Sonderveröffentlichung

50. Prunksitzung soll im Februar 2022 groß gefeiert werden

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Bunt kostümiert erscheinen die Drensteinfurter Jecken stets zur Prunksitzung. Fest zu deren Programm gehören schon seit vielen Jahren die „Drei lustigen Regenschirme“. Ihre Anekdoten haben immer besonders viel Lokalkolorit. Christopher und Michelle Fels haben schon 2020 als Prinzenpaar mit durchs Programm geführt. Fotos: -sre

15.02.2021

Diese Session hätte für den „Junggesellen Carneval Club“ (JCC) eine ganz besondere werden sollen. Denn vor genau 50 Jahren hat der Vorstand des Junggesellen-Schützenvereins beschlossen, das närrische Zepter in der Wersestadt zu übernehmen. Das Jubiläum sollte an diesem Wochenende groß gefeiert werden. Eigentlich.

Zwar verhindert die Corona-Pandemie in diesem Jahr ein ausgelassenes Karnevalsfest, einen Rückblick auf 50 Jahre JCC gibt es an dieser Stelle dennoch – verbunden mit der Hoffnung „auf viele weitere tolle Karnevalsveranstaltungen in unserem schönen Drensteinfurt“, sagt Junggesellen-Vorsitzender Sebastian Ringhoff, der für unsere Zeitung das JCCArchiv durchforstet hat.

1971 also ist der „Junggesellen Carneval Club“ entstanden. Die Prunksitzung wird seitdem immer am Samstag vor Rosenmontag veranstaltet, die allererste war am 20. Februar 1971. Karnevalsprinz ist stets der aktuelle Junggesellenkönig. Der erste in dieser langen Liste war Ludger Tillmann, der 1970 den Vogel abgeschossen hatte. Amtierender Prinz ist Christopher Fels, der zusammen mit seiner Frau Michelle schon 2020 durchs närrische Programm geführt hat. Da das Schützenfest im vergangenen August coronabedingt ausfallen musste, steht das Ehepaar Fels auch weiterhin allen Jecken in der Stadt vor.

„Schon vor 1971 gab es verschiedene Karnevalsveranstaltungen in Drensteinfurt“, blickt Ringhoff zurück. Unter anderem wurden diese von den Eisenbahnern veranstaltet und im damaligen Kolpinghaus gefeiert. Die Junggesellen traten dort schon mit ihrem Vorstand und der Avantgarde auf.

„Als die Eisenbahner beschlossen, die Veranstaltung nicht fortzuführen, saßen der damalige erste Vorsitzende Heinz Hagedorn und der zweite Vorsitzende Hans Mörchen zusammen. Sie dachten sich, dass es doch schade wäre, wenn die Junggesellen ein Jahr auf das nächste Fest warten müssten und in der Zwischenzeit nichts los wäre.“ Sie besprachen ihre Idee, das Karnevalsfest als eine Art „Überbrückung“ bis zum nächsten Schützenfest einzuschieben, mit dem Vorstand, den sie schnell davon überzeugen konnten. „Fortan galt der JCC als Ausrichter des Drensteinfurter Karnevals“, berichtet Sebastian Ringhoff.


"Wir hoffen auf viele weitere tolle Karnevalsveranstaltungen in unserem schönen Drensteinfurt."

Sebastian Ringhoff, Vorsitzender des Junggesellen-Schützenvereins


Zum zehnten JCC-Geburtstag wurde das Karnevalsfest erstmals und einmalig außerhalb des Stadtkerns in der Schützenhalle in Walstedde gefeiert. Da die Prunksitzung von Beginn an ein großer Erfolg war und der Platz im Kolpinghaus irgendwann schlicht nicht mehr ausreichte, beschloss der Vorstand im Jahr darauf, in ein 600 Quadratmeter großes Festzelt umzuziehen, das im Schlossgarten aufgestellt wurde. Dort hatten dann bis zu 600 Närrinnen und Narren Platz. Zugleich wurde das Spektakel auf drei Tage ausgedehnt, da sich der Aufbau des Zeltes für nur einen Tag nicht lohnte. Zusätzlich zur Prunksitzung am Samstag kamen noch die Karnevalsdisco am Sonntag und die Kinderbelustigung am Rosenmontag hinzu. Dieser Ablauf hat bis heute Bestand. 1988 wurde der Ort des Geschehens an die Sendenhorster Straße verlegt, wo heute das Einkaufszentrum „Breemühle“ steht. Seit 1992 wird im Erlfeld gefeiert.

Schon einmal in seiner 50-jährigen Geschichte ist das Karnevalsfest abgesagt worden. 1991 schlugen die Wogen des Golfkrieges auch bis nach Drensteinfurt. „Niemandem war zum Feiern zumute“, hat Ringhoff recherchiert. Zwei Wochen vor dem Termin wurde die Veranstaltung abgesagt.

Mit zurückgehenden Besucherzahlen hatte der Vorstand der Junggesellen dann vor rund zehn Jahren zu kämpfen. In der Folge wurde 2012 schweren Herzens beschlossen, kein Festzelt zu buchen, sondern das Wochenende in die Festhalle Volkmar zu verlegen. Doch die Stimmen, die sich eine Rückkehr ins Festzelt wünschten, wurden lauter. „Der Vorstand stand vor einer Entscheidung: Wird das Karnevalsfest in Drensteinfurt nach so vielen Jahren komplett eingestampft, oder wagt man noch einmal einen Versuch im Festzelt?“, beschreibt Ringhoff die Situation. 2017 dann der Neustart in einem etwas kleineren Festzelt mit einem überarbeiteten, aber auch traditionellen Konzept.

Das Wagnis stellte sich als voller Erfolg heraus. Mittlerweile ist das Karnevalsfest wieder ein Selbstläufer und auf dem besten Weg, an die glorreichen Anfangszeiten anzuknüpfen. Die Disco am Freitag ist mit ihren rund 1000 Besuchern mittlerweile über die Ortsgrenzen hinaus als Event für die Jugend bekannt. Bei der Prunksitzung treffen Jung und Alt aufeinander. „Und der Rosenmontag im Festzelt entwickelt sich immer mehr zu einem geselligen Zusammenkommen der gesamten Drensteinfurter Bevölkerung“, weiß Ringhoff, der das Fest seit 2015 als Vereinsvorsitzender begleitet.

Nach 1991 ist 2021 nun das zweite Jahr ohne Karnevalsfest. „Das bedeutet aber nicht, dass wir das Jubiläum ausfallen lassen müssen“, betont Sebastian Ringhoff. Die 50. Prunksitzung werde einfach 2022 gefeiert. Die Planungen seien zwar noch nicht weit fortgeschritten, allerdings dürften sich die Drensteinfurter schon auf ein großes Fest vom 25. bis zum 28. Februar 2022 freuen. Vermutlich werde das Festzelt dafür noch einmal vergrößert, damit noch mehr Leute – der JCC hofft auch auf viele ehemalige Aktive – die „Jubiläumsprunksitzung“ verfolgen können. (ne)