Sonderveröffentlichung

Berufswahl
Sonne und Selbstvertrauen

Handwerkskammer berät Auszubildende zu Einsätzen auf anderen Kontinenten

Samstag, 22.06.2019, 11:35 Uhr

Leon Arend ist Tischlerlehrling aus Dorsten. Er reiste während der Ausbildung für vier Wochen nach Australien. Seine Erlebnisse: im Betrieb lernen, in der Freizeit am Strand sein und voller Selbstbewusstsein zurückkommen. Foto: Timmermann/HWK
Anzeige
items GmbH
Stadtwerke Emsdetten GmbH
Schulte & Karlsfeld Fachanwälte für Arbeitsrecht PartGmbB
Steverteam Mobile Pflege
Während und nach der Ausbildung die Welt und seinen Beruf neu kennenlernen – das Handwerk macht es möglich. Für den Weg ins Ausland stehen verschiedene Türen offen. So besteht die Möglichkeit, bereits in der Lehre an Austauschen oder individuellen Praktika in Europa und anderen Kontinenten teilzunehmen. Auch während einer Fortbildung zum Meister ergeben sich Gelegenheiten für geförderte Auslandspraktika. Die Programme gelten zudem bis ein Jahr nach der Gesellen-, Abschluss- oder Meisterprüfung. Die Kontaktstelle Ausland der Handwerkskammer Münster berät und vermittelt.

Neu in ihrem Serviceangebot ist das Förderprogramm „Ausbildung weltweit“. Hier bezuschusst das Bundesbildungsministerium Auslandspraktika während der beruflichen Erstausbildung. Einer der Ersten im Kammerbezirk Münster, die damit die Welt und ihren Beruf neu kennenlernten, ist Leon Arend. Der Tischlerlehrling reiste für vier Wochen nach Australien. Seine Erlebnisse: im Betrieb lernen, in der Freizeit am Strand sein und voller Selbstbewusstsein zurückkommen.  

»Ich dachte, was andere können, schaffe ich auch.«

Tischlerlehrling Leon Arend

Arends Ausbildungsbetrieb, die Tischlerei Timmermann Objekteinrichtungen und innovativer Möbelbau in Dorsten, hat schon mehrere Auszubildende während der Lehrzeit bei einem Lernaufenthalt im Ausland unterstützt. Bislang waren es jedoch Ziele innerhalb Europas.

Im letzten Jahr bot die Kontaktstelle Ausland verschiedenen Tischlereien an, einen Lehrling aus dem zweiten Ausbildungsjahr für vier Wochen zu einem Tischlerbetrieb in Australien zu vermitteln. Unternehmerin Susanne Timmermann war von dieser Chance sofort begeistert und gab das Angebot an zwei ihrer Lehrlinge weiter. Beide lehnten die Reise ab. Erst danach sprach sie einen dritten Auszubildenden an und dieser sagte – wider Erwarten – sofort zu.

Dass die Ausbilderin damit nicht unbedingt gerechnet hatte, erklärt sie mit der Vorbildung dieses Lehrlings: Leon Arend hatte vor Beginn seiner Ausbildung zum Holzbearbeiter die Förderschule besucht und dort keinerlei Englischkenntnisse erworben. Zudem hatte sie ihn bis zu diesem Zeitpunkt in seiner Persönlichkeit als ausgesprochen zurückhaltend erlebt. Trotzdem war Leon sofort Feuer und Flamme: „Ich dachte, was andere können, schaffe ich auch“, antwortet er heute selbstbewusst auf die Frage, ob er damals vor der Entscheidung für eine solche Fernreise keinerlei Bedenken gehabt habe.

Susanne Timmermann hat bei der Vorbereitung des Lernaufenthaltes alles getan, damit dieses Erlebnis für ihn erfolgreich wird: Mit dem Unternehmer Sebastian Kopiec, der vor Jahren aus Deutschland ausgewandert ist und seinen Betrieb in der Nähe von Sydney hat, nahm sie selbst Kontakt auf, weil dieser sich anfangs nicht so recht vorstellen konnte, dass Leon seinen Aufgaben in seiner Tischlerei gewachsen sei. Als sie seine Einwände aus dem Weg geräumt hatte, buchte sie zusammen mit Leon den Flug und die Unterkunft. Bereits zwei Wochen nach der Arbeitsaufnahme ihres „Schützlings“ in dem australischen Unternehmen, bestätigte Tischler Kopiec, dass sie ihm nicht zu viel versprochen hatte. Per Mail schrieb dieser an die HWK: „Ich bin super glücklich, etwas von mir an diesen jungen Mann weitergeben zu können, der sich bei mir so klasse wie ein Rockstar präsentiert.“

Tatsächlich hat sich Leon in Australien während der gesamten Zeit rundum wohlgefühlt. „Die Kollegen waren nett, die Sprache war kaum ein Hindernis.“ In seiner Freizeit habe er den Strand in der Nähe seiner Unterkunft genossen. Am Ende habe ihm der deutsche Unternehmer in Australien sogar ein Arbeitsangebot gemacht.

Auch Susanne Timmermann ist bis heute überrascht, wie sehr sich Leon durch diese Reise entwickelt hat: „Er ist mit einer ordentlichen Portion Selbstbewusstsein und großem Stolz in den Ausbildungsbetrieb zurückgekehrt.“ Nicht nur er selbst, sondern die ganze Firma sei von dem Erfolg des Lehrlings begeistert. „Wir merken alle, wie gut sich Leon gemacht hat und wissen nun, dass wir ihm viel mehr zutrauen dürfen als wir es vorher getan haben.“

Sebastian Kopiec sucht weitere Auszubildende, die mindestens im zweiten Lehrjahr sind und über das Programm „Ausbildung weltweit“ ein dreißigtägiges Praktikum in seiner Tischlerei machen möchten. Diese sitzt in Brookvale, etwa zwanzig Kilometer nördlich von Sydney.

Zweifel am Berufsziel Lehramt

Workshop in der Agentur für Arbeit
Sonne und Selbstvertrauen Image 1
Für viele ist der Lehrerberuf ein Traumjob. Doch manchen kommen während des Studiums oder des Vorbereitungsdienstes Zweifel. Für sie bietet das Team akademische Berufe der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster einen Workshop an. Am Montag, 1. Juli, haben Interessierte die Möglichkeit, von 9 bis 15.30 Uhr in der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster, Martin-Luther-King-Weg 22 in Münster, ihre beruflichen Perspektiven zu erörtern und zu klären.

„Zweifel am Berufsziel Lehrer sind nicht ungewöhnlich“, berichtet Wolfgang Abeln, Leiter des Teams akademische Berufe der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster. „In solch einer Situation ist es wichtig, sich die aktuelle Situation und die Ursachen für die Zweifel genau anzuschauen.“ Mit einer individuellen Bestandsaufnahme beginnt daher der Workshop. Danach folgt die Arbeit an beruflichen Perspektiven.

Am Ende der Veranstaltung steht die Entwicklung von Strategien, wie das Berufsziel erreicht werden kann. Im Workshop gibt es dazu Tipps. Auch weitere Unterstützungsmöglichkeiten werden vorgestellt.

Angesprochen sind Studierende, Absolventen und Personen im Vorbereitungsdienst mit dem (ursprünglichen) Ziel Lehramt. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, ist eine Anmeldung per E-Mail an: Ahlen-Muenster.Hochschulteam@arbeitsagentur.de unter Angabe des Studienfachs, der vollständigen Adresse und Telefonnummer unbedingt erforderlich. Anmeldeschluss ist Mittwoch, 26. Juni.

Mehr Azubis, aber weniger Frauen

Die Zahl der Auszubildenden in Nordrhein-Westfalen ist zum zweiten Mal in Folge gestiegen nach einem langen Rückgang seit 2008. Landesweit befanden sich Ende 2018 insgesamt 299 232 junge Menschen in einer dualen Ausbildung, wie das Statistische Landesamt in dieser Woche mitteilte. Das entspricht einem Plus von 1707 beziehungsweise 0,6 Prozent Auszubildenden gegenüber dem Vorjahr. Maßgeblich dafür sei die höhere Zahl ausländischer Auszubildender gewesen, die um 4683 beziehungsweise 19,3 Prozent auf 28 971 stieg.

Mehr Auszubildende als 2017 zählten die Statistiker in fast allen Bereichen der Wirtschaft bis auf die Landwirtschaft und den Bereich Hauswirtschaft sowie den öffentlichen Dienst. Allerdings ging nach Geschlechtern betrachtet die Zahl der weiblichen Auszubildenden erneut zurück. Ihre Zahl sank um 2175 auf 106 896 und damit auf den niedrigsten Stand seit den Aufzeichnungen 1976.

Die Zahl aller Auszubildenden mit einem neu abgeschlossenen Ausbildungsvertrag war mit 117 153 um 1,4 Prozent höher als ein Jahr zuvor. (dpa)
Datenschutz