Sonderveröffentlichung

750 Jahre Stadtrechte für Horstmar
Fehden und Lösegelder

Graf Friedrich von Rietberg bezahlte mit Horstmar seine Freilassung

Donnerstag, 23.05.2019, 12:53 Uhr

Das Horstmarer Rathaus hat viel der Horstmarer Stadtgeschichte miterlebt–schon 1571 wurde das einstöckige Grundgebäude mit dem Fachwerkobergeschoss aufgestockt.
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Am 27. Januar 1269 wurde Graf Friedrich von Rietberg (und Horstmar) aus dem Gefängnis des Fürstbischofs Gerhard von Münster entlassen. Wie es damals üblich war gegen ein hohes Lösegeld, umgerechnet etwa 27 Kilogramm Silber. So viel Geld hatte der Graf freilich nicht, also zahlte er mit seinem Besitz: Burg und Herrschaft Horstmar mit allem Grundbesitz einschließlich der Vasallen, Dienstmannen und Hörigen.

Dass es so weit kam, wäre einer „Game of Thrones“-Folge würdig: Seit 1262 gab es Scharmützel und Fehden, weil der frisch ernannte Erzbischof von Köln Engelbert II. von Falkenburg die Stadt und den Niederrhein unter seine Kontrolle bringen wollte. Dafür sammelten er und sein Gegner Graf Wilhelm IV. von Jülich Adlige aus der ganzen Umgebung zwischen Sauerland und Osnabrück um sich.

Am 18. Oktober 1267 kam es zur Entscheidungsschlacht, die als „Große Ritterschlacht bei Zülpich“ in die Geschichte einging. Aus ihr ging Graf Wilhelm als Sieger heraus, zu dessen Unterstützern unter anderem der Fürstbischof von Münster gehörte. Verlierer Engelbert und seine Anhänger, zu denen auch Edelherr Baldwin II. von Steinfurt gehörte, wurden gefangen genommen–eben auch Friedrich von Rietberg und Horstmar.

Nachdem der sich zwei Jahre später freikaufen durfte, schenkte Graf Wilhelm die Burg Horstmar samt allem Drum und Dran dem Fürstbischof Gerhard von Münster – als Dank für dessen Unterstützung.

Der sorgte umgehend dafür, dass sein neuer Besitz aufblüht und verlieh ihm das Stadtrecht, das das Recht zur Selbstverwaltung, zum Bau von Wällen und Gräben, ein eigenes Stadtgericht und ein Marktrecht beinhaltete.

Über 500 Jahre blieb Horstmar im Besitz der münsterischen Fürstbischöfe, erst 1803 fiel es nach einem Beschluss auf dem Reichstag zu Regensburg an die Grafen zu Salm-Grumbach, die sich später in Salm-Horstmar umbenannten. Nur fünf Jahre später befreite Napoleon die Horstmarer von ihrem Lehensherrn, 1815 übernahm König Friedrich Wilhelm III. von Preußen die Grafschaft Horstmar, die dann als preußisches Amt dem frisch gegründeten Kreis Steinfurt zugeordnet wurde.

1969, also vor genau 50 Jahren, schlossen sich die Gemeinde Leer und die Stadt Horstmar zusammen.
   
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