Sonderveröffentlichung

Verteilungsfehler sind irreparabel

National-Bank betont Bedeutung einer systematischen Asset Allocation

Dienstag, 19.11.2019, 04:00 Uhr

Die Verteilung des Vermögens auf unterschiedliche Anlageklassen ist entscheidend für den Erfolg. Foto: colourbox
Münster. Der Entscheidungsprozess zur Errichtung und Variation von Aktienanlagen erfordert Auswahlentscheidungen des Anlegers. Diese Auffassung vertritt Ekkehard D. Link. Er ist Leiter der Kapitalmarkt-Analyse bei der National-Bank in Essen. Die „richtige“ geografische Auswahl eines Aktienmarkts zur Anlage (verbunden mit einer mehr oder minder bewusst getroffenen Entscheidung für den zugehörigen Währungsraum), die Wahl der „richtigen“ Branchen und der „richtigen“ Einzeltitel und schließlich das „Timing“ des Eingehens und Wiederauflösens von Aktienpositionen beschreiben laut Link die dabei zu treffenden Entscheidungen.

Seit Jahrzehnten sei bekannt und durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt, dass diese verschiedenen Entscheidungen keine gleichgewichtigen, sondern höchst unterschiedliche Auswirkungen auf den dabei mittelfristig erzielten Anlageerfolg nach sich ziehen. So zeichne etwa die Auswahl bestimmter Einzelaktien für gerade einmal rund fünf Prozent des damit auf Sicht von zwölf bis 18 Monaten erzielten Anlageerfolges verantwortlich. Im Gegensatz dazu bestimmt laut Link die vorgenommene Aufteilung der zur Verfügung stehenden Anlagemittel, die sog. „Asset Allocation“ (z. B. „Wie viel Aktien, wie viel Geldmarkt?“ oder „Welche Aktienquote, in welchem Aktienmarkt?“), den mit der Aktienanlage im genannten Zeitrahmen erzielten Anlageerfolg zu mehr als 85 Prozent. Anders ausgedrückt: Eine fehlerhafte bzw. unvorteilhafte Entscheidung im Rahmen der Asset Allocation sei so gut wie „irreparabel“. Keine der nachgelagerten Branchen-, Einzeltiteloder Timing-Entscheidungen könne sie korrigieren. Grund genug zur Frage: „Gibt es Ansätze zur planvollen und systematischen Gestaltung der Asset Allocation, die mittelfristig die Erzielung eines Anlageerfolges wahrscheinlich machen?“

Als Anlageerfolg könne hierbei nur gelten, dass unter Beachtung des einzugehenden Anlagerisikos ein Mehrertrag gegenüber dem einer sachgerecht ausgewählten Vergleichsanlage erzielt wird. Hielte man das nicht für erreichbar, wäre die logische Handlungsempfehlung für den Anleger, alle beschriebenen, der Asset Allocation nachgelagerten Auswahlentscheidungen zu unterlassen und die mit diesen verbundenen Kosten zu vermeiden: Stattdessen böte es sich an, die Vergleichsanlage selbst (etwa in der Form eines ETF auf den betreffenden Aktienindex) zu erwerben und zu halten.

Der 3. Münsterländische Vermögenstag ist ausverkauft! Doch es steht schon fest: Am 19. November 2020 findet der 4. Münsterländische Vermögenstag der Westfälischen Nachrichten in Münster statt.

Die Arbeitsmittel der quantitativen Finanzanalyse bieten nach Meinung des Anlageexperten verschiedene Möglichkeiten zur Schaffung eines planvollen und systematischen Entscheidungsprozesses für die Erstellung und Variation der Asset Allocation. Ein vergleichsweise einfach zu realisierender und auch und gerade in der institutionellen Anlagepraxis anzutreffender Ansatz, der als „Dynamische Asset Allocation“ (DAA) bezeichnet wird, könne zum Beispiel dafür als Grundlage dienen. Dieser Ansatz wurde während der 1990er Jahre in den USA entwickelt und befindet sich in Deutschland etwa seit 2004 in der praktischen Anwendung. Die Dynamische Asset Allocation ermittelt eine begründete Aufteilung von Anlagemitteln zwischen einem risikotragenden Anlagegut (zum Beispiel. einer Dax-Indexanlage) und einem „risikolosen“ Anlagegut (etwa einer Geldmarktanlage). Dabei werden keine expliziten Finanzmarktprognosen benötigt oder verwandt.

Das Vorgehen sei immer dasselbe, so Link: Zu Beginn eines festzulegenden Anlagezeitraums werden die zur Verfügung stehenden Anlagemittel (zum Beispiel 100 000 €) gleichgewichtig auf die beiden Anlagegüter verteilt (50 000 € in einer Dax-Indexanlage und die übrigen 50 000 € in Geldmarktfonds). Diese initiale Gleichgewichtung ist der praktische Ausdruck dessen, dass Prognosen zur künftigen Wertentwicklung der beiden Anlagegüter (Dax, Geldmarktrendite) nicht benötigt werden. Während nun das Anlagejahr fortschreitet, entwickelt sich entweder der Dax-Index vorteilhafter als die Geldmarktanlage – oder umgekehrt. Schrittweise im Monats- oder Wochenrhythmus folgt die DAA diesem Geschehen: Sie „belohnt“ das relativ erfolgreichere Anlageinstrument durch eine Höhergewichtung und „bestraft“ das relativ weniger erfolgreichere Anlageinstrument durch eine Absenkung seines Depotgewichts. So wie die Meeresfluten beim Gezeitenwechsel der Anziehungskraft des Mondes folgen, zieht im Verlauf des Anlagejahres das relativ erfolgreichere Anlagegut nach und nach mehr und mehr der Anlagemittel auf sich, natürlich zulasten des weniger rentablen Anlageinstruments.

Damit sei auch das Errei chen von Extrempositionierungen eines Depots (null Prozent Dax-Aktien, 100 Prozent Geldmarkt) im Verlauf eines Anlagejahres nicht nur wahrscheinlich, sondern explizit beabsichtigt, so Link. Während einer heftigen Baisse am Aktienmarkt wie etwa während der Jahre 2002 oder 2008 sollen ja auch möglichst keine Aktien im Depot liegen; die DAA habe ja gerade das Ziel, solchen für den Depotbestand des Anlegers gefährlichen Phasen möglichst vollständig auszuweichen. Gleichwohl währe keine Aktienmarkthausse oder -baisse ewig. Um ein im Zeitverlauf stetig wahrscheinlicher werdendes Ende einer Hausse oder Baisse nicht zu „verpassen“, erfolge am Ende des festzulegenden Anlagezeitraums ein „Reset“ der Depotgewichte, so Link: Die beiden Anlagegüter Dax-Indexanlage und Geldmarktanlage erhalten wieder ihr ursprüngliches „Startgewicht“ von 50 zu 50 Prozent. Während des nachfolgenden Anlagezeitraums beginnt der beschriebene Zyklus wieder von Neuem.    
Bulle und Bär sind die Symbole für steigende und fallende Aktienkurse. Foto: colourbox
Bulle und Bär sind die Symbole für steigende und fallende Aktienkurse. Foto: colourbox
Ein solches Vorgehen besitze mehrere Vorteile, weiß Link, insbesondere jenen, wie ein „Autopilot“ zu fungieren: Die Ermittlung der gesuchten Asset Allocation erfolge nach transparenten Regeln vollkommen objektiv nur auf Basis von Finanzmarktinformationen. Die Berücksichtigung fundamentalökonomischer Daten sei dabei nicht erforderlich, ein menschliches (notwendigerweise subjektiv motiviertes) Mittun oder Eingreifen ebenso wenig. Zum anderen lasse sich für alle liquiden Aktienmärkte der Welt und jeden Zeitraum jenseits von drei bis fünf Jahren zeigen, dass die Wertentwicklung eines nach DAA geführten Depots der einer statischen „50-50-Aufteilung“ als Vergleichsmaßstab überlegen ist – bei geringerem Anlagerisiko! Die vorstehende Aussage lässt sich nach Angaben des National-Bank-Experten in den meisten Fällen auch dann halten, wenn anstelle der Wertentwicklung einer 50-50-Aufteilung die eines sachgerecht gewählten Aktienindex als Vergleichsmaßstab herangezogen wird. Die vorstehend genannte Anforderung an die praktische Eignung einer Strategie für die Vornahme der Asset Allocation („Mehrwerterzielung“) sei somit erfüllt.

Nun könne die eingangs gestellte Aufgabe, Anlagemittel auf mehrere Aktienmärkte zu verteilen, nicht direkt mit dem geschilderten Verfahren gelöst werden: Sollen Anlagemittel begründet auf mehrere Aktienmärkte oder Aktienmarktsegmente aufgeteilt werden, dann gebe es dabei kein „sicheres“ Anlagegut wie eine Geldmarktanlage, in die hinein sich die Anlagemittel im Falle einer Aktienmarktbaisse „flüchten“ könnten wie beschrieben. Es gebe auch nicht nur zwei Anlagegüter („risikotragende“ und „sichere“). Die Aufteilung der Anlagemittel solle stattdessen auf mehrere, etwa geografisch segmentierte Aktienmärkte erfolgen. Es ist also, betont Link, erforderlich, das geschilderte Verfahren umzuarbeiten und der beschriebenen Aufgabenstellung anzupassen. Das Resultat einer solchen Anpassung ist der National-Bank-Weltaktienmarktkompass.

Zu dessen Erstellung wird zunächst eine Auswahl der weltweit für die Aktienanlage zur Verfügung stehenden Aktienmärkte getroffen. Um ein Depot noch übersichtlich zu halten bzw. eine Mindest-Risikostreuung zu gewährleisten, darf die Anzahl dieser Aktienmärkte nicht zu hoch, aber auch nicht zu gering ausfallen. Die National-Bank hat sich dafür entschieden, die Weltaktienmärkte nach den Kriterien geografische Lage einerseits und wirtschaftlicher Entwicklungsstand andererseits zu segmentieren. Demzufolge gliedern sich die Weltaktienmärkte in acht relevante Teilmärkte (Mitgliedsstaaten der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion, Skandinavien, Großbritannien, Schweiz, Emerging Markets weltweit, China, Japan und USA), auf die die zur Verfügung stehenden Anlagemittel verteilt werden. Zu jedem der acht Teilmärkte existiert mindestens ein voll replizierender und liquider börsennotierter Indexfonds (ETF), unter dessen Verwendung die Allokationsempfehlungen des National-Bank-Weltaktienmarktkompasses bei Interesse „1:1“ und in Echtzeit in einem Depot nachvollzogen werden können.

Nun beginne der vorstehend beschriebene Zyklus, so Link: Zu Beginn eines Anlagejahres wird eine Gleichverteilung der Anlagemittel über alle acht Teilmärkte errichtet, das Startgewicht eines Teilmarkts im Depot beträgt somit einheitlich 12,5 Prozent. Je umfänglicher nun (wie im Jahresverlauf 2019 geschehen) die Wertentwicklung in € zum Beispiel von schweizerischen Aktien oder US-amerikanischen Aktien diejenige der übrigen Teilmärkte übersteigt, desto größer werden die Anteile Schweiz und USA im Depot. Sie erhöhen sich zulasten der (schrumpfenden) Depotanteile. Wahlweise im Monats- oder Wochenrhythmus gibt der National-Bank-Weltaktienmarktkompass seine Empfehlung zur Gewichtsanpassung der acht Teilmärkte, bis mit dem Jahresende wie beschrieben der „Reset“ auf Gleichgewichtung stattfindet und der Zyklus im Folgejahr von vorne beginnt.

Und wo bleibt bei diesem Verfahren und bei Abwesenheit eines „sicheren“ Anlageguts (Geldmarkt) die Risikokontrolle? Der National-Bank-Weltaktienmarktkompass führt ein buchhalterisches „fiktives“ Geldmarktkonto mit, dessen Entwicklung Aufschluss über die Gestaltung der Risikosituation an den Weltaktienmärkten liefert: Überschreitet die Gewichtung dieses fiktiven Geldmarktkontos einen Schwellwert, so kann mit hoher Wahrscheinlichkeit das Bevorstehen einer weltweiten Aktienmarktbaisse angenommen werden, in deren Verlauf auch die weltweite Aktienanlage statt wirksamer Risikodiversifikation nur zu einem „Stühlerücken auf der ‚Titanic‘“ führen würde, erklärt Link. Bei Erreichung dieser Extrembedingung bis zu ihrer Wiederauflösung wird die globale Aktienquote im Interesse der Risikobegrenzung folglich auf null reduziert, ein Depot enthält keinen Aktienanteil mehr.

Rückrechnungen der Wertentwicklung eines gemäß National-Bank-Weltaktienmarktkompass weltweit investierten Aktiendepots zeigen für den Zeitraum 2001 bis Herbst 2019 in Euro eine kumulierte jährliche Rendite von 5,1 Prozent. Der höchste, jemals in diesem Zeitraum zeitweise hinzunehmende Verlust (Maximum Drawdown) eines solchen Aktiendepots habe sich auf 33,4 Prozent (Zeitraum 2000 bis 2002) belaufen, so Link. 

    
Datenschutz