Sonderveröffentlichung

Neue Therapieoption beim Hautlymphom: „Endlich wieder Lust aufs Leben“

Linderung dank Studie

Im direkten Vergleich mit einer alten Aufnahme ihrer Hand wird der Behandlungserfolg sichtbar: Privat-Dozent Dr. Carsten Weishaupt und Maria Hermann. Foto: UKM/Fotozentrale/Wibberg

20.04.2021

Die Haut ist das größte Organ des Menschen – kommt es wie bei Maria Hermann zu großflächigen Entzündungsreaktionen mit starkem Juckreiz, Brennen und unzähligen wunden, rissigen Stellen, ist der Leidensdruck hoch. „An Hautkrebs habe ich dabei aber nicht gedacht“, erinnert sich die 69-Jährige aus Dülmen. Doch als ihr Hausarzt sie 2011 an das Hauttumorzentrum des UKM (Universitätsklinikum Münster) überwies, stand die Diagnose „Hautlymphom“ bereits nach kurzer Zeit fest. Dank der Antikörper-Therapie mit einem neuen Medikament fühlt sich Maria Hermann heute endlich wieder wohl in ihrer Haut.

„Hautkrebs zählt mit weit mehr als 200000 Neuerkrankungen pro Jahr zu den häufigsten Krebsarten in Deutschland“, sagt Privat-Dozent Dr. Carsten Weishaupt, Leiter des zum WTZ (Westdeutsches Tumorzentrum) Münster gehörenden UKM-Hauttumorzentrum.
  

Fachklinik Hornheide

„Die meisten Menschen kennen den sogenannten weißen und den schwarzen Hautkrebs. Das kutane Lymphom – also das Hautlymphom – ist aber seltener und daher nicht so bekannt“, so der Dermatoonkologe weiter. Es kommt dabei zu einer Ansammlung entarteter weißer Blutkörperchen in der Haut. Das Immunsystem der Betroffenen erkennt diese veränderten Zellen nicht und kann sie daher auch nicht bekämpfen. Sie wachsen unkontrolliert weiter und verursachen Lymphome, bösartige Tumoren, die schließlich die Haut zerstören. „Frau Hermann litt unter einer Sonderform des Hautlymphoms: dem Sézary-Syndrom. Dabei finden sich die bösartigen Zellen nicht nur in der Haut und in den Lymphen, sondern auch im Blut“, erklärt Weishaupt:

„Von dort können sie sich dann auch weiter im Körper ausbreiten und andere Organe befallen.“ Die Prognosen für Patienten mit dem Sézary-Syndrom seien daher eher schlecht und die bisherigen Therapieoptionen sehr begrenzt. „Wegen der starken Einschränkung der Lebensqualität ist die Erkrankung für die Betroffenen nicht nur physisch, sondern zumeist auch psychisch stark belastend“, verweist der Mediziner auf die Bedeutung psychoonkologischer Unterstützungsangebote.


»Hautkrebs zählt mit weit mehr als 200 000 Neuerkrankungen pro Jahr zu den häufigsten Krebsarten in Deutschland.«

Privat-Dozent Dr. Carsten Weishaupt, Leiter UKM-Hauttumorzentrum


„Es hat überall gebrannt und gejuckt. Ich konnte nachts nicht richtig schlafen und hatte bereits elf Kilo abgenommen“, erzählt Maria Hermann. „Vor allemdie Haut an meinen Händen ist immer wieder aufgesprungen und hat geblutet – arbeiten konnte ich so auch nicht mehr“, blickt die gelernte Köchin auf die schwierige Zeit zurück. „Ich bin damals mit Tränen in die Sprechstunde zu Dr. Weishaupt gekommen.“ Weil die Standard-Therapien mit Cortison, Phototherapie (Bestrahlung mit UVA-Licht) und weiteren komplexen Verfahren und Medikamenten nicht die erwünschte Wirkung brachten, schlug dieser ihr Ende 2018 vor, an einer Studie mit dem vielversprechenden neuen Wirkstoff Mogamulizumab teilzunehmen. „Es handelt sich dabei um einen CCR4-Antikörper aus Japan“, erklärt Weishaupt. CCR4 ist ein Protein, das kontinuierlich von den entarteten Abwehrzellen gebildet wird und es ihnen ermöglicht, vom Blut in die Haut zu gelangen und sich dort anzusammeln. „Der Antikörper bindet nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an dieses spezielle Protein auf der Oberfläche der bösartigen Zellen, die dann von den anderen, gesunden Immunzellen wieder erkannt, aufgenommen und zerstört werden“, so der Mediziner weiter.

Bereits nach den ersten Infusionen ging es Maria Hermann deutlich besser: „Meine Haut und vor allem meine Hände sahen lange nicht mehr so gut aus!“ Sie kann wieder ihre Finger bewegen, ohne dass die Haut einreißt, Papier oder Wäsche anfassen, ohne Blutflecken zu hinterlassen. „Das ist wirklich ein Glücksfall, dass die Therapie so gut anschlägt“, ist auch Weishaupt vom Behandlungserfolg begeistert. „Bei den Patienten, die darauf ansprechen, hat der Antikörper eine sehr gute Wirkung und ist dabei sehr gut verträglich.“ Mit Nebenwirkungen hatte auch Maria Hermann keinerlei Probleme. Sie kommt weiterhin regelmäßig für die Infusionen von Dülmen nach Münster und ist erleichtert, dass sie nicht mehr das Gefühl hat, sich vor anderen Menschen wegen ihrer Haut verstecken zu müssen. „Ich habe endlich wieder Lust aufs Leben!“
  

Antikörper-Studie

Das UKM-Hauttumorzentrum war deutschlandweit das einzige Studienzentrum, das Patienten in die Studie aufgenommen hat. Seit Mitte vergangenen Jahres ist das Medikament nun in Deutschland erhältlich.