuen Kirche auch für eine moderne Auffassung von Gemeindeleben: Der Kirchraum öffnet sich mit großen Fenstern zu beiden Seiten. Er kann in zwei Schritten durch die Hinzunahme von Räumen des Gemeindezentrums erweitert werden. Und zwischen Gemeindeleben und spirituellem Leben gibt es eine enge Verbindung.

Auch Altes wurde übernommen, etwa die sandsteinerne Josef-Gruppe, die über dem Haupteingang der alten Kirche gehangen hat. Günter Benning