Sonderveröffentlichung

Engpasssyndrome der Halswirbelsäule

Dem Verschleiß geschuldet

Bandscheibenentfernung und Versteifung mittels Zwischenwirbelimplantat. Foto: St. Franziskus-Hospital Münster

9.03.2021
Wellness Oase

Die Halswirbelsäule (HWS) bildet den wohl komplexesten Teil der Wirbelsäule. Im Vergleich zu den übrigen Wirbelsäulenabschnitten zeigt sie die größte Beweglichkeit.

Aufgrund der unzähligen täglichen Bewegungen können somit verschleißbedingte Veränderungen zu einer sehr großen Belastung und Einschränkung führen. Die meisten Beschwerden an der Halswirbelsäule werden durch Bandscheibenvorfälle, Engen des Spinalkanals oder der Nervenwurzelkanäle verursacht. Die Symptome sind vielfältig (siehe Kasten).

Die Behandlungsmöglichkeiten erstrecken sich von rein konservativen Maßnahmen bis hin zu hochkomplexen, rekonstruktiven und versteifenden Operationen. Die Wahl der Therapieoptionen erfolgt nach umfänglicher klinischer und apparativer Diagnostik. Im Idealfall besteht diese aus MRT und Röntgendiagnostik inklusive Funktionsaufnahmen.


»Die häufigste Operation an der HWS ist die Bandscheibenentfernung und Versteifung mittels Zwischenwirbelimplantat.«

Dr. Marc Schneider


Zunächst sollte immer eine nicht operative Therapie im Vordergrund stehen, solange durch eine Verzögerung der operativen Therapie kein größerer Schaden zu erwarten ist. Hier sind physikalische Maßnahmen wie Wärmeanwendungen und physiotherapeutische Behandlungen als Beispiel zu nennen. Sollte so keine ausreichende Beschwerdelinderung zum Beispiel gezielte Injektionen die Therapie unterstützen.

Helios Klinik Lengerich

Bei unzureichendem Ansprechen auf die konservativen Maßnahmen sind bei entsprechender Indikation operative Verfahren zu diskutieren. Diese erstrecken sich von einer reinen Dekompression, also der Freilegung von Nervenstrukturen, über bewegungserhaltende Eingriffe wie zum Beispiel Bandscheibenprothesen bis hin zu versteifenden Operationen. Ziel sollte immer sein, so viel wie nötig aber so wenig wie möglich zu operieren.
     

Korporektomie: Teilweise oder komplette Entfernung eines Wirbelkörpers. Foto: St. Franziskus
Korporektomie: Teilweise oder komplette Entfernung eines Wirbelkörpers. Foto: St. Franziskus

Die häufigste Operation an der HWS ist die Bandscheibenentfernung und Versteifung mittels Zwischenwirbelimplantat – einem sogenannten Cage. Im Zuge dieser Operation ist es in der Regel gut möglich, die seitlichen Nervenwurzelkanäle und den zentralen Spinalkanal zu erweitern. In einigen Fällen ist alternativ hierzu das Einsetzen einer Bandscheibenprothese möglich. Dieses Verfahren soll neben einem Bewegungserhalt, einen Verschleiß der umliegenden Bandscheiben verzögern. Voraussetzung ist jedoch, dass ein isolierter Bandscheibenschaden ohne Instabilität oder einem höhergradigen Verschleiß der Zwischenwirbelgelenke, vorliegt.

Bei ausgeprägten Veränderungen oder Engen kann es notwendig werden, einen Teil oder sogar einen kompletten Wirbelkörper zu entfernen und mit größeren Ersatzimplantaten zu rekonstruieren. Diese komplexen Eingriffe sind aber sehr selten.

Bei richtiger Indikationsstellung können viele gute bis sehr gute Ergebnisse erzielt werden. Man darf jedoch nie außer Acht lassen, dass diese Eingriffe eine „Reparatur“ darstellen und somit eine vollständige Beschwerdefreiheit nicht garantiert werden kann.

Zusammenfassend ist die Wahl der richtigen Therapie abhängig vom Beschwerdebild, von der Beschwerdedauer, von den klinischen und bildgebenden Befunden und nicht zuletzt vom Therapiewunsch des Patienten. Bei sorgfältigem Vorgehen kann in der Regel eine deutliche Erhöhung der Lebensqualität und die Vermeidung von größeren Folgeschäden erreicht werden.

Dr. Marc Schneider, St. Franziskus-Hospital Münster

Beschwerden an der Halswirbelsäule

► Kommt es zu einer Reizung der austretenden Nervenwurzeln, entsteht in der Regel ein in den Arm ausstrahlender Schmerz, welcher sich entlang des versorgenden Nerven erstreckt.

► Ist der zentrale Spinalkanal verengt, findet man häufig in den fortgeschrittenen Stadien Koordinationsstörungen mit unsicherem Gangbild oder feinmotorischer Störungen der Hände als Ausdruck eines chronischen Druckschadens des Rückenmarks.

► Beim Verschleiß von Bandscheiben oder den Zwischenwirbelgelenken ist oft der Nackenschmerz oder aufsteigende Kopfschmerz das Hauptsymptom.