Sonderveröffentlichung

Dual studieren wird immer beliebter

Was bei der Bewerbung zu beachten ist

Ein duales Studium bedeutet Doppelbelastung: Und an der Hochschule gibt es meist einen straffen Zeitplan. Foto: dpa/Markus Hibbeler

27.03.2021

Das Besondere am dualen Studium liegt auf der Hand: „Im Vergleich zum normalen Studium gibt es die intensiven Praxisphasen“, sagt Dr. Sirikit Krone vom Institut Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen. Geeignet ist ein solches Studium daher für Praktiker, die weniger am Akademischen interessiert sind.

Durch das parallele Arbeiten in Betrieb und Hochschule lernt man den Beruf bereits kennen und bekommt Orientierung für das berufliche Leben. Damit verbunden ist aber ein großer Zeitaufwand und ein hoher Anspruch an die Arbeitsdisziplin. Darüber müssen sich Bewerber vorher im Klaren sein.


»Im Vergleich zum normalen Studium gibt es die intensiven Praxisphasen.«

Dr. Sirikit Krone 
     


Das Spektrum der Fächer, die dual studiert werden können, ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften nehmen ein Drittel der Studiengänge ein, Informatik gut zehn Prozent. In der jüngsten Vergangenheit sind die Bereiche Pädagogik, Soziales und Pflege hinzugekommen.

Dr. Sirikit Krone von der Universität Duisburg-Essen. Foto: privat
Dr. Sirikit Krone von der Universität Duisburg-Essen. Foto: privat

Wie verläuft das Verfahren? Erst schließen Bewerber einen Ausbildungs- oder Praktikumsvertrag mit dem Unternehmen ab, dann können sie sich an der Hochschule einschreiben. Sie sollten sich aber schon vorher an dieser informieren, wie das Studium konzipiert ist, mit welchen Betrieben kooperiert wird und wie die Studienordnung aussieht. Die Betriebe schreiben ihre dualen Stellen aus, beispielsweise auf ihrer Homepage. Auch die Websites der Hochschulen bieten Ausbildungsbörsen, wo entsprechende Stellen zu finden sind. Orientierung bieten Datenbänke. AusbildungPlus.de, die Datenbank des Bundesinstituts für Berufsbildung, hält Dr. Sirikit Krone für die beste: „Hier wird der größte Teil der angebotenen Studiengänge aufgelistet und vorgestellt. Unter der Rubrik „Betriebe“ findet man kooperierende Unternehmen.“

Mit dem Ausbildungs beziehungsweise Praktikumsvertrag in der Tasche schreibt man sich in einem zweiten Schritt an der Hochschule ein, das geht teilweise schon online. Drei Viertel der Hochschulen, die ein duales Studium anbieten sind Fachhochschulen (auch privat), Unis machen laut Dr. Sirikit Krone nur drei Prozent aus. Da duale Studiengänge sehr beliebt sind, rät sie, schon ein Jahr vor Schulende mit der Orientierung zu beginnen – also nicht auf den letzten Drücker bewerben!

Neben der Sicherheit und den Karriereaussichten ist das Geld für viele ein zentrales Motiv für ein duales Studium. Wie hoch das Gehalt liegt, hängt vom Studiengang, von der Branche und dem jeweiligen Unternehmen ab. Bei einem ausbildungsintegrierten dualen Studium erhalten Studierende genau so viel wie der normale Azubi. Beim praxisintegrierten dualen Studium muss das Praktikumsgehalt selbst verhandelt werden. Deshalb kann es stark variieren, erklärt Dr. Sirikit Krone. Mögliche Studiengebühren können mit dem Gehalt verrechnet werden, aber auch das wird von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich gehandhabt und ist unter Umständen Verhandlungssache. Jan-Philipp Jenke


Gut zu wissen

Vier Modelle im Überblick

Ein kurzer Überblick über die vier Studienmodelle:

- Das ausbildungsintegrierte duale Studium: Wer sich für dieses Modell entscheidet, muss Abitur oder Fachabitur mitbringen. Das Studiumdauert meistens vier bis fünf Jahre. Neben dem Bachelorstudium absolvieren Studierende eine staatlich anerkannte Ausbildung im Betrieb. Am Ende haben sie sowohl einen Bachelor-Abschluss als auch den IHK/HWK-Abschluss.

- Das praxisintegrierte duale Studium: Auch hier sind Abitur oder Fachabitur Voraussetzung. Die Praxisphasen finden in der Regel während der vorlesungsfreien Zeit statt – entweder in einem festen Ausbildungsbetrieb oder in Form von Praktika, dann auch in verschiedenen Unternehmen. Nach drei bis vier Jahre Studium erhält man den Bachelorabschluss.

- Das berufsintegrierende duale Studium: Für Berufstätige mit abgeschlossener Ausbildung bietet sich ein berufsintegriertes duales Studium an. Für die Studienzeiten an der Hochschule wird man vom Arbeitgeber freigestellt. In der Regel arbeitet man für die Zeit des Studiums weniger, oft in Teilzeit. Bis zum Hochschulabschluss dauert es etwa drei bis vier Jahre.

- Das berufsbegleitende duale Studium: Diese Angebote richten sich ebenfalls an Berufstätige mit abgeschlossener Ausbildung. Etwa drei bis vier Jahre studieren sie, ähnlich wie beim Fernstudium am Wochenende oder nach Feierabend und arbeiten in Vollzeit weiter. Für Prüfungen wird man meist vom Arbeitgeber freigestellt. (dpa)
       

Unterschiedliche Abläufe

Das Studium ist nicht zentral geregelt. Es gibt beispielsweise Wochenmodelle, das heißt: drei Tage Betrieb, zwei Tage Hochschule, ein Tag Berufsschule. Oder Modelle mit längeren Zeiträumen an den verschiedenen Lernorten – Beispiel: im ersten Jahr Betrieb, im zweiten Jahr Betrieb sowie Studium halb und halb, im dritten Jahr Hochschule für den Bachelor-Abschluss; die Berufsausbildung wird bei diesem Modell schon vorher abgeschlossen, so Dr. Sirikit Krone. -jpj-