Sonderveröffentlichung

Vorlesen fördert frühkindliche Entwicklung

Kleinkind-Tics verschwinden meist

Kleinkind-Tics verschwinden meist

Mit einem Märchenzelt schafft Papa eine gemütliche Kulisse. Wenn er dann noch an spannenden Stellen Pausen beim Vorlesen macht, bringt das die Atmosphäre zum Knistern. Foto: dpa

12.05.2020

Wenn die Seiten rascheln und das Kinderzimmer zum Schauplatz für Geschichten wird, ist Vorlesezeit. Zusammen Bücher zu schmökern – das sorgt für Gemütlichkeit und Geborgenheit. „Kein Wunder, schließlich haben wir Menschen schon vor langer Zeit am Lagerfeuer gesessen und uns Geschichten erzählt“, findet die Autorin Gerlis Zillgens aus Köln, die regelmäßig Lesungen veranstaltet.

„Vorlesen ist eine moderne Form davon.“ Noch dazu eine, die bei der frühkindlichen Entwicklung eine wichtige Rolle spielt. „Durch den frühen Kontakt mit Büchern entwickeln Kinder einen besseren Zugang zu Sprache, ihr Wortschatz vergrößert sich und sie bekommen ein besseres Gefühl für Satz- und Textstrukturen“, erklärt Daniel Schnock von der Stiftung Lesen. Dazu kommt: Wer schon früh in Geschichten eintaucht, übt sich in Fantasie und Empathie.

Ein „zu früh“ gibt es dabei kaum. „Viele Eltern beginnen mit dem Vorlesen erst, wenn ihr Kind zwei oder drei Jahre alt ist“, beobachtet Schnock. Dabei können Bücher bereits im ersten Lebensjahr zum Einsatz kommen. „Logisch, dass man nicht sofort mit der Unendlichen Geschichte von Michael Ende beginnt. Aber Bücher mit vielen Bildern und nur wenig Text funktionieren in dem Alter schon ganz gut“, sagt Schnock.

Vorteil des frühen Lesestarts: Für die Kleinen werden Bücher rasch ein normaler Teil des Alltags. Für eine gute Vorlesesituation braucht es nicht viel. „Vorlesen geht überall“, weiß Schauspieler und Kinderbuchautor Christian Berg. Und beim Vorlesen müssten Eltern auch nicht perfekt sein. Ein Gedanke, der dabei helfe, die „Vorlesen – das kann ich nicht“-Blockade im Kopf abzubauen. Fakt ist: Für die Kleinen ist es großartig genug, mit Mama oder Papa und einer spannenden Geschichte Zeit zu verbringen.

Und wie kommt Leben in die Geschichte? Schon kleine Kniffe können das Kopfkino anschubsen. „Eltern sollten sich einfach für die Optionen entscheiden, die ihnen selbst Spaß machen“, sagt Zillgens. Eine Pause an einer Stelle, die besonders spannend ist, bringt die Atmosphäre zum Knistern. Lustige Szenen können Eltern durchaus mehrfach vorlesen. Steht im Buch etwa ein Fuchs im Mittelpunkt, kann es sinnvoll sein, das passende Kuscheltier bereitzulegen.

Um ein Gefühl für die Möglichkeiten zu bekommen, rät Zillgens, das Buch bereits vor dem Vorlesen durchzublättern. Der Klassiker ist und bleibt das Spiel mit der Stimme: Die böse Hexe zischt, der dicke Bär brummt. Bei Bilderbüchern mit viel Dialog bietet es sich an, die Rollen zu verteilen. „Es kann für das Kind sehr spaßig sein, wenn Mama die männliche Rolle liest und Papa die weibliche“, sagt Berg. Geht das Kind schon zur Schule, kann es selbst eine Figur übernehmen.

Kleinere Kinder können bei Geräuschen außerdem mit einbezogen werden – und zum Beispiel ein Türklopfen oder aber ein Froschkonzert simulieren. Auch Requisiten helfen, die Lesestunde noch aufregender zu machen. Eine Taschenlampe eignet sich für Schattenspiele oder Entdeckertouren. Ein Topf funktioniert als Trommel, ein Glas klingt fast wie eine Glocke – und eine Socke wird im Handumdrehen zur Handpuppe. (dpa)