Sonderveröffentlichung

Nachbarschaftshilfe kümmert sich um alle, die es brauchen

Hohenholte hilft!

Rita Richter geht bei der „Nachbarschaftshilfe Hohenholte“ ans Telefon und nimmt die Einkaufswünsche der Anrufer an. Foto: Pia Schrell

15.06.2020

In Hohenholte in der Gemeinde Havixbeck weiß man sich zu helfen. Denn zu Zeiten des Corona-Virus‘ muss man zusammenhalten und sich gegenseitig unterstützen. Das dachte sich auch Mats Richter (33) und fasste einen Entschluss: Zusammen mit seiner Familie rief er kurzerhand die „Nachbarschaftshilfe Hohenholte“ ins Leben. „Ich hatte mitbekommen, dass es so etwas in größeren Städten schon gibt“, sagt er. „Da habe ich mir gedacht, dass es im kleinen Hohenholte ja noch wichtiger sein könnte, dass es Menschen gibt, die für Risikopatienten und alle die, die es brauchen, einkaufen gehen und helfen.“ Schließlich seien Einkaufsmöglichkeiten in dem kleinen Örtchen mit ungefähr 700 Einwohnern rar gesät.
    

Dank vieler freiwilliger Helfer gibt es kurz nach der Idee auch schon praktische Unterstützung bei der Nachbarschaftshilfe des Stiftdorfes. Ein Anruf genügt: „Entweder erreicht man in den angegebenen Zeiten jemanden am Telefon oder man kann eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen“, sagt Mats Richter. Und er ist nicht alleine: Insgesamt 70 Freiwillige haben sich gemeldet, um ihren Nachbarn und weiteren Einwohnern des Dorfes zu helfen. Dabei verläuft alles absolut diskret und gut organisiert: Wer anruft, bekommt mithilfe eines Fragebogens zunächst ein paar Fragen gestellt, die es zu beantworten gilt.
      


»Es dürfen alle anrufen, die Bedarf haben. Wir machen das wirklich gerne, und man braucht kein schlechtes Gewissen zu haben.«

Rita Richter, Nachbarschaftshilfe
  


Neben wichtigen Informationen zu Adresse und Einkaufswünschen kann so für die Organisatoren ein guter Überblick behalten werden. „Wir achten auch darauf, dass die Personen, die Hilfe brauchen nach Möglichkeit immer den gleichen Ansprechpartner haben“, sagt Mats‘ Mutter Rita Richter. So sei es für alle angenehmer, wenn man sich schon kenne, geklärt habe, welche Margarine am liebsten gegessen wird und abgemacht hat, wie es mit dem Bezahlen der Lebensmittel laufen soll. Auch sie engagiert sich – genau wie Tochter Charlotte – bei der Nachbarschaftshilfe und nimmt die eingehenden Anrufe entgegen. „Wir haben darüber hinaus mit allen Helfern eine WhatsApp-Gruppe“, erklärt Mats. Wenn Anfragen kommen, kann dort schnell nach jemandem gesucht werden, der Zeit hat, und los geht´s.“


Hohenholte hilft! Image 2

»Sicher kann man Positives aus der Krise mitnehmen, mein erster Gedanke ist aber bei denen, die liebe Menschen verloren haben, die selbst schwer krank sind oder deren Existenz gefährdet ist. Positiv nehme ich mit, dass viele Menschen sich solidarisch und in der Seelsorge kreativ verhalten haben. Corona kann uns helfen, grundsätzliche Gegebenheiten unseres Lebens, unseres Miteinanders, unseres Wirtschaftens und für mich auch unseres Christseins neu zu bedenken.«

Dr. Felix Genn, Bischof von Münster
  


Der ganz große Ansturm auf die Nachbarschaftshilfe sei bislang allerdings noch ausgeblieben. Einerseits gut, finden die Freiwilligen. Dies zeige schlichtweg, dass Hohenholte bislang von der Pandemie ziemlich verschont geblieben wäre. „Es geht dabei ja auch darum, dass wir gerüstet sind, falls es nötig sein sollte“, sagt Mats Richter. Andererseits freut sich die Nachbarschaftshilfe natürlich über jeden, dem sie helfen kann. Hemmungen sollte wirklich niemand haben, da sind sich alle einig: „Man darf sich nicht erst melden, wenn man ganz alt oder schwer krank ist“, betont Rita Richter. „Es dürfen alle unter der Nummer 02507/4216 anrufen, die Bedarf haben. Wir machen das wirklich gerne, und man braucht kein schlechtes Gewissen zu haben.“ Von Pia Schrell