Sonderveröffentlichung

Rund um das Auto
Spielerei mit Risiko

Mehr PS durch Chip-Tuning

Sonntag, 21.10.2018, 11:15 Uhr

Schneller sollen die Autos werden, dafür greifen die Besitzer gerne zu Tuning-Maßnahmen. Foto: Audi AG
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Schon ab 15 Euro werden Leistungssteigerungen von bis zu 50 Prozent versprochen. Je billiger das Angebot ist, desto größer ist aber auch das Risiko, dass die versprochene Leistung nicht erreicht wird.

Bei Widerstands- und Zwischenstecker-Lösungen etwa wird eine elektronische Schaltung zwischen Motorsteuergerät und Einspritzung beziehungsweise Sensoren gesteckt. Sie gaukelt falsche Werte vor, so dass mehr Kraftstoff zugemessen wird. Sie sind aber nicht immer individuell an die jeweiligen Motoren angepasst. Ähnlich läuft es beim „10-Cent-Tuning“ ab. Hier wird ein Widerstand zwischen einem Temperaturgeber und dem Motorsteuergerät eingebaut. Er täuscht falsche Werte vor, was ebenfalls dazu führt, dass mehr Kraftstoff eingespritzt wird.

Eine Neuprogrammierung des Steuergeräts bietet mehr Möglichkeiten der Abstimmung. Viele Fahrzeuge lassen sich heute durch Anstecken an die OBD-Schnittstelle umprogrammieren. Teilweise gibt es auch Geräte, die der Kunde selbst anschließen kann. Bei anderen Modellen ist es erforderlich, das Motorsteuergerät auszubauen und zu öffnen, was zum Teil jedoch durch diebstahlsicher verbaute Steuergeräte erschwert ist und für bleibende Spuren sorgen kann.

Manche Fahrzeughersteller statten ihre Motorsteuergeräte mit einem Schutz vor Chiptuning aus, der jedoch vielfach wiederum bereits „geknackt“ wurde. Freilich hängt die erzielbare Leistungssteigerung und – oft noch viel wichtiger – die Leistungsentfaltung stark vom Können des Programmierers ab. Es gibt Fahrzeuge, die nach einem Chip-Tuning fast unfahrbar sind, weil sie so unberechenbar beschleunigen.

Die Risiken des Tunings können dabei recht hoch ausfallen: Diese sind nicht funktionierende Steuergeräte, weil die neue Software nicht läuft sowie eine erhöhte Belastung des Antriebsstranges (Kupplung, Getriebe, Antriebswellen, Reifen) und der Bremsanlage. Überhöhte Temperaturen, Einspritzdrücke und Turbolader-Drehzahlen können zudem zu Defekten führen.

Außerdem gilt: Jegliche Veränderung an der Motorleistung muss geprüft und genehmigt werden. Wenn hierfür kein Mustergutachten vorliegt, kann das noch einmal so viel kosten wie das Chip-Tuning selbst. Wird das nicht eingetragen, erlöschen Zulassung und Versicherungsschutz – mit fatalen Folgen für den Fahrzeugeigner. Daher muss die Motor-Mehrleistung auch dem Versicherer gemeldet werden, der dann unter Umständen die Prämie erhöht. Eine veränderte Software des Motorsteuergeräts kann zur Folge haben, dass Werkstatt-Tester keine korrekten Werte mehr anzeigen. Auch bei der Abgas-Untersuchung (AU) kann es zu Problemen kommen. Vereinzelt ist es nicht mehr möglich, mit dem Diagnosetester den Fehlerspeicher auszulesen. (ADAC)
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