Sonderveröffentlichung

Prostatakrebs: WTZ-Spezialisten setzen auf Theranostik-Verfahren mit Radiopharmaka

Tumore aufspüren und zugleich angreifen

In der Bildgebung wird der Behandlungserfolg sichtbar: Professor Kambiz Rahbar mit Professor Martin Bögemann (Monitor, l.) und Günter Sappelt (Monitor, r.). Foto: UKM/Fotozentrale/Wibberg

26.01.2021

Der PSA-Wert ist wieder gestiegen!“ Diesen Satz hat Günter Sappelt schon häufig hören müssen, seit bei ihm 2004 ein Prostatakarzinom diagnostiziert wurde. Operation, Strahlen- und Chemo- sowie verschiedene Hormonentzugstherapien halfen entweder gar nicht oder nur vorübergehend. Immer wieder bildeten sich Metastasen und der Gehalt des Tumormarkers PSA (prostataspezifisches Antigen) im Blut kletterte wieder hinauf. Dank eines neuartigen Verfahrens nach dem sogenannten Theranostik-Prinzip im WTZ Münster, dem Krebszentrum am UKM (Universitätsklinikum Münster), ist der Wert bei dem 69-Jährigen aus Mettmann nun bereits seit drei Jahren stabil.

„Theranostik ist eine Kombination der Begriffe Therapie und Diagnostik“, erklärt Professor Kambiz Rahbar, Oberarzt in der Klinik für Nuklearmedizin am UKM. „Radioaktiv markierte Wirkstoffe, sogenannte Radiopharmaka, ermöglichen dabei, bereits kleinste Ansammlungen von Tumorzellen im Körper in der Bildgebung zum Leuchten zu bringen und damit für uns sichtbar zu machen“, so der Nuklearmediziner weiter. Die Spezialisten können die Radiopharmaka zudem nutzen, um die bösartigen Zellen gezielt anzugreifen und zu zerstören. „Da der radioaktiv angereicherte Wirkstoff an ein prostataspezifisches Membran-Antigen (PSMA) bindet, das vermehrt in Prostatakarzinomen vorkommt, wirkt er direkt vor Ort an der Krebszelle. Daher sind die Nebenwirkungen bei der PSMA-Therapie zumeist sehr gering“, ergänzt Professor Martin Bögemann, Leiter der Uroonkologie am Universitätsklinikum Münster.

Das Verfahren ist in Deutschland noch nicht zugelassen. Bei Patienten wie Günter Sappelt, bei denen die Erkrankung schon weit fortgeschritten ist und die Standardtherapien nicht mehr greifen, können der Nuklearmediziner und seine Kollegen in den fachübergreifenden Tumorkonferenzen aber den Einsatz im Rahmen eines sogenannten „individuellen Heilversuchs“ gemeinsam diskutieren und bei guten Erfolgsaussichten anbieten.


»Abwarten und Nichtstun war keine Alternative für mich.«

Günter Sappelt, Patient des Westdeutschen Tumorzentrums Münster


„Das war für mich total neu und ich war erstmal skeptisch“, erinnert sich Sappelt, der den Tipp für diese Behandlungsoption von seinem Wuppertaler Urologen bekommen hatte. Auch in der Selbsthilfegruppe, zu deren Treffen er regelmäßig geht, um sich zu informieren und auszutauschen, hatte noch niemand von diesem innovativen nuklearmedizinischen Verfahren gehört. Trotzdem entschloss er sich für die Behandlung: „Abwarten und Nichtstun war keine Alternative für mich“, so der Rentner, dessen PSA-Werte im Blut nach sechs Therapie-Zyklen mit dem neuen Wirkstoff und fortlaufender Antihormontherapie nun über einen langen Zeitraum sehr niedrig sind. „Das ist ein guter Anhaltspunkt, dass die Erkrankung unter Kontrolle ist“, erklärt Bögemann.

Inzwischen ist Günter Sappelt zum Vorsitzenden der Wuppertaler Selbsthilfegruppe gewählt worden und hat dort schon von der neuen Behandlungsmethode berichtet. Auch wenn er weiß, dass der Krebs nicht endgültig besiegt ist, ist er dankbar, dass es ihm gut geht und er die gemeinsame Zeit mit seiner Frau genießen kann. (pm)

PraxisKlinik  Dr. med. Anita Rütter

Experten warnen vor Vernachlässigung

Covid-19 mit Folgen für Krebspatienten

Angesichts der zunehmenden Belastung der bundesdeutschen Kliniken wegen Covid-19-Patienten warnen Experten davor, Krebskranke zu vernachlässigen. „Immer mehr onkologische Eingriffe werden verschoben, diagnostische Untersuchungen und Nachsorge teilweise stark zurückgefahren“, kritisierte die Corona Task Force von Deutscher Krebshilfe (DKH), Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ) und Deutscher Krebsgesellschaft (DKG). Zugleich appellierten die Fachleute an die Bevölkerung, unbedingt die Corona-Schutzmaßnahmen einzuhalten, damit die Zahl der Neuinfektionen schnell sinkt. Ziel sei es, das Gesundheitssystem vor einem Kollaps zu bewahren.

Bereits zu Beginn der Corona-Pandemie hatten die Fachgesellschaften eine Task Force eingerichtet, um die Versorgungssituation von Krebspatienten zu beobachten. Der Zusammenschluss hatte schon im Frühjahr ein „angespanntes Versorgungssystem“ festgestellt.

DKFZ-Chef Michael Baumann sagte in Heidelberg, bei einer weiteren Verschärfung der Lage an den Kliniken könne eine Versorgung aller schwerkranken Menschen nicht mehr gewährleistet werden. „Dazu zählen insbesondere die 1400 Patienten, die Tag für Tag neu an Krebs erkranken.“

Nach Ansicht des Chefs der Deutschen Krebshilfe, Gerd Nettekoven, stelle sich die Situation an den Kliniken aktuelle wesentlich angespannter dar als noch während der ersten akuten Phase der Pandemie.

Schon in der ersten Welle hatten im Frühjahr des vergangenen Jahres hatten die von der Task Force befragten onkologischen Spitzenzentren zu über 90 Prozent Veränderungen wegen der Pandemie gemeldet. Diese betrafen sowohl die Themengebiete Nachsorge als auch Psychoonkologie/Ernährungs- und Bewegungstherapien sowie die soziale Beratung. In diesen Bereichen konnte ein Teil über Telefon oder in Videokonferenzen aufgefangen werden. (dpa/dj)


Fit ins Jahr 2021

Krebshilfe rät: Bewegung trotz Corona

Gerade nach den Weihnachtsfeiertagen und dem Jahreswechsel ist körperliche Aktivität besonders wichtig: Sie wirkt sich positiv auf die Psyche aus, stärkt das Immunsystem, hilft Übergewicht zu vermeiden und reduziert das Krebsrisiko. Daher rät die Deutsche Krebshilfe: „Bleiben Sie in Bewegung! Nutzen Sie Bewegungsformen, die auch während der Covid-19-Pandemie möglich sind, ohne sich selbst und andere zu gefährden. „Es gibt auch in der jetzigen Zeit ausreichend Möglichkeiten, sein Leben bewegungsreich zu gestalten, beispielsweise mit Spaziergängen im Wald, Joggen oder Walken auf wenig frequentierten Strecken oder mit Fitness- und Gymnastikübungen zuhause“, so Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe. Dauerhaft stellen Bewegungsmangel und zu hohes Körpergewicht ein gesundheitliches Problem dar. In den Fettzellen spielen sich Prozesse ab, die das Entstehen 13 verschiedener Krebsarten begünstigen. (dpa)

Ratgeber

„Schritt für Schritt. Mehr Bewegung, weniger Krebsrisiko“ lautet der Titel eines Ratgebers der Deuschen Krebshilfe. Er kann kostenfrei bestellt werden bei der Deutschen Krebshilfe (Buschstraße 32 in 53113 Bonn) oder im Internet unter www.krebshilfe.de/infomaterial.