Sonderveröffentlichung

Neue Bedienkonzepte machen sich breit im Auto

Lässige Geste statt eines Tastendrucks

Einfach auf das Problem zeigen: Was der Fahrer tut, wird von Kameras erfasst und vom Bordcomputer übersetzt.

1.08.2020
Auto Effing

Klassische Tasten und Schalter verschwinden zunehmend aus modernen Autos. Der Einzug von Infotainment-Systemen mit Touchscreen hat viele Knöpfe überflüssig gemacht, zusätzlich gibt es häufig weitere, berührungsempfindliche Touchpads zur Befehlseingabe. Außerdem setzten die Autobauer vermehrt auf Spracheingabe-Systeme, über die sich beispielsweise ein Navigationsziel eingeben, ein Radiosender auswählen, aber auch die Temperatur einstellen lässt. Noch in den Kinderschuhen steckt dagegen die Gestensteuerung.
      

Zwar arbeiten einige Hersteller mittlerweile mit Näherungssensoren, die erkennen, wenn man mit dem Finger in Richtung Touchscreen zeigt. Erst dann werden zahlreiche Schaltflächen auf dem Bedien-Display eingeblendet. Dass sich einzelne Funktionen aber tatsächlich mit Gesten in der Luft steuern lassen, ist noch selten. Vorreiter auf diesem Gebiet war BMW. Schon seit einiger Zeit kann man in vielen Modellen der Münchner beispielsweise das Radio leiser oder lauter machen, indem man mit dem ausgestreckten Finger in der Luft nach links oder rechts kreist. Mit einer Wischgeste lässt sich ein Anruf ablehnen oder die Verkehrsdurchsage im Radio abbrechen.

Mitunter können bestimmte Gesten auch mit individuellen Funktionen belegt werden. Praktisch: Bei Mercedes erkennt das System, wenn man mit der Hand auf den unbesetzten Fahrersitz greift, und aktiviert die Leselampe als „Suchlicht“.

Die Technik dahinter ist relativ simpel: Die Hersteller setzen fast immer auf 2D- oder 3D-Kameras. Die überwachen einen gewissen Bereich. Dort werden sämtliche Bewegungen erfasst, der Computer vergleicht die Geste mit gespeicherten Bewegungsmustern und weiß, was zu tun ist.

Oder auch nicht: Vor allem bei Gesten, die mehrere Bewegungsebenen umfassen, tun sich die Systeme schwer. Deswegen kann man auch noch bei keinem System mit der von Smartphones bekannten Zoom-Geste mit zwei Fingern in der Luft die Navi-Landkarte zoomen. Außerdem kann die Technik kaum zwischen gewollten und ungewollten Gesten unterscheiden.

Durch den Einsatz künstlicher Intelligenz dürfte die Erfassung präziser werden. Dann werden auch mehr Autobauer die Gestensteuerung als Alternative zu Spracheingabe, Touchscreen und Schaltern anbieten. Dass es gar keine Tasten mehr im Auto gibt, halten Experten für ausgeschlossen. (sp-x)