Sonderveröffentlichung

Das bietet ein duales Studium

Viel Geld, wenig Freizeit?

Die meisten dualen Studiengänge verfolgen ein Blockmodell, bei dem sich Theorie und Praxis abwechseln. Foto: dpa

14.09.2020

Dual studieren, das hört sich erst mal nach viel Stress und wenig Ferien an. Und doch entscheiden sich jedes Jahr mehr und mehr Abiturienten für das Modell.
    

„Dual bedeutet eine enge Verknüpfung zwischen Beruf und Studium“, sagt Sigrun Nickel, Leiterin des Bereichs Hochschulforschung beim Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Typisch dafür ist, dass an mindestens zwei Orten gelernt wird: in der Hochschule und im Betrieb.
   

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„Vor allem Fachrichtungen mit hohem Praxisanteil werden als duale Studiengänge angeboten“, sagt Silvia Hofmann vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Neben den Bereichen Ingenieurwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften und Informatik, gibt es auch für Soziales, Pflege, Erziehung und Gesundheit immer mehr duale Angebote.

Das Bewerbungsverfahren läuft in zwei Stufen ab und beginnt mit der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Die Abiturnote spielt nicht die größte Rolle. Meistens entscheidet sich durch Assessmentcenter, Einstellungs-Tests und Gespräche, wer einen Platz bekommt.

Durch diesen Bewerbungsprozess musste auch Kilian Hein durch: Für einen Studienplatz in Industriemanagement an der Europäischen Fachhochschule in Brühl, bewarb er sich zunächst bei einem kooperierenden Ausbildungsbetrieb der Fachhochschule. Erst mit der Zusage des Unternehmens, konnte er sich für den Studienplatz bewerben.

Die meisten dualen Studiengänge verfolgen ein Blockmodell, bei dem sich Theorie und Praxis abwechseln. Die enge Verknüpfung hat Vorteile. „Durch die Arbeit im Unternehmen konnte ich mir alles besser vorstellen“, sagt Hein.

Doch das Studentenleben ist anders: Wenn andere Semesterferien haben, müssen dual Studierende meistens arbeiten. Die Uni läuft außerdem oft mit einem eher straffen Zeitplan ab. „Ein duales Studium ist daher vor allem für diejenigen was, die eher praxisorientiert sind“, sagt Sirikit Krone vom Institut Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen.

Dafür bekommen dual Studierende über die gesamte Dauer des Studiums bereits ein Ausbildungsgehalt. Wie viel das ist, hängt von Studiengang, Branche und Unternehmen ab. Meist liegt es zwischen 500 Euro bis 1500 Euro brutto.

Wenn das Unternehmen auch die Kosten für die Uni übernimmt, müssen die Studierenden sich häufig verpflichten, nach dem Abschluss eine bestimmte Zeit dort zu bleiben. Und oft gilt: Wer das Studium abbricht, muss die Studiengebühren zurückzahlen.

Wer aber durchzieht, der wird mit guten Übernahmechancen belohnt. „Das Unternehmen will bedarfsgerecht hochqualifizierte Fachkräfte ausbilden und frühzeitig an sich binden“, sagt Hofmann vom BIBB. Ein höheres Einstiegsgehalt oder mehr Verantwortung können die Absolventen aber nicht erwarten.

Kilian Hein hat die Uni selbst bezahlt und ein regelmäßiges Gehalt bekommen – auch während seines Auslandssemesters in Seoul, Südkorea. Der Auslandsaufenthalt war eine seiner Bedingungen an das Unternehmen. Auch solche Wünsche sollte man am besten vorher besprechen und vertraglich festhalten. (dpa)


Genau prüfen

Wer sich für ein duales Studienangebot interessiert, sollte genau hinsehen: Dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) zufolge gibt es Studiengänge, die zwar als „dual“ deklariert werden, aber im Kern gar keine sind. Die Verzahnung zwischen hochschulischer und betrieblicher Bildung sei dann längst nicht so eng, wie sie sein sollte, heißt es von Seiten des CHE. Deshalb gilt: Bereits vor der Bewerbung sollten Interessierte erfragen, ob die Ausbildungs- oder Praxiszeit im Unternehmen tatsächlich mit Credit Points im ECTS-System als Studienleistung angerechnet wird. Wie viele Leistungspunkte in der Hochschule und im Betrieb erworben werden, sollte auch im Modulhandbuch stehen.