Sonderveröffentlichung

Gesund durch das Babyjahr

Quasi in Glück gebadet?

Quasi in Glück gebadet?

Das erste Babyjahr ist für Eltern schön – und stressig. Foto: dpa

12.05.2020
Bahn BKK

Es ist kein Schlaf, es ist ein halbwaches Dämmern. Es ist kein Essen, mehr ein schnelles Futtern zwischen zwei langanhaltenden Schreiattacken. Das erste Babyjahr ist für Eltern schön – und stressig. Kann so viel Anstrengung gesund sein?

Die Frage ist nicht leicht zu beantworten, sagt Ulrike von Haldenwang vom Deutschen Hebammenverband. „Mit einer schönen Geburt und einem gut vorbereiteten Wochenbett ist es in der Regel so, dass die Freude überwiegt.“ Gleichzeitig passiere es aber, dass Eltern die Anstrengung unterschätzen und sich ernsthafte Probleme einhandeln – auch psychischer Art, bis hin zur Depression.

„Es gibt da diese weit verbreitete Vorstellung, dass man quasi in Glück gebadet ist“, sagt von Haldenwang. Und jede Mutter und jeder Vater weiß, dass an diesem Klischee viel Wahres dran ist. „Aber diese enorme emotionale Tiefe der Gefühle kann eben auch belasten“, warnt die Expertin. „Von den praktischen und körperlichen Anstrengungen ganz abgesehen.“

Wie die Geburt verläuft, lässt sich kaum planen. Das Wochenbett vorbereiten kann dagegen jeder. Und dabei kommt es nicht zuerst auf ein fertig eingerichtetes Kinderzimmer an, so von Haldenwang. „Ganz wichtig bei der Vorbereitung des Wochenbetts ist die Gesprächskultur in der Beziehung.“

Denn gerade die ersten Wochen mit Kind seien oft ein Härtetest dafür, wie ein Paar kommuniziert: „Kann man gute Absprachen treffen, kann man gut verhandeln, kann man offen über seine Bedürfnisse sprechen?“, so von Haldenwang. Auf Grundlage einer vernünftigen Gesprächskultur lasse sich dann auch über Schlaf reden: „Es ist natürlich so, dass man im ersten Jahr mit Kind weniger und auch schlechter schläft, weil man angespannter ist“, sagt von Haldenwang. Manche vertragen das aber besser als andere. „Da sollte man also am besten vorher aushandeln, wie man damit umgeht.“

Übrigens: Längst nicht immer ist die Mutter diejenige, die wenig Schlaf besser aushält – auch wenn sich die Legende hartnäckig hält und zu ungerechter Aufteilung führt. „Eine Studie aus den Vereinigten Staaten zeigt, dass vor allem Mütter in den ersten zwei Lebensjahren der Kinder bis zu sechs Monate an Schlaf verlieren, während Väter selig weiterschlummern“, erzählt der Schlafforscher Hans-Günter Weeß.


Müssen Kinder alles aufessen?

Klar wurmt es Eltern, wenn ihre Kochkünste von den lieben Kleinen so gar nicht gewürdigt werden. Erst recht, wenn die Racker den Teller schmollend wegschieben. Auch wenn die Versuchung noch so groß ist: Jetzt bloß nicht den verzweifelten Uroma-Spruch „Wenn du nicht aufisst, scheint morgen keine Sonne“ auftischen.

Schließlich hat sich schon Generationen von Kindern nicht erschlossen, was leere Teller mit dem Wetter zu tun haben sollen. Und überhaupt: Müssen Kinder heutzutage noch aufessen?

Die Frage beantwortet Dana Mundt von der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) mit einem klaren „Nein“. Es sei nicht schlimm, wenn das Kind mal nur Kartoffeln isst – oder auch mal gar nichts. In der Regel reguliere der Körper das ganz gut von allein. Statt gekränkt zu sein, kommt es für die Sozialpädagogin vielmehr darauf an, dass Eltern den Kindern ein gesundes Essverhalten vorleben. Dazu gehöre auch, dass niemand gezwungen wird, über seinen Sättigungspunkt hinaus zu essen. Mäkelt das Kind sehr oft am Essen rum, sollten Eltern nach Möglichkeiten versuchen, Freude am Genuss zu vermitteln. „Vielleicht mit Lieblingsessenstagen wie dem Nudelfreitag“, schlägt Mundt vor.

Hilfreich kann es auch sein, das Kind beim Einkaufen und Kochen mit einzubeziehen: „Was wollen wir mal Neues ausprobieren?“ Will das Kind dann eine Mahlzeit extra nur für sich, könnte der Deal sein: „Okay, dann kostet aber jeder mal vom anderen“, sagt Mundt. So könne man Verschmähtes mit Abwechslung ruhig immer wieder ins Spiel bringen. Eine weitere Idee sei Gemüse aus der Saftpresse. „Das kommt meist gut an. Oder man drapiert es zum Gemüsekrokodil“, so Mundt.

Die Erziehungsexpertin warnt davor, Kinder zu zwingen, kaltes und nicht mehr ansehnliches Essen in sich hineinzustopfen. (dpa)