Sonderveröffentlichung

Was man zur neuen HU-Frist wissen muss

Plakette noch gültig?

Auch in Corona-Zeiten muss man sein Auto der Hauptuntersuchung unterziehen lassen, um eine gültige Plakette zu erhalten                    Foto: Drunkenmölle

22.06.2020

Vier statt zwei Monate: Autofahrer sollen in der Corona-Krise die Frist zur Hauptuntersuchung (HU) länger als bisher ohne Bußgeld überschreiten dürfen. Ein Überblick, was das das im Einzelnen bedeutet:

Was ändert sich genau?

Bisher blieb das Fahren mit abgelaufener Prüfplakette nur für zwei Monate ohne Folgen. Danach drohte von Polizei oder Ordnungsamt ein Bußgeld von 15 Euro. Ab vier Monaten stieg der Betrag auf 25 Euro, bei mehr als acht Monaten auf 60 Euro. Nun sollen die ersten vier Monate Verzug nicht geahndet werden. Das gilt für Privat- und Nutzfahrzeuge, heißt es vom Bundesverkehrsministerium.

■ Wer hat zu entscheiden?

Die Empfehlung ging vom Verkehrsministerium an die Bundesländer. Wie eine Sprecherin auf Nachfrage erklärte, handele es sich nicht um ein Gesetz, das die geltende BußgeldkatalogVerordnung außer Kraft setzt. Die Umsetzung der Empfehlung obliegt den Ländern.

■ Ist es noch möglich, eine HU zu machen?

Ja. Allerdings gestalte sich die Zahl der geöffneten Prüfstellen aufgrund der verschiedenen Verordnungen in den Bundesländern sehr unterschiedlich, so der Verband der Tüv. Die Prüf-Organisation GTÜ betonte indes auf Twitter, die HU sei auch in der aktuellen Situation weiterhin geregelt möglich. „Man kriegt einen Termin, wenn man möchte“, sagt Vincenzo Lucà vom Tüv Süd. Dieser sollte jedoch telefonisch oder online vereinbart werden. Auch Kfz-Werkstätten sind weiterhin geöffnet.

■ Was bedeutet eine überzogene HU für die Versicherung?

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) stellt klar: Auch wer mit abgelaufener Plakette einen Unfall baut, ist grundsätzlich versichert. Die Kfz-Haftpflichtpolice komme für die Schäden des Unfallgegners auf – auch wenn die Ursache ein Defekt sei, der bei der HU wohl behoben worden wäre.

Die Kaskoversicherung, die für Schäden am eigenen Auto zahlt, könnte aber in seltenen Fällen wegen grober Fahrlässigkeit die Leistung kürzen. Etwa, wenn der Fahrer wissentlich mit defekten Bremsen unterwegs war. Es sei in keinem Fall ratsam, mit einem Auto loszufahren, das technische Mängel aufweist, so der GDV. Im Zweifel sei es sicherer, das Fahrzeug stehen zu lassen.

Die Bundesländer und das Bundesverkehrsministerium vertreten die Auffassung, dass die Durchführung von regelmäßigen technischen Untersuchungen (Hauptuntersuchungen) der Sicherheit im Straßenverkehr dient und zur Aufrechterhaltung der systemrelevanten Logistikketten notwendig ist.

Um die Mobilität weiterhin zu sichern, bleiben deshalb die Stationen vom TÜV NORD geöffnet. Da die Gesundheit der Mitarbeitenden, Kunden und Partner an oberster Stelle steht, finden die Fahrzeuguntersuchungen unter Einhaltung aller wirksamen Schutzmaßnahmen statt.

Im Vorhinein sollte entweder über das Telefon oder online (www.tuev-nord.de) ein Termin vereinbart werden. Um die Anzahl der direkten Kontakte bestmöglich zu reduzieren, werden die Fahrzeughalter darum gebeten, den Anweisungen vor Ort zu folgen. Zudem sollte auf Bargeld verzichtet und stattdessen die Möglichkeit zur Kartenzahlung genutzt werden.

Und: die Autofahrerinnen und Autofahrer können derzeit leider der Prüfung in der Prüfgasse nicht beiwohnen. (dpa)

Zwei Monate Zeit

Fahrzeuguntersuchungen werden unter Einhaltung aller wirksamen Schutzmaßnahmen weiterhin durchgeführt. Die Frist zur Nachuntersuchung für „Hauptuntersuchungen mit Mängeln“ beträgt für das Jahr 2020 zwei Monate anstatt einem Monat (außer in den Bundesländern Bremen und Niedersachsen, hier bleibt es bei einem Monat). Das Verwarnungsgeld der Polizei oder des Bundesamts für Güterverkehr beim Überziehen des HU-Termins, für bis zu vier Monate, wurde bis voraussichtlich Ende 2020 ausgesetzt.

Wie man eine Rettungsgasse bildet

Empfindliche Strafen drohen

Ein Unfall, Stau, Martinshörner. Wer erst jetzt auf Autobahnen oder mehrspurigen Außerortsstraßen eine Rettungsgasse bildet, ist viel zu spät dran. Schon wenn der Verkehr stockt und die Fahrzeuge mit Schrittgeschwindigkeit rollen, müssen Autofahrer ebenso wie Motorradfahrer diese Gasse für die Rettungskräfte und Einsatzfahrzeuge frei machen, erläutert der ADAC.

Wie das geht? Ganz einfach: Alle auf der linken Spur fahren nach links, alle anderen Fahrstreifen orientieren sich nach rechts. So bildet sich die Gasse immer zwischen dem linken und den anderen Fahrstreifen. Dabei die Warnblinkanlage einschalten, um Nachfolgende zu warnen.

Aber Achtung: In der Regel darf man den Standstreifen nicht befahren. Es sei denn, die Polizei fordert explizit dazu auf oder Platzgründe lassen keine andere Möglichkeit der Gassenbildung zu. In engen Bereichen wie Autobahnbaustellen sollte man möglichst weit links beziehungsweise rechts fahren.

Wer keine Gasse bildet, muss mit Bußgeldern zwischen 200 und 320 Euro sowie stets zwei Punkten in Flensburg und einem einmonatigen Fahrverbot rechnen. (dpa)


Auch kurzer Handy-Blick führt zu weitem Blindflug

Tödliche Gefahr

Wer als Autofahrer den Blick von der Straße nimmt, riskiert selbst bei vermeintlich geringem Tempo einen potenziell tödlichen Blindflug. Dafür reichen schon Sekunden aus, warnt die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU).

Wer zum Beispiel drei Sekunden lang auf dem Handy eine SMS checkt, nimmt bei Tempo 50 auf einer Strecke von etwa 42 Metern nichts mehr vom Verkehrsgeschehen war. Auf der Autobahn bei Tempo 120 werden schließlich schon 100 Meter Blindflug daraus.

Gefahren durch Ablenkung bestehen grundsätzlich auch für Fahrrad- und E-Roller-Fahrer sowie Fußgänger, warnt die DGOU. Auch sie sollten sich nicht dazu verleiten lassen, unterwegs aufs Handy zu schauen. (dpa)