Sonderveröffentlichung

Wo Medizin auf Wirtschaft trifft

Kaufleute im Gesundheitswesen müssen rechnen und beraten können

Samstag, 23.11.2019, 11:11 Uhr

Ihre Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen absolviert Lina-Sophie Raabe bei der Techniker Krankenkasse in Hamburg. Andere mögliche Ausbildungsbetriebe sind Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, Arztpraxen, Wohlfahrtsverbände oder Rehabilitations-Zentren. Foto: dpa
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Universitätsklinikum Münster
Kaufleute im Gesundheitswesen arbeiten überall da, wo wirtschaftliche und medizinische Fragen aufeinandertreffen. Anders gesagt: Es gibt viel zu tun. Rechnungen und Personalstatistiken verfassen, Patienten beraten und Dienstleistungen dokumentieren – das ist nur ein Teil der vielen verschiedenen Aufgaben, die Lina-Sophie Raabe als Auszubildende bei der Techniker Krankenkasse absolviert. „Ich finde die Vielseitigkeit toll und den Kontakt zu Menschen, sowohl im Team als auch mit den Kunden“, sagt die 20-Jährige.

Drei Jahre dauert die duale Ausbildung. Ausbildungsbetriebe können neben Krankenkassen auch Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, Arztpraxen, Wohlfahrtsverbände oder Rehabilitations-Zentren sein. „Ich finde, gerade jetzt merkt man, dass Gesundheit ein ganz wichtiger Aspekt in der Gesellschaft ist, beispielsweise an all den Trendsportarten“, sagt Lina-Sophie Raabe. „Ich finde den Bereich auch interessant, weil er immer wächst und Zukunft hat.“

Die Zahlen geben ihr Recht: Laut Bundesagentur für Arbeit gab es 2017 rund 4600 Auszubildende im kaufmännischen Gesundheitswesen, 1000 mehr als im Jahr 2013. Auch die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt sind rosig: Aktuell werden deutschlandweit 3200 Kaufleute im Gesundheitswesen gesucht, erklärt Paul Ebsen, Pressesprecher der Bundesagentur.

Über großen Zulauf an Auszubildenden freut sich auch Steffen Brandt, Bereichsleiter für den Ausbildungsberuf an der Alice-Salomon-Schule in Hannover. „Die Anmeldezahlen steigen und steigen, wir haben mit 15 Auszubildenden pro Jahrgang begonnen und sind inzwischen bei 100“, erklärt er.

Von seinen Schülern erwartet er Zuverlässigkeit und Sorgfalt, gute Deutsch- und Mathekenntnisse, dazu Kommunikations- und Teamfähigkeit. „Je nach Ausrichtung der Ausbildungsbetriebe hat man es auch mit gesundheitsspezifischen Rechtsgrundlagen zu tun“, ergänzt er. Überhaupt – so unterschiedlich wie die Ausbildungsbetriebe sind, so unterschiedlich bilden sie auch aus.

Wer sich bereits für die Ausbildung entschieden hat, wisse vor allem ihre Vielseitigkeit und die Möglichkeiten der Weiterbildung zu schätzen, erklärt Brandt. Die Vergütung dagegen empfanden einige Schüler als zu gering: Laut BIBB liegt sie durchschnittlich und über den gesamten Ausbildungsverlauf bei rund 850 Euro.

Lukrativer erscheinen so manchem die Weiterbildungsmöglichkeiten – etwa zum Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen oder zum Betriebswirt. „Ferner können sich Kaufleute im Gesundheitswesen nach Abschluss der Ausbildung im Qualitätsmanagement und im Bereich der Ausbildung qualifizieren“, erklärt Gisela Mettin vom BIBB. Auch ein Studium sei möglich. Lina-Sophie Raabe kann sich eine Weiterbildung gut vorstellen. Bis dahin bleibt ihr aber noch etwas Zeit, den Beruf zur Kauffrau im Gesundheitswesen kennenzulernen. Das Menschliche und Fachliche zu verbinden, sei für sie die größte Herausforderung. „Wenn ich einem Kunden sagen muss, dass ich etwas nicht bewilligen kann, fällt mir das manchmal schwer. Einige Dinge sind an Gesetze gebunden, und trotzdem kann ich mich in meinen Gegenüber hineinversetzen“, erklärt sie. (dpa)
  
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