Sonderveröffentlichung

KG „Klein-Köln“ stemmt alles aus eigenen Reihen

Vorhelms handgemachter Karneval

Fritz Friemel, Adolf Steinkamp, Josef Schütte, Helmut Hunke, Egon Mense, Theo Keseberg und Berni Strob (v. l.) um 1950 als Prinzengardisten. Fotos: Archiv TuS Westfalia / Christian Wolff

13.02.2021

Vorhelm. 1948 wurde der Karneval als Abteilung „Geselligkeit“ im Sportverein Westfalia Vorhelm gegründet. Angelehnt ans Treiben in der Dom-Metropole entwickelte sich der Name „Klein-Köln“. Von Beginn an lag der Schwerpunkt jedoch nicht auf Umzügen oder Freiluftfasching, sondern im aufwendigen Sitzungskarneval. Der jedoch wird immer akribisch geplant, über Monate vorbereitet und intensiv geprobt.

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Die große Gala-Prunksitzung der KG, anfangs eine reine Dorfzusammenkunft, bekam im nahen Umfeld einen hervorragenden Ruf und es wurde oft hart um Eintrittskarten gekämpft. Ebenso bekannt ist die Sitzung des Kinderkarnevals – die größte dieser Art in der Region. Bei allen gleichbleibenden Zutaten kommt das Karnevals-Rezept nicht ohne abwechslungsreiche Variationen aus. Jede Session wird ein neues kreatives Motto gewählt, an dem sich die Akteure inhaltlich orientieren. Ein großes Mottobild, jahrzehntelang in Handarbeit erstellt von „Hofmaler“ Albert Runde, prangte jeweils auf der Bühne.


»Man kennt die Menschen, die da auftreten.«

Josef Remmert
     


Um sich weiter von umliegenden Karnevalshochburgen abzuheben, gibt es am Hellbachstrand immer ein Prinzenpaar – nicht „nur“ einen Prinzen. Dasselbe gilt für den Kinderkarneval. Bis zur Proklamation unmittelbar vor der Gala-Prunksitzung beziehungsweise der Kinderkarnevals-Sitzung, sind die Namen des jeweils neuen Prinzenpaares das bestgehütete Geheimnis im Hellbachdorf. Und man glaubt es kaum: Diesem Credo bleiben die Jecken auch in Zeiten von Handys und sozialen Netzwerken treu.

Die Prinzenpaare führen die Vorhelmer Narren durch die Session und sorgen regelmäßig für Begeisterung im ganzen Dorf. Sämtliche Akteure stammen grundsätzlich aus den eigenen Reihen. Es gibt keine engagierten Künstler gegen Gage, was beim Blick auf Galas in anderen Orten den Reiz ausmacht. „Man kennt die Menschen, die da auftreten. Und sie machen keine Fließbandsketche, sondern Darbietungen mit Herz und ehrlicher Freude“, fasst Josef Remmert zusammen, der den „Klein-Köln“-Karneval seit Jahrzehnten aktiv begleitet. Viele erstklassige Büttenredner aus allen Altersklassen haben so mancher Sitzung in über sechs Jahrzehnten den Stempel aufgedrückt, häufig mit Bezug zu großer und kleiner Politik, aber insbesondere zu der einen oder anderen Begebenheit im Dorf.

Aktuell amtieren Frederik I. und Tatjana I. als Vorhelmer Prinzenpaar.
Aktuell amtieren Frederik I. und Tatjana I. als Vorhelmer Prinzenpaar.

Keine Frage: „Klein-Köln“ wird beneidet um seine motivierten, ehrenamtlich betreuten Tanzgarden. „Die schönsten Beine im Stadtgebiet von Ahlen“, formulierte es einmal ein Besucher aus der Wersestadt, „sind weit über den Hellbachstrand hinaus durch begeisternde Auftritte bekannt.“ Trainiert wird mit viel Engagement das ganze Jahr über. Aus zunächst einer Truppe entwickelte sich im Laufe der Zeit und aufgrund immer größerer Nachfrage ein ganzer Tänzerinnen-Strauß, die sich „Mini-Nixen“, „Hellbach-Sterne“, „Hellbach-Funken“ und „Hellbach-Nixen“ nennen.

Die Schließung des Gasthauses Pelmke ließ die letzte große Gala 2020 im benachbarten Ahlen in Overmanns „Hof Münsterland“ über die Bühne gehen. Dennoch blicken die „Klein-Kölner“ zuversichtlich in die Zukunft. „Et hätt noch immer jot jegange“, würde der echte Kölner dazu sagen. Von Christian Wolff