Sonderveröffentlichung

Was tun, wenn Kinder und Eltern leiden?

Ohne Notbetreuung in Not

Ohne Notbetreuung in Not

Gleichzeitig am Laptop arbeiten und die Kinder betreuen: Viele Eltern sind durch die Gleichzeitigkeit von Homeoffice und Kita-Schließungen besonders belastet. Foto: dpa

12.05.2020

Daheim bleiben, womöglich bis ein Impfstoff gegen das Coronavirus gefunden ist? Das würde noch viele Monate einen Spagat zwischen Homeoffice und Kinderbetreuung bedeuten. Einigen Eltern treibt der bloße Gedanke daran Tränen in die Augen – aus Verzweiflung und Überforderung. Wie kann man damit umgehen?

Björn Enno Hermans, Familientherapeut aus Essen, stellt klar: „Die psychische Belastung für Eltern ist und bleibt enorm. Keiner darf von sich erwarten, Kinder und Homeoffice gut unter einen Hut zu bekommen. Das ist einfach kaum möglich.“ Kinder bräuchten Ansprache und könnten sich gerade im Kita-Alter höchstens phasenweise selbst beschäftigen.

Hermans Tipp, um das Beste aus der Situation zu machen: den Alltag gut strukturieren und das Wochenende bewusst anders gestalten als den Rest der Woche. Das helfe auch den Kindern, besser klarzukommen.

Außerdem böten sich neben den Beschäftigungsideen, die Kitas herumschicken oder auf den Websites der Träger zur Verfügung stellen, Aktivitäten mit Bewegung im Freien an. „Die Kinder können sich durch den Gartenzaun mit den Nachbarskindern unterhalten oder mit dem Fahrrad fahren, wo genug Abstand ist“, schlägt Hermans vor. Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin in Berlin, bloggt über Familienthemen und hat selbst drei Kinder. Sie rät, gegen den Kräftemangel zwar eine Tagesstruktur zu haben, aber auch bewusst loszulassen von früheren Glaubenssätzen wie „Unter der Woche darf mein Kind nicht fernsehen“. Zeiten einzuführen, in denen die Kinder – natürlich je nach Alter – etwas gucken oder Konsole spielen dürfen ist für Eltern die Zeit, in der sie selbst runterkommen können. „Entlastung der Eltern wird es geben müssen“

Helfen kann auch, sich vor Augen zu führen, dass die Zeit dieser besonderen Lebenssituation begrenzt ist – auch wenn sie sich aktuell weiter zieht. „Man sollte auch das ehrlich den Kindern kommunizieren“, rät Familientherapeut Hermans. Wenn sie fragen, wann sie wieder in die Kita dürften, könne man etwa sagen „Nicht sehr bald“ oder „Ich weiß es nicht, aber ich hoffe noch vor dem Sommer“.

Fakt ist für Hermans: „Es wird eine Entlastung der Eltern in Form von Betreuung geben müssen, denn so geht es auf Dauer für Familien nicht weiter.“ Familien, in denen sich die Lage so zugespitzt hat, dass häusliche Gewalt droht oder eine große Verzweiflung besteht, rät Hermans dringend dazu, sich an eine Beratungsstelle zu wenden.

Das Elterntelefon des Kinderschutzbundes ist etwa unter 0800/1 11 05 50, die „Nummer gegen Kummer“ für Kinder und Jugendliche lautet 116 111. (dpa)

Klinikum Osnabrück

Vorsorge: Neue Regeln

Die Vorsorge-Untersuchungen für Babys und Kleinkinder haben eigentlich feste Termine. Wegen der Corona-Krise werden diese nun aber teilweise aufgehoben. Das haben die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der Spitzenverband der Krankenkassen beschlossen.

Konkret bedeutet das: Beginnend bei der U6, die eigentlich zwischen dem zehnten und zwölften Lebensmonat stattfinden soll, gelten die fixen Intervalle vorübergehend nicht mehr – Eltern und Ärzte können die Untersuchungen zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Keine Änderungen gibt es bei den früheren Untersuchungen U2 bis U5: Das sei aus medizinischer Sicht nicht sinnvoll. Die neuen Regeln zur Kinder-Vorsorge gelten bis Ende September 2020. (dpa)