Sonderveröffentlichung

Berufswahl
„Pflege hat mich reifen lassen“

Auf Umwegen zum Traumjob

Samstag, 02.02.2019, 12:24 Uhr

Keine Berührungsängste: Cornelia Wewers war früher eher eine Eigenbrötlerin, wie sie sagt. Als Altenpflegerin hat sie gelernt, auch Nähe zuzulassen. Foto: Starke Pflege in Münster/Uwe Jesiorkowski
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Im Kampf gegen die Personalnot in der Pflege setzt die Bundesregierung darauf, deutlich mehr Auszubildende zu gewinnen. Dabei sind bislang wenige Schüler daran interessiert, später einen Beruf in der Pflege zu ergreifen. Aber: Dieser Bereich bietet nicht nur eine zukunftssichere, sondern auch eine erfüllende Tätigkeit, wie das Beispiel von Cornelia Wewers zeigt. Die 30-Jährige hat alles, was für eine Pflegekraft selbstverständlich sein sollte: eine professionelle und positive Haltung zum Beruf. Dabei fand sie erst über Umwege zu diesem Job. 

Ihr Werdegang: Sie ist gelernte Mikrotechnologin, arbeitete dann in einem Call Center. „Der Beruf in der Mikrotechnologie war zu langweilig“, erzählt Cornelia Wewers. Bei der Entscheidung für die Altenpflege ging es ihr zunächst darum, einen Job mit Zukunft zu finden. Bei dem Johanniter- Fachseminar für Altenpflege wurde sie gut beraten – so fand sie heraus, ob sie eher der Typ für die ambulante oder stationäre Pflege ist und welcher Träger zu ihr passen könnte. „Ich hatte eine sehr gute Schulleitung, die uns aufgezeigt hat, dass Pflege eine Profession ist. Wir sind ein eigenständiger Bereich im Rahmen der medizinischen Versorgung – und das ist weit mehr als nur satt und sauber.“ Rückblickend sagt sie: „Das, was ich in der Ausbildung gelernt habe, konnte ich auch im pflegerischen Alltag anwenden.“

»Der Beruf hat mich geerdet.«

Altenpflegerin Cornelia Wewers

Cornelia Wewers lernte mehrere Häuser kennen, bevor sie als Pflegefachkraft im Altenwohnheim St. Lamberti durchstartete, einem Haus der Caritas in Münster. Der Beruf hat sie sehr geprägt: „Er hat mich reifen lassen und geerdet“, sagt sie. „Der Job hat mir gezeigt, worauf man den Fokus im Leben legen sollte, weil man sieht, wie schnell alles einen anderen Verlauf nehmen kann.“

Und eine weitere Veränderung nahm sie an sich wahr: Sie wurde zum Teamplayer. Früher war sie eher introvertiert und eigenbrötlerisch. Das hat sich völlig verändert – und hat auch etwas mit ihrer beruflichen Haltung zu tun, wie sie sagt. „Ich bin viel offener und kann heute auch körperliche Nähe zulassen, weil das unser Beruf immer wieder erfordert. Ich kann jemanden in den Arm nehmen, wenn er traurig ist oder sich freut.“ Für den Job benötige man außerdem eine gewisse körperliche Fitness, erklärt die 30-Jährige. „Ich finde das Klischee vom dicken Altenpfleger überholt. Ich laufe pro Schicht zwischen 10 000 und 14 000 Schritte. Außerdem braucht man eine unglaublich starke Psyche. Wer andere pflegt, muss auch sich pflegen.“

Mehr Pflege-Azubis geplant

Für den Kampf gegen die Personalnot in der Pflege soll nach dem Plan der Bundesregierung die Aus- und Weiterbildung deutlich verstärkt werden. Bis 2023 soll die Zahl der Azubis und ausbildenden Einrichtungen im bundesweiten Schnitt um zehn Prozent im Vergleich zu diesem Jahr zulegen. Geplant sind auch 5000 Weiterbildungsplätze. Mit Akteuren in diesem Bereich wurden dazu 111 Maßnahmen festgehalten, darunter auch eine Öffentlichkeitskampagne für den Pflegeberuf. Ab 2020 greift außerdem die bereits beschlossene Neuregelung der Pflegeausbildung – dann soll bundesweit kein Schulgeld mehr fällig werden, Azubis sollen vielmehr Vergütungen bekommen. (dpa)
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