Sonderveröffentlichung

Sprechstunde Rücken
Gefäßmissbildung sorgt für Blutung im Wirbelkanal

Knapp der Querschnittslähmung entgangen

Dienstag, 12.03.2019, 12:21 Uhr

Monika Kolbeck (l.) und Prof. Dr. Uta Schick freuen sich über den Erfolg der Operation Foto: Clemenshospital
Fast jeder dritte Erwachsene leidet zeitweise oder ständig unter Rückenschmerzen, diese Volkskrankheit gehört zu den häufigsten Gründen für eine Krankschreibung. Meistens sind Verspannungen, Wirbelblockaden, Osteoporose oder ein Bandscheibenvorfall die Ursache. Bei Monika Kolbeck sah die Sache jedoch anders aus. Ihr Orthopäde hatte glücklicherweise den richtigen „Riecher“ und der Patientin kein Schmerzmittel in den betroffenen Bereich gespritzt, obwohl sie Schmerzen hatte – „wie noch nie in meinem Leben!“, wie sie sagt. Die pensionierte Realschullehrerin hatte ein Kavernom im Wirbelkanal, eine Fehlbildung der Blutgefäße, das akut geblutet hatte. Ihre Radiologin erkannte im Magnetresonanztomographen (MRT) die Blutung und sogleich den Ernst der Lage und schickte die 66-Jährige sofort ins Clemenshospital. „Das Kavernom sieht aus wie eine Brombeere“, erklärt Professor Dr. Uta Schick, Chefärztin der Klinik für Neurochirurgie am Clemenshospital und stellt klar, dass mit diesem „Früchtchen“ nicht zu spaßen ist: „Wenn Kavernome in das Rückenmark ein bluten, kann es zur Querschnittslähmung kommen.“ Im Clemenshospital wurde die Altenbergerin mit einem MRT der neuesten Generation untersucht, der in der Lage ist, Blutgefäße darzustellen (Angio-MRT). Den Experten war sofort klar, dass schnell gehandelt werden musste.


»Wenn Kavernome in das Rückenmark einbluten, kann es zur Querschnittslähmung kommen.«

Professor Dr. Uta Schick, Clemenshospital

Während einer dreistündigen Operation entfernte die Neurochirurgin das Kavernom aus dem Rückenmarkskanal unter ständiger Überwachung der sensiblen und motorischen Nervenbahnen (elektrophysiologisches Neuromonitoring). Nach dem Eingriff waren sowohl das Kavernom als auch die Schmerzen verschwunden. Zwei Tage musste Marion Kolbeck im Bett verbringen, dann begann die Physiotherapie und bereits eine knappe Woche nach dem Eingriff merkt man ihr kaum noch an, dass sie knapp einer Querschnittslähmung entgangen ist. „Ich bin so dankbar“, freut sich die Seniorin über den Erfolg der Operation.

Der Chefärztin ist es wichtig, dass ihre niedergelassenen Kollegen bei akuten, ungewöhnlich starken Rückenschmerzen auch die Möglichkeit einer Blutung in Betracht ziehen – so wie der Orthopäde von Marion Kolbeck. (pm)

Schuhhaus Niermann


Hilfe bei verhärteter Muskulatur

Der „rätselhafte“ Rückenschmerz
Sie haben starke Rückenschmerzen, aber niemand kann Ihnen die Ursache erklären? Auch Röntgenbilder und MRT (Magnetresonanztomographie, ein bildgebendes Verfahren, das zur Darstellung von Struktur und Funktion der Gewebe und Organe im Körper eingesetzt wird) geben keinen eindeutigen Hinweis? Das ist keine Seltenheit – nicht zu jedem Rückenschmerz gibt die Bildgebung die passende Erklärung. Der Schmerz ist aber da! Wieso?

Oft sind es Ihre Muskeln, die den Rückenschmerz erzeugen. Und das ist weder auf Röntgenbildern, noch in der MRT zu sehen. Unsere Alltagsbelastung überfordert die Muskulatur. Unsere Muskeln reagieren, indem sie sich verspannen und dadurch Schmerzen produzieren. Diese Verspannung wird im medizinischen Bereich „Myogelose“ genannt und heißt so viel wie Muskelhärte. Es handelt sich um eine tastbare und meist sehr druckschmerzhafte Verdickung (oft als Knoten fühlbar) mit kontraktilen Muskelbündeln. Schaut man sich diese sogenannten „Myogelosen“ unter dem Mikroskop an, können sogar strukturelle Veränderungen nachgewiesen werden. Die Folge: eine Minderdurchblutung des Muskelbereiches mit lokalen Stoffwechselveränderungen und chronischen Schmerzen.

Ist die Muskulatur erst einmal bis in die Tiefe verhärtet, bleibt der Schmerz – manchmal jahrelang. Aber es gibt wirksame Therapien: Neben Injektionen, Massagen, Stoßwellentherapie und der klassischen Akupunktur kann das „Dry Needling“ Linderung verschaffen: Zuerst erfolgt eine gründliche körperliche Untersuchung mit Abtasten der infrage kommenden Muskulatur. Dabei wird der bekannte Schmerz durch Druck auf einen Triggerpunkt provoziert. Mit einer Akupunkturnadel wird der schmerzhafte Muskelstrang fächerförmig mehrfach gereizt. So lösen sich die myofaszialen Triggerpunkte, wobei der Muskel oft eine lokale Zuckungsreaktion zeigt – kurz darauf lassen Spannung und Schmerzen in der Regel nach.

Weitere Einsatzgebiete des „Dry Needlings“ sind Nackenprobleme, Kopfschmerzen, Schulterbeschwerden, Tennis- oder Golferarm und auch Ober- und Unterschenkelschmerzen. Dr. Damaris Essing

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