Sonderveröffentlichung

Sprechstunde - Brustkrebs

Nicht jeder Knoten ist bösartig

Brustkrebs erkennen und behandeln / Veränderungen fühlen: Monatliches Abtasten ratsam

Frauen sollten ihre Brust immer zum gleichen Zeitpunkt des Zyklus abtasten. So bemerken sie Veränderungen schon früh. Foto: dpa/Christin Klose
Frauen sollten ihre Brust immer zum gleichen Zeitpunkt des Zyklus abtasten. So bemerken sie Veränderungen schon früh. Foto: dpa/Christin Klose
Frauen sollten mindestens einmai im Monat ihre Brust abtesten - und zwar immer zum gleichen Zeit im Zyklus. Es gehe vor allem darum, Värenderungen zu bemerken, sagt Gynäkologe Proffesor Wolfgang Janni von der Deutschen Krebsgesellschaft. Jeder Quadran der Brust sollte betastet werden. In der Profivariante ist der Bereich noch größer: von der hinteren Achsel bis zum Brustbein und vom Schlüsselbein bis zum unteren Rand der Brust.

Nicht jedes ertastete Knötchen ist Krebs, sondern kann auch zyklusbedingt nach ein paar Tagen wieder verschwunden sein. Deshalb sei ein ertasteter Knoten das am wenigsten eindeutige Zeichen für Brustkrebs, erklärt Professor Tanja Fehm von der Deutschen Krebshilfe. „Mit Veränderungen, die nicht innerhalb von drei bis vier Tagen weggehen, sollte man zum Arzt gehen“, sagt die Direktorin der Frauenklinik am Universitätsklinikum Düsseldorf. Auch plötzliche Veränderungen wie Orangenhaut oder Rötungen lässt man am besten vom Arzt abklären. Gleiches gilt, wenn die Brustwarzen ein blutiges oder milchiges Sekret absondern oder die Brustwarze sich einzieht.

In diesen Fällen geht die Betroffene zu ihrem Frauenarzt. Viele haben in der Praxis selbst ein Ultraschallgerät für eine erste Untersuchung. In der Regel verweist der Gynäkologe an einen Radiologen zur Mammografie – also zum Röntgen der Brust. Wenn es nach dieser bildgebenden Diagnostik keine Entwarnung gibt, wird eine Gewebeprobe entnommen, erklärt Janni. An dieser Probe wird untersucht, ob ein Tumor gut- oder bösartig ist.

Es kann passieren, dass dann die Diagnose gestellt wird, vor der sich die Betroffene gefürchtet hat: Brustkrebs. Dann sollte sie ein zertifiziertes Brustzentrum suchen und sich dort weiterbehandeln lassen. In Deutschland gibt es 280 solcher Spezialzentren, wo die Qualität der Behandlung regelmäßig überprüft wird. Meist wird der Knoten dort operativ entfernt.

Zusätzlich zum Abtasten und der jährlichen Krebsvorsorge beim Frauenarzt werden Frauen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre zum Screening eingeladen – die Kosten trägt die gesetzliche Krankenversicherung. Mithilfe dieses Verfahrens erkennen Ärzte selbst kleinste Verkalkungen. Eine Veränderung in der Brust so früh zu erkennen, kann Vorteile haben. Denn je früher ein bösartiger Tumor erkannt wird, desto besser sind die Chancen auf Heilung. Nur ist eben nicht jede festgestellte Veränderung tatsächlich Krebs.

„Ein bis zwei von 1000 Patienten wird das Leben gerettet, wenn sie zehn Jahre regelmäßig zum Screening gehen“, sagt Fehm. Bei 20 bis 30 von 1000 Frauen wird jedoch aufgrund des Ergebnisses der Mammografie Gewebe entnommen, obwohl der Tumor nie relevant geworden wäre. Dieser falsche Alarm kann für die Betroffenen psychisch sehr belastend sein. Jede Frau muss selbst entscheiden, ob für sie die Vor- oder Nachteile überwiegen. (dpa)

Mutation kann Krebs auslösen

Die Erbanlage BRCA1 gehört zur körpereigenen Krebsabwehr. Sie spielt eine zentrale Rolle bei der Kontrolle der Zellteilung und aktiviert das Selbstmordprogramm einer Zelle, wenn die DNA nicht korrekt verdoppelt wird.

Ist dieses Gen defekt, steigt das Krebsrisiko. Die Bedeutung von BRCA1 („Breast Cancer 1“, Brustkrebs 1) für Brustkrebs wurde 1994 entdeckt. Bei Frauen mit Mutationen in diesem Gen steigt das Risiko für Brusttumore auf bis zu 80 Prozent.

Inzwischen wurden mehrere weitere Erbanlagen gefunden, die das Brustkrebsrisiko erhöhen, darunter die Erbanalage BRCA2. Mutationen im BRCA1- oder BRCA2-Gen sind wahrscheinlich für etwa zwei Drittel der familiären Mammakarzinome verantwortlich. Darüber hinaus können diese Mutationen das Risiko für andere Krebsarten erhöhen. So wird die Wahrscheinlichkeit, einen Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) zu entwickeln, bei einer BRCA1-Mutation zum Beispiel auf rund 50 Prozent geschätzt.

Die Brustkrebsgene BRCA1 und BRCA2 finden sich allerdings nur bei wenigen Patientinnen. Experten gehen heute davon aus, dass höchstens fünf bis zehn von hundert Brustkrebspatientinnen ein vererbtes oder vererbbares Risiko aufweisen. (dpa)

Eigenes Gewebe ist der Goldstandart

DIEP-Flap: Brustrekonstruktion mit einem Teil des eigenen Bauchfettes

Eine anstehende Operation wird besprochen. Dr. Barbara Krause-Bergmann (r.) und Dr. Philipp Behrendt zeigen anhand einer Grafik, was geschehen wird. Foto: Franziskus-Hospital (SFM)
Eine anstehende Operation wird besprochen. Dr. Barbara Krause-Bergmann (r.) und Dr. Philipp Behrendt zeigen anhand einer Grafik, was geschehen wird. 
Foto: Franziskus-Hospital (SFM)
Brustkrebs ist eine Erkrankung, die statistisch gesehen jede achte bis zehnte Frau in ihrem Leben betrifft und damit in den westlichen Ländern die häufigste Krebsart der Frau ist. Moderne Diagnostik ermöglicht es, die Erkrankung schon in einem sehr frühen Stadium zu entdecken, zu lokalisieren und eine entsprechende, schonende Therapie einzuleiten. „Neben dem operativen Entfernen des Tumors und von Lymphknoten können eine Chemotherapie, Hormon- und Strahlenbehandlung zum onkologischen Therapiekonzept dazugehören", erläutert Dr. Barbara Krause-Bergmann. Sie ist Chefärztin der Klinik für Brusterkrankungen und Leiterin des Brustzentrums im St. Franziskus-Hospital Münster. „Neben der Bekämpfung des Krebses ist ein wichtiges Ziel, die Brust der Frau zu erhalten. Leider ist das nicht immer möglich.“

Frauen, denen eine oder selten beide Brüste abgenommen werden mussten, leiden sehr oft unter dem Zustand der Entstellung und darunter, keine ganze Frau mehr sein zu können. Eine Möglichkeit, diesen Zustand zu beheben, ist eine plastisch-chirurgische Operation, bei der zum Beispiel Silikonimplantate in die Brust gesetzt werden. Doch das ist nur eine Variante.

Bauchgewebe wird herausgelöst und im Brustbereich angenäht. Grafik: dgpraec.de
Bauchgewebe wird herausgelöst und im Brustbereich angenäht. Grafik: dgpraec.de
Eine wesentlich natürlichere Herangehensweise ist eine DIEP-Operation. Diese Lappenplastik ist der "Goldstandard" in der Brustrekonstruktion mit Eigengewebe. Bei der DIEP-Lappenplastik wird Fettgewebe aus dem Unterbauch für die Rekonstruktion der weiblichen Brust verwendet", übersetzt Dr. Philipp Behrendt. Der Facharzt für plastische und ästhetische Chirurgie ist Mitglied der Praxisklinik am Germania Campus und ausgewiesener Experte für diese Operation . Gemeinsam mit Dr. Krause-Bergmann und ihrem Team führen sie diesen Eingriff am St. Franziskus-Hospital durch. Seit über zwei Jahren arbeitet Dr. Behrendt bereits im Brustzentrum und hat zahlreiche Operationen gemeinsam mit den Ärztinnen des Brustzentrums durchgeführt.

Vereinfacht gesagt wird bei dieser Operation Gewebe aus dem Unterbauch entnommen. Dabei wird darauf geachtet, dass Haut und Fettgewebe inklusive der Blutgefäße so sauber herausgetrennt werden, dass das Transplantat mikrochirurgisch wieder mit den Blutgefäßen im Brustbereich verbunden werden kann. „Das Gewebe wird so wieder frisch durchblutet und die „neue Brust“ wird sich für die betroffene Frau sehr natürlich anfühlen. Die Brust fühlt sich weich und körperwarm an und reagiert sogar natürlich auf Veränderungen des Körpergewichts. Etwas, was Silikon-Implantate nicht können“, benennt Behrendt einen Vorteil dieser Operation. Insbesondere nach einer Bestrahlung und bei Problemen mit einer Rekonstruktion mit Implantaten ist dieses Operationsverfahren die Methode der Wahl.

Eine solche Eigengewebsrekonstruktion hält, sofern es bei der Operation keine Komplikationen gab, ein Leben lang. „Damit sind wir in der Lage, die einschneidende psychische Belastung, die durch die fehlende Brust entsteht, aufheben zu können. Die Frauen erlangen dadurch eine neue, bessere Lebensqualität und Zufriedenheit mit der wiederhergestellten körperlichen Integrität“, weiß Krause-Bergmann.




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