Sonderveröffentlichung

Gemüseanbau und Gärtnern als positive Abwechslung im Corona-Alltag

Abstand auf dem Acker

Katalin Boschan fühlt sich in der Natur richtig wohl. Ihr Gemüsebeet hat der Hobby-Gärtnerin in der Corona-Zeit positive Stimmung beschert. Sie hat sich täglich an den dort wachsenden Pflanzen erfreut.

15.06.2020

Gärtnern, sich an der fischen Luft betätigen und dabei den zarten Pflänzchen beim Wachsen zusehen – nichts macht dieser Tage zufriedener als Aktivitäten im Freien – umso schöner, wenn diese auch noch Früchte tragen.

„Hier kann ich entspannen, mal an was anderes denken und die Natur genießen. Nur zu Hause wäre ich in der Corona-Zeit mit all den Beschränkungen ja depressiv geworden“, sagt Katalin Boschan, die mittlerweile im dritten Jahr ihre eigenen Kräuter, Gemüse, Salat und Erdbeeren auf einer Ackerparzelle von „Junges Gemüse“ am Kappenberger Damm bewirtschaftet – und das ziemlich erfolgreich. „Ich versorge mittlerweile auch meine Nachbarn und Freunde mit frischem Salat und meine Mutter hat in diesem Jahr sogar Wünsche geäußert, welches Gemüse ich für sie anpflanzen soll“, sagt die Hobby-Gärtnerin.
   

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Insgesamt sind auf dem Acker 135 Parzellen, die von vielen Familien, Studenten oder auch rüstigen Rentnern gepflegt und gewässert werden.

„Während der Corona-Beschränkungen haben wir noch einmal ein gesteigertes Interesse an den 30 oder 45 Quadratmeter großen Ackerflächen verzeichnen können“, sagt die Auszubildende Kristin Bunde, die das Agravis-Azubi-Start-up betreut.  

Gärtner John Birresborn sorgt für gute Laune und steht für fachliche Fragen bereit. Fotos: acf
Gärtner John Birresborn sorgt für gute Laune und steht für fachliche Fragen bereit. Fotos: acf

„Wir haben noch einmal um 45 Beete erweitert, um alle Anfragen bedienen zu können“, ergänzt sie. Bepflanzt wurden die Beete Ende April. Zunächst nur zu 70 Prozent, denn die restliche Fläche kann ganz individuell von den Nutzern bepflanzt werden. „Natürlich unter Einhaltung der Abstandsregeln, was in der Natur ja noch einmal einfacher zu leisten ist als in geschlossenen Räumen“, so Bunde, die mehrmals die Woche vor Ort ist, um den Fortschritt der wachsenden Pflanzen zu beobachten. Darüber hinaus werden derzeit die Schaufeln, Hacken und Gießkannen mehrmals wöchentlich desinfiziert, um Corona auch hier keine Chance zu lassen.

Für fachliche Fragen zum Anbau und zu Pflege ist der Gärtner John Birresborn vor Ort. Der studierte Agrarwissenschaftler aus Ghana ist gute Seele und Gute-Laune-Stifter zugleich. Der leidenschaftliche Sänger schnappt sich nämlich gerne mal seine Gitarre und singt mit den Leuten auf dem Feld, um auch in den schweren Zeiten der Pandemie positive Stimmung zu verbreiten. Ein Konzept das voll aufgeht, denn die bepflanzten Parzellen wirken wie kleine Oasen des Glücks – dekoriert mit Solarleuchten und individuellen Holzschildern. Lieblingsplatz, Heins Hain oder Gemüse Gedüse sind nur einige Namen, die die Liebe zu den Pflanzen widerspiegeln.
   


»Hier kann ich entspannen, mal an was anderes denken und die Natur genießen.«

Katalin Boschan, Hobby-Gärtnerin
   


Abstand auf dem Acker Image 2

Ein naturnaher Zufluchtsort, der zugleich auch noch regional angebaute Lebensmitte liefert. Und nicht nur das: Für viele Familien ist es auch ein Gartenersatz oder wie für die Rentner Antonio und Lukia Lopes ein Urlaubsersatz. Normalerweise verbringt das Ehepaar den Sommer immer in Portugal, doch daran ist für die beiden in diesem Jahr auch trotz der wieder aufgehobenen Reisebeschränkungen nicht zu denken. „Wir pflegen stattdessen lieber das Gemüsebeet unseres Sohnes, das ist derzeit vernünftiger“, sagt Antonio Lopes.

Sonne und eine entspannte Stimmung gibt es auf dem Acker noch obendrauf, also eine schöne, regionale und ökologische Alternative zum Sommerurlaub. Von Ann-Christin Frank