Sonderveröffentlichung

Rat und Hilfe im Trauerfall
Helfer organisieren

Wer darf mit zum Leichenschmaus?

Samstag, 12.10.2019, 06:53 Uhr

Das Dirigieren der Trauergäste nach der Beerdigung sollte von jemandem aus der mittelnahen Familie übernommen werden. Foto: dpa
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Iris Krampe
Wilhelm Schulte Bestattungshaus
Blumen Flaucher
Beerdigungsinstitut Elke Jannaber GmbH
Norbert Schröer
Bestattungen Beyersdorf
Bestattungen Schemme
Wer trauert, wünscht sich oft Anteilnahme – aber manchmal kann sie auch zu viel werden. Etwa, wenn es darum geht, wer alles im Anschluss an Trauerfeier und Beisetzung mit zum Trauermahl kommt – und wer nicht beim Leichenschmaus dabei ist. Wenn sich Familienmitglieder nach der Abschieds-Zeremonie gern noch im kleinsten Kreis in ein Restaurant zurückziehen möchten, kann es schwerfallen, sich von wohlmeinenden entfernten Verwandten oder Bekannten abzugrenzen. Da kann es sinnvoll sein, einen Helfer zu organisieren, empfiehlt Elisabeth Bonneau, Kommunikationsexpertin aus Freiburg. „Jemand, der sich dann tatsächlich schützend zwischen die Trauergäste und die Familie stellt und sagt, bitte respektiert ihre Wünsche“, sagt Bonneau. Das könne jemand aus der mittelnahen Familie sein, aber auch jemand vom Beerdigungsinstitut. „Wichtig ist, dass man das nicht selber tun muss, also dass die Trauernden sich wirklich auf sich konzentrieren können. Man weiß ja als Trauernder vorher überhaupt nicht, welche eigenen Gefühle da auf einen zukommen.“

Trauerhäuser böten beim Verschicken der Einladungen an, den ins Restaurant geladenen Gästen zusätzlich ein Zettelchen in den Umschlag zu legen. Wenn jemand die Konvention der Zettelchen nicht kennt oder ignoriert, könne der Helfer vermittelnd eingreifen. „Jemand vom Bestattungsinstitut ist dann immer neutraler, die können dann auch ganz gelassen sagen: Es wird von der Familie nicht gewünscht. Das ist leichter, als wenn es die Tochter sagen muss“, erläutert Elisabeth Bonneau.

Und wenn es keinen dezenten Helfer gibt? Dann gilt aus Sicht der Expertin für Umgangsformen eine ganz schlichte Formel: Ein knappes „Bitte nicht“ reicht. „Sie müssen als Trauernde nicht um Entschuldigung bitten oder ein schlechtes Gewissen haben“, rät Bonneau. „Das ist Ihre Trauer, die kann Ihnen sowieso niemand nehmen, und es soll Sie auch niemand darin stören.“ (dpa)

Trauer mitteilen

Gefühle nicht immer verbergen
Verliert jemand den Partner nach vielen Ehejahren, lässt sich die eigene Trauer vor den Enkelkindern nicht immer verbergen. Das muss man auch gar nicht, sagt der Psychologe und Ratgeberautor Hans Berwanger. Zu erleben, dass andere traurig sind, sei wichtig für Kinder. Sie erfahren dabei zum Beispiel, wie sich die Stimme verändert, wenn man traurig ist, und dass einem manchmal ganz unvermittelt die Tränen kommen. Bei späteren Verlusten etwa eines geliebten Haustieres können sie mit ihrer Erschütterung dann besser umgehen. Eine Einschränkung gibt es Berwanger zufolge aber. Der Trauernde muss bereits Herr der Lage sein, wenn er mit den Enkeln darüber spricht. „Wer noch regelmäßig von Weinkrämpfen geschüttelt wird oder seine Gefühle noch nicht in Worte fassen kann, droht Kinder zu verunsichern.“ (dpa)

Sonderurlaub für Beerdigung

Muss nicht immer gestattet werden
Können Arbeitnehmer für eine Beisetzung Urlaub verlangen? Meist zeigt der Chef Verständnis. Aber nicht in jedem Fall ist der Arbeitgeber verpflichtet, seinem Mitarbeiter hierfür spontan Sonderurlaub zu gewähren. Es kommt erst einmal darauf an, wie nah das Verhältnis zwischen Mitarbeiter und dem Verstorbenen war, sagt Johannes Schipp, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein.

Handelt es sich um Kinder, Eltern, Partner oder Geschwister (Verwandte ersten Grades) ist nach Paragraf 616 BGB eine vorübergehende Verhinderung gerechtfertigt. Der Arbeitgeber muss dann auch weiter die Vergütung zahlen. Es ist jedoch nicht explizit geregelt wie lange. Bei den Großeltern und Schwiegereltern, also ab Verwandten zweiten Grades, kann der Arbeitgeber den Sonderurlaub unter Umständen versagen. Oft sind Arbeitnehmer also auf die Kulanz ihres Chefs angewiesen.

Klarer ist die Situation, wenn Sonderurlaub bei Todesfällen in einem Tarifvertrag geregelt ist. Dort ist in der Regel sehr genau festgeschrieben, ob und wie viele Tage es gibt. (dpa)

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