Sonderveröffentlichung

Cadillac wagt einen Neuanfang in Deutschland

XT4 ist kompakt und günstig

Neu ist er nur in Deutschland: In den USA ist der XT4 bereits seit einiger Zeit auf dem Markt.

9.11.2020

Cadillac wagt einen kleinen Neuanfang in Deutschland. Mit dem SUV XT4 nimmt die US-Marke ihr bislang kompaktestes und günstigstes Modell ins Programm. Mindestens 35 800 Euro sind zu investieren.

Die erste Etappe des Neustarts ist Cadillac durchaus gelungen: Mit seiner scharf geschnittenen Schneepflug-Front und den sensenförmigen Leuchten sticht der XT4 aus der Masse des überlaufenen Segments hervor. Innen sorgen dagegen Chrom und Leder sorgen zwar für ein ordentliches Ambiente, die kleinen Bildschirme, die zahlreichen Tasten und die schmucklosen Analog-Instrumente wirken aber im Vergleich zu den Konkurrenten leicht altbacken. Aber die verbindlich gepolsterten Ledersessel machen auch auf langen Strecken keinen Ärger, Head-up-Display, elektrische Heckklappe und ein Rundum-Kamera-System sorgen für hohen Bedienkomfort. Dazu kommt eine kleine Armee von Assistenz-Systemen.

Das Platzangebot ist vor allem vorne großzügig. Auch hinten lässt es sich bei voller Fahrzeugbesetzung als Erwachsener gut aushalten, speziell die Kniefreiheit erinnert an Fahrzeuge aus höheren Klassen.

Mit seinem für Cadillac fast schon handlichen Zuschnitt passt der XT4 von vornherein besser auf deutsche Straßen als das Dickschiff Escalade. Auch das Fahrwerk wirkt europäischer. Dazu gesellt sich mit dem eigens entwickelten Diesel ein traditionell europäischer Motor: Der Vierzylinder klingt meist kultiviert, bietet ordentlichen Durchzug und einen guten Antritt. Dabei hilft die aufmerksame Neungangautomatik. Der Normverbrauch liegt bei 6,4 Litern (6,9 Liter beim Allradmodell). Immerhin wirken die im Datenblatt hinterlegten Werte nach den ersten Testkilometern nicht komplett unrealistisch.

Die Preisliste für das aktuell einzige Cadillac-Modell ist übersichtlich geraten. Zum Start gibt es nur zwei Sondermodelle. In der „Launch Edition“, die ausschließlich mit Frontantrieb kombinierbar ist, wartet der XT4 ab 42 900 Euro unter anderem mit 18-Zoll-Felgen und Zierteilen in Metalloptik auf. Wer mindestens 47 100 Euro investiert, erhält die „Launch Sport Edition“ mit 20-Zöllern, schwarz glänzenden Karosserie-Applikationen und LED-Heckleuchten. Optional ist für diese Variante auch der Allradantrieb hinzu buchbar, dann stehen 49 200 Euro auf der Rechnung.

Zum Jahresende kommen die Standardvarianten zum Händler, wodurch der Einstiegspreis auf 35 800 Euro sinkt. Zeitgleich nimmt Cadillac mit dem 174 kW (237 PS) starken 2,0-Liter-Turbobenziner auch eine Antriebsalternative ins Programm.

Viel Unterstützung aus eigenen Reihen darf der XT4 nicht erwarten. Bis auf weiteres bleibt er das einzige Europa-Modell der General-Motors-Tochter. Weder der große Bruder XT5 noch eine der Limousinen soll nach aktuellem Stand für den hiesigen Markt angepasst werden. Immerhin ergänzt demnächst die neue Generation der Corvette Programm der Marke in Deutschland. (sp-x)


Automatikgetriebe sind auf dem Vormarsch

Deutsche lernen langsam dazu

Handschalter oder Automatik? Bei dieser Frage waren sich die deutschen Autofahrer lange Zeit einig: Während in vielen Ländern traditionell bis zu 90 Prozent der Autos mit Automatikgetriebe ausgeliefert wurden, lag die Quote hierzulande bei gerade mal einem Fünftel. 80 Prozent dagegen wollten selbst im Getriebe rühren. Inzwischen kommen auch die Deutschen auf den Geschmack des Schaltenlassens, mittlerweile liegt die Verteilung bei rund 50 zu 50.

Generell muss man unterscheiden: Früher war damit fast immer eine Wandlerautomatik gemeint. Ein relativ großes und schweres Bauteil, das mithilfe mehrere Planetengetriebe verschiedene Übersetzungsstufen, also Gänge, darstellen kann. Das funktioniert ziemlich geschmeidig und ohne Zugkraftunterbrechung. Der Preis für den Komfort: Vor allem ältere Wandlerautomaten neigen dazu, Leistung zu schlucken.

Die deutlich günstigere Alternative ist ein automatisiertes Schaltgetriebe. Das ist vom Grunde her genauso aufgebaut wie ein klassischer Handschalter. Nur dass hier statt des Fahrers hydraulisch angetriebene Zylinder und elektrische Stellmotoren die Kupplung betätigen und die Gangwechsel durchführen. Der recht einfache technische Aufbau und die große Ähnlichkeit mit manuellen Getrieben erlauben einen günstigen Preis.

Allerdings können einfache, automatisierte Schaltgetriebe einer Wandlerautomatik in Sachen Komfort nicht das Wasser reichen. Die Schaltvorgänge dauern reichlich lang und die Fahrzeuge neigen häufig zu starkem Nicken.

Deutlich angenehmer, wenngleich es auch zu den automatisierten Schaltgetrieben zählt, arbeitet das Doppelkupplungsgetriebe; von vielen Herstellern auch Direktschaltgetriebe genannt. Hier kommen zwei Teilgetriebe zum Einsatz, eins für die geraden, eins für die ungeraden Gänge. Im jeweils unbenutzten Teil wird schon vor dem Schalten der nächste Gang eingelegt, so dass schließlich nur noch die eine Kupplung geöffnet und die andere geschlossen werden muss. Das verkürzt die Zeit der Schaltvorgänge merklich und funktioniert nahezu ohne Zugkraftunterbrechung und Ruckeln. Gegenüber einer Wandlerautomatik sind die Doppelkuppler zudem noch sparsamer, da der Wirkungsgrad besser ist, und immer noch billiger.

Mittlerweile kann der Fahrer bei fast allen Automatikgetrieben über Schaltpaddel am Lenkrad oder den Gangwahlhebel immer noch selbst eingreifen.

Die vierte Automatik-Art sind stufenlose Getriebe (CVT, für continuously variable transmission). Die können die Übersetzung nahezu beliebig variieren. Das senkt den Spritverbrauch, da immer die optimale Übersetzung gewählt werden kann. In der Praxis stören sich viele am Gummiband-Effekt: Der Wagen beschleunigt, ohne dass die Drehzahl sich ändert. Deshalb wurden nachträglich spürbare Schaltstufen eingefügt. (sp-x)