Sonderveröffentlichung
Kinderwunsch bei Krebs

Universitätsklinikum Münster: Dank eisgekühlter Reserve zum Elternglück

Universitätsklinikum Münster: Dank eisgekühlter Reserve zum Elternglück

Matthis mittendrin: Jana und Sven Duisen mit ihrem Sohn sowie Gynäkologe Dr. Sebastian Schäfer und Tanja Sperlbaum, Oberärztin im UKM Kinderwunschzentrum. Foto: UKM/Fotozentrale/Wibberg

Eigentlich wollte Jana Duisen im Herbst 2021 ihr Brautkleid aussuchen, als sie und ihr Mann Sven endlich die lang vom ersehnte Botschaft Kinderwunschzentrum am UKM (Universitätsklinikum Münster) bekamen: Der war Schwangerschaftstest positiv. „Ich habe da gar nicht mehr mit gerechnet", erinnert sich die heute 35jährige Grundschullehrerin aus dem niedersächsischen Bad Iburg an diesen besonderen Moment. Denn 2014 war sie an Lymphdrüsenkrebs erkrankt, und es war lange nicht klar, ob sie nach dessen Behandlung würde Kinder bekommen können. Die Brautkleidsuche und der Termin für die kirchliche Hochzeit wurden kurzerhand verschoben. Im Juli 2022 kam Sohn Matthis Peter zur Welt und bereichert seither den Familienalltag.

„Häufig erfordern Krebserkrankungen aggressive Therapien. Diese können zum Verlust der Fruchtbarkeit führen", erklärt Tanja Sperlbaum, die die Duisens im UKM Kinderwunschzentrum am WTZ (Westdeutsches Tumorzentrum) Münster betreut. Ist die Krankheit dann überstanden, so die Oberärztin, wachse bei jungen Betroffenen nicht selten ein starker Kinderwunsch heran. Daher sei es wichtig, diese Patientinnen bereits vor Therapiebeginn über die verschiedenen Möglichkeiten zum Erhalt der Fruchtbarkeit aufzuklären. Ich hatte bei meiner Behandlung in der Klinik in Osnabrück einen tollen Assistenzarzt, der mir erzählt hat, dass man Eierstockgewebe entnehmen und später wieder einpflanzen lassen kann", ist Jana Duisen dankbar, die Information damals rechtzeitig vor Chemo- und Strahlentherapie bekommen zu haben. ,,Deswegen ist mir wichtig, dass auch andere betroffene Frauen davon erfahren."

Nach der Beratung im UKM Kinderwunschzentrum wurden 2014 kurz nach der Diagnose dann Teile des Gewebes durch Dr. Sebastian Schäfer, Oberarzt in der Frauenklinik, operativ entfernt und anschließend bei minus 196 Grad Celsius gelagert. „Der Eingriff kann per Bauchspiegelung erfolgen", so der Gynäkologe. Anders als bei der bekannteren Alternative, dem Einfrieren von Eizellen, komme es nicht zur Verzögerung bei der Behandlung. „Die Gewinnung von Eizellen ist erst nach einer Stimulation der Eierstöcke möglich und benötigt einen Vorlauf von mindestens zwei Wochen", erklärt Schäfer. Gerade bei aggressiven Krebserkrankungen sollte die Therapie jedoch schnellstmöglich starten. Dann sei die sogenannte Kryokonservierung des Eierstockgewebes eine wichtige Option. Ein weiterer Vorteil: Auch bei krebskranken Mädchen, die noch nicht in der Pubertät sind, kann das Verfahren angewandt werden.

"Ich hatte bei meiner Behandlung (...) einen tollen Assistenzarzt, der mir erzählt hat, dass man Eierstockgewebe entnehmen und später wieder einpflanzen lassen kann."
Jana Duisen

Vor gut zwei Jahren entschloss sich Jana Duisen dann, das entnommene Gewebe wieder implantieren zu lassen. Dafür fuhr sie zum Universitätsklinikum in Erlangen, das sich auf diese Operation spezialisiert hat. Danach brauchte es etwas Zeit und vorübergehend hormonelle Unterstützung, bis der Zyklus wieder einsetzte. „Man verliert schon etwas den Mut, wenn es nicht klappt", erinnert sie sich an diese nervenaufreibende Zeit.

„Das Verfahren gilt inzwischen als etabliert, aber wir haben bisher noch wenig Zahlen zu daraus resultierenden Schwangerschaften - häufig wird das Gewebe ja erstmal über viele Jahre eingelagert", erklärt Privat-Dozentin Dr. Verena Nordhoff, Reproduktionsbiologin am UKM und Vorstandsmitglied im Netzwerk FertiPROTEKT, dessen Ziel es ist, Frauen und Männer vor einer potenziell keimzellschädigenden Therapie hinsichtlich möglicher fertilitätserhaltender Maßnahmen zu informieren. Nicht unwesentlich sei bei der Entscheidungsfindung häufig auch der Kostenfaktor. Im August 2022 hat der Gemeinsame Bundesausschuss den bisherigen Anspruch für gesetzlich Versicherte ergänzt", so Nordhoff. Zusätzlich zum Einfrieren von Ei- oder Samenzellen soll für junge Frauen ab der ersten Regelblutung sowie für ältere Frauen bis zum vollendeten 40. Lebensjahr künftig auch die Kryokonservierung von Eierstockgewebe eine Kassenleistung werden. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Chancen auf eine Schwangerschaft auf diesem Wege mit fortschreitendem Alter zum Zeitpunkt der Gewebeentnahme abnehmen", ergänzt Nordhoffs Kollegin Tanja Sperlbaum. Die Methode führe leider nicht immer zur Erfüllung des Kinderwunsches.

„Wir haben Glück gehabt", weiß Jana Duisen. „Es war anstrengend, aber es hat sich gelohnt." Jetzt gewöhnt sich die junge Familie an das Leben zu dritt. Auch das passende Brautkleid und ein neuer Termin für die kirchliche Hochzeit im kommenden Sommer sind inzwischen gefunden. (pm/ukm/lie)


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