Sonderveröffentlichung

„Niemand ist allein krank“

Krebserkrankung auch für Angehörige belastend

Dienstag, 25.02.2020, 08:00 Uhr

Gudrun Bruns und ihr Team der Krebsberatungsstelle lassen Patienten mit ihren Sorgen und Nöten nicht alleine. Foto: Oliver Werner
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Krebsberatungsstelle im Gesundheitshaus
Wenn die Diagnose Krebs – zum Beispiel Darmkrebs – gestellt wird, löst sie bei Angehörigen häufig ähnlich starke Belastungen und viele Fragen aus, wie bei den Betroffenen selbst.

„Mein Mann hat sich seit der Krebserkrankung total zurückgezogen, er möchte das Haus nicht verlassen und keinen Besuch – aus Angst und Scham, seinen Stuhl nicht halten zu können. Ich fühle mich sehr isoliert. Körperkontakt lässt er kaum noch zu, Sexualität gibt es in unserer Beziehung nicht seit der Krebsdiagnose. Ich möchte meinen Mann gerne unterstützen, weiß aber nicht, wie lange ich das noch aushalten kann“: Diese Aussage einer Angehörigen macht deutlich, wie umfassend sich auch der Alltag bei Angehörigen verändern kann. Sie haben häufig das Gefühl, für den erkrankten Menschen da sein zu müssen und tun sich schwer, auch eigene Bedürfnisse wahrzunehmen.

„Die Krebsberatungsstelle unterstützt dabei, einen Weg zu finden, mit den Veränderungen so umzugehen, dass die erkrankte Person Unterstützung bekommt, ohne die eigenen Bedürfnisse aus dem Blick zu verlieren“, erklärt Gudrun Bruns, Leiterin der Krebsberatung in Münster.

Viele Menschen fühlen sich langfristig in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt. Vor allem jüngere Patienten erleben sich häufig psychisch und gesellschaftlich stark belastet, und das auch noch lange Zeit nach der Diagnose. Bei längerer Arbeitsunfähigkeit zum Beispiel können zusätzlich Sorgen über finanzielle Probleme auftreten. Verminderte Leistungs- und Belastungsfähigkeit führen häufig zu einer Verunsicherung des Selbstwertgefühls. Körperliche Veränderungen nach einer Krebsoperation wie Inkontinenz oder die Notwendigkeit eines Stomas (künstlicher Darmausgang) stellen für Betroffene und Angehörige eine starke Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität dar. Manchmal entwickeln sich dadurch Schamgefühle, die zu Rückzug aus dem sozialen Umfeld führen können. In Partnerschaften ergeben sich dadurch auch Veränderungen in der körperlichen Beziehung und Sexualität, für die beide Partner oft neue Wege finden müssen, um sich mit körperlicher Nähe wohl fühlen zu können und lustvolle Sexualität miteinander erleben zu können.

Betroffene und Angehörige haben oft auch Angst vor einem Fortschreiten der Erkrankung oder davor, dass der Betroffene an der Krankheit sterben kann. Andere emotionale Reaktionen können auch Aggressivität oder Impulsivität sein, die Ausdruck von körperlichem Unwohlsein sein können und nicht unbedingt die Gefühle für den Angehörigen ausdrücken.

Betroffenen und Angehörigen kann es helfen, sich den auftauchenden Fragen zu stellen: „Was tut mir gut, was würde mir helfen, welche Unterstützung brauche ich?“ Gute Freunde können mit einem offenen Ohr, mit Verständnis und praktischer Hilfe eine wichtige Unterstützung sein.

Angehörigen fällt es häufig noch schwerer als Betroffenen, um Hilfe zu bitten und sich helfen zu lassen. Hilfreich kann auch sein, sich an seine Stärken zu erinnern und sie sich bewusst zu machen, denn die geraten häufig aus dem Blick. Auch mit einer bewussten Planung von Freizeit und Aktivitäten kann das Wohlbefinden verbessert werden – es tut gut, immer wieder kleinere Dinge im Alltag zu planen, die Spaß machen oder auch größere Unternehmungen wie zum Beispiel eine Reise zu planen, was Vorfreude bereitet.

Psychische und soziale Belastungen durch eine Krebserkrankung können sehr vielfältig sein, und es tut vielen Betroffenen und Angehörigen gut, in dieser Situation nicht alleine zu sein.

Die Krebsberatungsstelle hat es sich zur Aufgabe gemacht, in dieser Situation Unterstützung anzubieten, um die Krankheit mit ihren Folgen psychisch leichter verarbeiten zu können. Darüber hinaus bietet sie Informationen zu Sozialleistungen und Hilfe bei deren Beantragung an. In 14 Orten im Münsterland finden regelmäßig Sprechzeiten statt, damit Betroffene und Angehörige nur kurze Wege haben, um sich beraten zu lassen. Für Ratsuchende sind die Beratungsgespräche kostenlos und vertraulich.

Informationen

Weitere Informationen zur Krebsberatungsstelle gibt es im Internet unter www.krebsberatung-muenster.de oder unter 0251/ 6256201
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